Willkommen im Irrenhaus.
Willkommen bei McFit. Dem Aldi unter
den Fitnessstudio. Oder Lidl. 16,90 Euro Monatsbeitrag,
durchschnittlich die Hälfte von den Preisen bei der Konkurrenz.
Dafür nix inklusiv. Duschen 50 Cent die fünf Minuten. Nix Sauna.
Nix Kurse.
Und, man merke sich: Wo der Preis
niedrig ist, da sind die Psychopathen nicht weit.
Die Sadisten.
Die
Stöhner
Die Egozentriker.
Wahrscheinlich auch die Illuminaten,
Satanisten und Tempelritter dieser Welt.
Na, wer sagt's denn. Die Vorurteile
bestätigen sich beim Gang in den Gewichtsbereich. Ein breit gebauter
und noch viel aufgepumpter er Typ im Ultraengen Tanktop packt sich
ohne Ende 15-Kilo-Scheiben auf sein Gerät, um danach bei jeder
Wiederholung derart laut durch den Raum zu stöhnen, als würde er
von einem Stier vergewaltigt werden und gleichzeitig selbst
mindestens ein Rhinozeros vergewaltigen würde. Mit hochrotem Kopf
lässt er die Langhantel dann beim letzten Satz fallen, was ihm durch
den lauten Knall von Metall auf Metall nochmal die Blicke aller
Anwesenden sichert. Hier hast du deine Aufmerksamkeit!
Zur gleichen Zeit, ein eher dürrer,
aber auch korpulenter Typ jenseits seiner besten Tage bewegt sich
immer zu den Geräten, wo junge Frauen gerade Gewichte stemmen, um
diesen unauffällig Komplimenten zwischen einigen Alibifragen
zuzustecken. Mit der so auf sich gezogenen Aufmerksamkeit kann er nun
seine Orne-Man-Show beginnen und lasziv einige Kilos in die Luft
stemmen, wobei sein wenig attraktiver Bierbauch mit jedem Zug mehr
aus dem viel zu kurzen Shirt herausschaut. Irgendwann ist dann vorbei
mit der Heiterkeit, das arme Mädchen muss dem skurrilen Typen nun
helfen und die Hantel gemeinsam mit ihm von oben nach unten führen,
wofür sie einen verhaltenen Klaps auf den Rücken als Dank erntet.
Hier hat sie ihre Aufmerksamkeit – alleine als weibliche
Erscheinung ohne überhand genommener Speckrollen!
Parallel dazu sitzt eine aufreizend
gekleidet, dafür nicht so attraktive Mittzwanzigern auf dem letzten
freien Ergometer, wo sie in der Folge heiter hin und her telefoniert, WhatsApp-Nachrichten hin und her schickt, Amazon leer bestellt,
Bild.de sekündlich nach neuen Artikeln aktualisiert (tut da nicht
der Daumen weh?) und alle möglichen Kapps nach Neuigkeiten ausheckt.
Und da gibt es noch Leute, die sich über fehlendes WLAN im Studio
beschweren...
Und dann sind da noch die
Mantelschwinger, denen auch die schwerst möglichen Kurzhanteln noch
viel zu leicht sind, was dann auch lautstark kund gegeben werden
muss, in Kombination mit dem La Ola ähnlichen auf und ab bewegen
eben jener viel zu leichten Hantel. Quasi ertrunken in der enormen
Tragik der Situation muss er sich also mit einer Gewichtsmaschine
zufrieden geben, wo er erst alle auffindbaren 20-Kilo-Scheiben
rauflegt, nur um sich kurz nach Übungsbeginn wiederum lautstark über
die nach wie vor zu geringe Anstrengung zu lamentieren. Die
umliegenden Personen haben nun Pech, da sie unter Drohung eines
fokussierten Blicks vom im Vergleich zum Körper unproportional
kleinen Kopf weitere 20-Kilo-Scheiben auftreiben müssen und diese
irgendwie an der bereits vollständig belegten Stange anhaften
müssen. Hier hat jeder seine Aufmerksamkeit.
Im Flur, der in etwa so breit ist wie
ein durchschnittlicher Nettoflur und damit viel zu eng, werde ich
dann angerempelt. Zweimal auf zehn Metern. Und böse angeguckt.
Zweimal der Prototyp arbeitsloser Pumper, die ihren Zeitüberschuss
mit Dauergewichtestemmen verbringen und dementsprechend unnatürlich
aussehen. Simultan mit dem Muskelzuwachs vergrößerte sich wohl auch
deren Ego, was im Maximalfall in der Ausblendung, mindestens aber in
der Abwertung der Außenwelt endet. Ich werde zweimal angerempelt.
Und dazu böse angeguckt. Hier habt ihr eure Selbstbestätigung!
Das pure Gegenteil blickt mir dagegen
vom Bildschirm des Cybertrainings entgegen, wo ein dauergutgelaunter
Strahlemann dreissig Minuten lang die Übungen des Workouts vorzeigt,
kombiniert von einem selten dämlichen Grinsen, das kein Politiker
von Berlin bis nach Schwäbisch Gmünd besser beherrschen würde.
Begleitet von Kopf-hoch-Phrasen, die ebenfalls kein Jung-CDUler
besser in der Politschule gelernt hat und dem Teilnehmer weismachen
sollen, weiterzumachen.
„Nicht aufgeben. Nicht jetzt. Es ist
nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Genieß den Schmerz. [war nicht
vorhin noch die Rede von Masochisten?] Du schaffst das. Sehr gut.
Weiter so. Verdien' dir deine Pause. Die Anstrengung lohnt sich. Wow,
das gibt ein Sixpack!“
Kann man all das ignorieren, erfüllt
McFit seinen Zweck. Für 16,90 im Monat stehen eine Vielzahl an
Geräten, Cybertrainings und sogar ein Boxraum zur Verfügung frei,
wenn sie denn gerade frei sind. Und wer will, bekommt Aufmerksamkeit.
Auf alle Wege.
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