Wer in Berlin gerne gut isst und nicht unter Geldknappheit leidet, der hat wahrscheinlich den Remise-Meisterkoch bereits im berühmten Bamberger Reiter kennen und schätzen gelernt: Franz Raneburger.
Er sorgte lange dafür, dass wenigstens ein Restaurant in der kulinarischen Wüste Berlin sich mit einem Michelin-Stern schmücken durfte. Inzwischen hat sich in der Berliner Restaurant-Szene einiges getan, aber ich habe absolut keine Ahnung davon...und lebe immer noch!
Wenn ich nicht vor 3 Jahren einen schönen Winterspaziergang um das Glienicker Schloss gemacht hätte, wäre mir dies alles bis heute völlig unbekannt.
Wie es der Zufall so will, gibt es dort eben nur dieses eine Restaurant und wenn der Magen knurrt, die Nase abfriert und man aufs Klo muss, dann greift man halt nach jedem Strohhalm, der sich einem so bietet. In meinem Fall war das ausgerechnet das Edelrestaurant "Remise", direkt im Schloss Glienicke.
Das Essen damals war phantastisch - so lecker, dass mich der Geschmack förmlich verfolgte und ich immer mit verdrehten Augen von diesem Restaurant sprach und alle damit nervte.
Komischerweise hat es mich aber erst am letzten Sonntag wieder dorthin verschlagen. Erstmalig komplett geplant inklusive Tischreservierung (es gab ein kleines Jubiläum zu feiern, aber das ist privat).
Mein Begleiter und ich bestellten uns eine Flasche Blauen Zweigelt 2004, blickten uns verliebt in die Augen und freuten uns über die fast ungeteilte Aufmerksamkeit unserer Bedienung (nur 8 Gäste außer uns).
Die Entscheidung bei mir fiel innerhalb von 2 Minuten, denn ich entdeckte Ente mit Klößen, Rotkohl und Grünkohl - genau das Gericht, das mich 3 Jahre lang verfolgt hatte! Der "Hausherr" bestellte Hirschkalbrücken mit Kürbisgemüse und Knödeln und überbrückte die Wartezeit mit einer Wild-Consommée, während ich eine Kürbiscremesuppe in mich hineinlöffelte.
Das Ambiente war sehr feierlich, weihnachtlich mit angenehmer, geschmackvoller Dekoration, die sogar mich als Weihnachtshasserin recht milde stimmte.
Als dann unser Hauptgericht kam, war schon der Anblick umwerfend: Der Hirsch war so auf den Teller gehäuft, dass er aussah wie eine ganze rosige Herde, saftig, leicht gebräunt und appetitlich. Zum Anbeißen eben! Mir wurde glaubhaft versichert, dass das Fleisch förmlich auf der Zunge verging und alles bisher Gekannte weit übertraf.
Meine Ente lag wonnig auf ihrem Rotkohl-Bett und suhlte sich keck in einer braunen Buttersoße, zusammen mit ausgesprochen lecker aussehenden Semmelknödeln und einem schüchternen Stück Broccoli (knackig!).
Ich habe noch nie so zartes, perfekt zubereitetes Fleisch gegessen wie nun bereits zum zweiten Mal in der Remise. Das ganze Menü war einfach eine völlig andere Liga als die mir sonst bekannten Restaurant-Gerichte.
Ich empfehle die Remise bedingungslos für besondere Anlässe oder auch zur Mittagszeit nach einem auszehrenden Winter-Spaziergang.
Nichts für jeden Tag, dafür ist es einfach zu teuer, aber ich hätte nichts dagegen, wenn mich mein Hausherr nächstes Jahr wieder dorthin einlädt...ich hoffe bloß, er liest das hier...
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