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Benutzerfoto: mostro

mostro

Kompliment mostro (21.01.2007) 5

Der Luberon ist trotz enormem Zustrom von reichen Einwanderern eine der originellsten Gegenden der Provence, in der man immer irgendwo eine ruhige Nische zum Abschweifen findet.

Das scheint bereits im 12. Jahrhundert so gewesen zu sein, als die Zisterziensermönche gemäß ihrer Satzung ihre Abtei "an entlegenen Orten, fern vom Verkehr der Menschen" im einsamen Tal der Sénancole (heisst "ohne Wasser") erbauten. Noch heute ist die Strasse vom Touristenort Gordes dorthin eng, kurvenreich, beschwerlich - am Schluß erreicht man jäh die Talsohle und sieht plötzlich die grauen gedrungenen Mauern der Abtei hinter Bäumen und Lavendelfeldern auftauchen (also möglichst zur Blütezeit dorthin fahren!!).

Im Gegensatz zu den im 11.Jahrhundert dominierenden Cluniazensern setzten die Zisterzensier streng auf besonders abgelegene und äußerlich schlichte Bauten ohne Bilder und Skulpturen, im Mittelpunkt standen harte Arbeit, konsequente Meditation und Abwesenheit jeglichen Luxus.

Das (heute etwas masochistisch klingende) Konzept hätte auf Dauer natürlich nicht viel Zukunft gehabt, wenn da nicht eine charismatische Figur namens Bernhard (später geheiligt) gewesen wäre, der im zwölften Jahrhundert die Massen einte, Kreuzzüge initiierte und zu allem noch nobel das Papstamt ablehnte. Unter ihm wurde dann 1148 Senanque gegründet, das im 14.Jahrhundert aufblühte und immerhin mit Benedikt XII. einen Papst (in Avignon) lieferte. Die Macht führte wie üblich dann ins Verderben, die Waldenser plünderten schon im 16. Jahrhundert das Kloster und in der französischen Revolution kam die Zwangsschließung - unbeirrt wurde 1854 erneut wieder begonnen, mittlerweile sind die wenigen Zisterziensermönche aber im Mutterhaus in Citeaux, Senanque wird vorwiegend als Tagungsort und Kulturzentrum genutzt.

Daher kann man einen großen Teil der Abtei besichtigen und wird dabei durch die Umgebung sehr intensiv in die Vergangenheit zurückversetzt. Beeindruckend ist bei dem Rundgang vor allem, daß die perfekt bearbeiteten Steine praktisch komplett erhalten geblieben sind. Anders als bei anderen Klerikalbauten, ist hier kaum Schmuckwerk hinzugefügt, kaum architektonisch verändert worden. Und so streift man durch schlichte Gänge, Bögen und Säle -von Dormitorium über Klosterkirche, Kapitelsaal bis zum Refektorium- und kann ungestört die Eindrücke der Vergangenheit aufnehmen und Linien und Licht der Architektur in reinster Ausprägung bewundern. Klarheit und Schlichtheit sind hier absolut konsequent konzentriert und erinnern darin schon fast an manch modernes Werk, allerdings ist der graubraune Sandstein der Mauern doch eindeutig ein historisches Material.

Wer dann noch profanes Streben besitzt kann im Abteishop die typischen Klostersouvenirs erwerben, unter anderem natürlich alles, was man aus dem notorischen Lavendel machen kann, vom Duftsack bis zum Rauschmittel....

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Beliebte Stichworte: frankreich, kloster, lavendel, provence, süden

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