Kompliment
mostro (27.03.2007)
Es gibt wenige Orte auf der Welt, an die ich immer wieder zurückkehren möchte, aber die Ockersteinbrüche von Roussillion gehören zu den eindringlichsten Impressionen, die mir in der Provence (und in Europa überhaupt) in die Quere gekommen sind - und der Ort ist wunderbarerweise jedes Mal wieder gleichsam faszinierend.
Roussillon liegt im Luberon-Gebiet, also der Ebene östlich von Avignon, in der auch die von mir bereits beschrieben Orte Senanque und Fontaine-de-Vaucluse liegen.
Ocker ist ein eisenhaltiges Mineral, das vor dem Zeitalter der synthetischen Pigmente als natürliche Farbe benutzt wurde. Die hier offen abgebaute Ocker-Erde wurde früher direkt verarbeitet oder gebrannt, so daß Farbtöne von hellgelbem über tiefroten bis hin zu violettem Ocker entstanden. Bis zum zweiten Weltkrieg wurden solche Farben überall gleichermaßen von Kunst- und Wandmalern benutzt.
Bereits wenn man ins Berg-Dorf Roussillon fährt, sieht man, wie stark und fast unirdisch die Häuser leuchten - praktisch alle Häusser sind mit verschiedenen strahlenden Ockertönen bemalt, so daß eine seltsame Kraft in den sonnenwarmen Mauern zu liegen scheint, die auch nicht beim Spazieren durch die engen Gassen schwindet.
Vor der Dorferkundung sollte man sich zuerst dem "Sentier des ocres" zuwenden, dem Lehrpfad durch die alten -heute nicht mehr genutzten- Ockerbrüche, der gleich rechts am Dorfeingang beginnt.
Man geht nur wenige Meter durch Pinienwälder und ist mitten in einer Landschaft, die fast surrealistisch zu nennen ist. Leuchtend rot, gelb, violett, ocker, rostrot erstrahlen Abhänge, Böden und Felsen, komplementär agiert das tiefe Grün der Bäume regelrecht unnatürlich stark -man kommt sich vor als sei man direkt in einem Cezanne-Gemälde gelandet, allerdings mit Farbverstärkung oder unter Einwirkung einer halluzinogene Droge.
Man kann hier einige Strecken durch die Landschaft wandern und die bizarren Formen der Ockerfelsen bewundern, Säulen, Höhlen, Passagen. Man entgleitet, die Erläuterungen über praktische Anwendung und Verarbeitung von Ocker (auf kleinen Schildern) erscheinen fern und unwichtig, die Strahlen der Farben scheinen einen wärmend einzusaugen, wie ein vervielfältigtes Sonnenbad. Nur schwer kann man sich loseisen, wieder ins Dorf zurückkehren, wo reichlich angenehmer Platz für den erfrischungs- und souvenirsuchenden Reisenden ist. Kaufen kann man hiesige Pigmente hier auch, allerdings haben sie ihre magische Wirkung nur in der Masse hier vor Ort, im Licht des Südens, auch Fotografien geben die verdichtete Atmosphäre nur ungenügend wider....
Stichworte
malen, schön, sehenswürdigkeiten, rot, licht, frankreich, farbe, stein, provence, motiv, steinbruch, ocres, ocre, ocker, gelb
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