Kompliment
elefant (07.02.2007) •••••5
Schon lange wollte ich mal die hohe Kochkunst von Vincent Klink erleben, gestern war es endlich soweit. Vorab schon mal soviel: Jeder sollte sich das wenigstens einmal im Leben gönnen!
Sehr gut gefällt das gepflegte Ambiente im modernen Haus mit Blick auf Stuttgart. Die Stimmung ist entspannt und relativ locker, das Klientel gemischt. Im Lokal herrscht Rauchverbot, dadurch kommt das Essen voll zur Geltung. Die Bedienung ist effektiv, freundlich und überhaupt nicht affektiert. Selbst Elisabeth Klink, die Frau des Fernsehkochs schaut immer wieder nach dem Rechten. Auch der Meister selbst lässt es sich nicht nehmen von Tisch zu Tisch zu gehen um sich persönlich zu erkundigen.
Das Essen selbst ist bodenständig, ehrlich und ohne grossen Schnickschnack. Vincent Klink legt offenbar auch besonderen Wert auf höchste Qualität, vorzugsweise Bio, mit Angeboten aus der Region und der entsprechenden Saison. Dies schlägt sich in einem besonderen Geschmackserlebnis nieder.
Hier unsere Speisenfolge:
Nach dem Aperitif von Campari mit frisch gepresstem Orangensaft gab es einen "Ohnmachtshappen" aus der Küche, eine herrlich lockere und saftige Quiche mit Lauch. Gefolgt von einem Amuse Gueule aus Sugo vom Hirsch, (sehr leckerer Wildgeschmack). Dann ging es erst richtig los mit einer erfrischenden Paprika-Lauchterrine, die auch optisch ein Hingucker war. Dazu herrlich zarte auf den Punkt gebratene Wachtelbrust. Anschliessend wurde eine scharfe jüdische Entensuppe gereicht, mit einem intensiven Entengeschmack, sowie einer angenehmen Schärfe. Der nächste Gang bestand aus Langustine in Sauce Thermidor. Unglaublich zart und frisch, abgerundet mit einer köstlichen Sauce, die man unbedingt mit dem frischen Brot auftunken sollte :-) Apropos tunken, auf den Tischen steht ein unscheinbares Glas-Gefäss mit einer hellgrünen Flüssigkeit. Mein Tip, einfach mal mit dem Brot tunken und staunen wie herrlich fruchtig ein Olivenöl schmecken kann. Als nächstes wurde Ravioli vom Rehkitz mit Walnussbutter serviert. Einfach göttlich! Und wem bisher noch nicht das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, sollte lieber in die Imbissbude gehen.
Schliesslich folgte der Hauptgang (kann man das überhaupt sagen?) Alblammrücken (herrlich zart und rosa mit herrlichem Geschmack) dazu Bohnengemüse (zart mit dem richtigen Biss und echtem Bohnengeschmack) und ein Kartoffelgratin von feingehobelten Kartoffeln, saftig und total lecker.
Die weitere Speisefolge bestand aus einem gratinierten Taleggio mit Oliventapenade. Und hier kommt mein einziger Kritikpunkt, denn leider war der Käse herstellungsbedingt viel zu salzig. Nach Rücksprache mit der Küche stellte sich heraus, dass offensichtlich ein neuer Käse angeschnitten, der aber nicht probiert wurde. Sehr erfreulich auch, wie unkompliziert mit Kritik umgegangen wird.
Es folgte noch eine winzige, aber leckere Creme Brulee als Vorbote des Desserts.
Schliesslich kam der Nachtisch in Form von Kokosmeringe mit Passionsfruchtparfait. Es war förmlich eine Geschmacksexplosion, die den unglücklichen Taleggio sofort vergessen liess. Genial!
Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Espresso, zu dem selbst gemachte Pralinen gereicht wurden.
Alles in allem sassen wir 4 Stunden bei einem exquisiten Mahl. Ein rundum gelungener Abend, der allerdings seinen Preis hatte. Pro Menu sind 98.- Euro fällig und die Flasche Lousteaneuf (2002) ein Medoc aus Bordeaux kostet auch noch einmal 49.- Euro.
Aber, wie eingangs schon gesagt, sollte man sich das einmal gönnen. Vielleicht zu einem runden Geburtstag.
Ich habe in gut 2 Jahren wieder einen, genauso wie Sternekoch Vincent Klink, schliesslich sind wir der gleiche Jahrgang :-)
Stichworte
rauchfrei, gepflegt, köstlich, ehrlich
Kommentare (4)
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