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mostro

Kompliment mostro (23.12.2006) 5

Als ebenfalls in diesem Bereich tätiger Mensch gerate ich selten ins Schwärmen, wenn ich über Angehörige medizinischer Berufe rede.

Aber bei Dr. Walther vergeht mir mein sonst so giftiges Kommentieren und ich stimme ein geradezu weihnachtliches Loblied an, also passend zum heutigen Datum....

Dank der gesundheitspolitischen Meisterwerke der Ära Seehofer / Fischer / Ulla Schmidt blicken wir heute auf ein Gesundheitssystem, in dem die Entscheidungs-Gewalt nicht mehr von denen ausgeht, die die fachliche Kompetenz haben. Nein, in absolut perfider und reziproker Manier entscheidet heute nicht der kundige Arzt oder einer erfahrene Krankenpflegekraft über Wohl und Wehe des geplagten Patienten (Kranksein ist in unserer effektivitätsorientierten Zeit ja nicht erlaubt), sondern eine Hierarchie, die sich aus Krankenkassenfunktionären, Gesundheitspolitikern und schließlch den unsäglichen Qualitätsmanagern zusammensetzt. Letztere sind das perverseste Prinzip der Effizienz-Generation: Sie werden beispielsweise in Krankenhäusern eingestellt, kosten viel viel Geld und daher muß in jeder Krankenhaussbteilung eine Stelle eingespart werden um das Gehalt des Managers aufzubringen. Dieser wiedereum stellt dann natürlich eine mangelhafte Qualität in diesen Abteilungen fest. Das führt dann aber niemals zu Neueinstellungen. Nein, man bildet dann "Arbeitsgruppen", in denen die soweso überlasteten Mitarbeiter herausfinden sollen, wie man Qualität erzeugt. Dieser zusätzliche Zeitaufwand vermindert natürlich wieder die Qualität. Wird nun neu eingestellt? Nein. Jetzt muß ein zweiter Qualitätsmanager her. Wenn der clever ist, führt er einfach ein neues Messverfahren für Qualität ein, dass beweist, dass nach seinem Dienstantritt die Qualität ja ganz hervorragend geworden ist (und streicht ohne eine Hand zu rühren eine Erfolgsprämie ein, die dem Jahresgehalt eines Arztes mindestens entspricht). Leider tendieren Vertreter dieser Spezies eher dazu, Mitarbeiter auf Zwangsfortbildungen oder Schulungen zu schicken. Die -ursprünglich eigentlich mal hochkompetenten- Mediziner verlieren so noch mehr Zeit, die sie nicht für die Patienten haben. Die Qualität sinkt wieder. Alarm! Jetzt muß jeder Arzt täglich eine Stunde am Computer dokunentieren was er in jeder Minute seines irdischen Daseins gemacht hat. Wieder geht Zeit verloren und die Qualität sinkt... Usw.- es ist eine Endlosschleife, die anscheinend von den Funktionären nicht unterbrochen werden will, also ist die Katastrophe programmiert...

Aber zurück zu Dr. Walther. Wie er es macht ist mir ein Rätsel, aber: Er nimmt sich maximal viel Zeit für die Patienten, führt Gespräche mit mir, wenn es mir ob des vollen Wartezimmers unhöflich scheint , ihn mit profanen Problemchen zu belästigen. Er ist sehr feinfühlig, da neben Facharzt für Innere Medizin auch noch Dipl. Psychologe. Und als Internist ist er maximal kompetent, begnügt sich definitiv nicht mit oberflächlichen Untersuchungen, sondern geht auch seltenen Erkrankungen und atypischen Geschehen konsequent und mit hoher Spezifität auf den Grund.

Was alles aber übersteigert ist seine persönliche Fürsorge. Mehrfach und einmal sogar um 22 Uhr hat er mich aus der Praxis auf der Arbeit angerufen, um mir Ergebnisse von Untersuchungen mitzuteilen. So etwas ist eindeutig einmalig in der heutigen Zeit, in der Praxisärzte teilweise ernsthaft aufgrund der o.g. politischen Fehler vom Bankrott bedroht sind und konsekutiv Patienten nur noch mit "Dienst nach Vorschrift" behandeln - und diese Vorschriften sind -wie oben beschrieben- ja oft nach Qualitätskatalogen besagter Manager definiert....

Einziges Manko, für das er nichts kann, sind seine Arzthelferinnen. Die sind oft etwas gleichgültig, nicht sehr freundlich - und vergessen einen gelegentlich auch mal dranzunehmen - denen würde ich gerade 2 Sternchen geben, aber sie fallen aus dieser Bewertung heraus.

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