Es gibt ihn wirklich, den Klischeehandwerker, zumindest für Lucas und sicherlich auch viele andere potentielle Auftraggeber. Leider aber auch für mich Beauftragende, die unser Verhältnis, obwohl oder weil wir uns zuvor noch nie begegnet sind, durch extreme Vorbehalte von vorne herein belasten, nach dem Motto, Handwerker ziehen Auftraggeber grundsätzlich über den Tisch und müssen kontrolliert und in ihrem Tun kritisch hinterfragt und beobachtet werden. Leider gibt es kaum etwas Undankbareres und Unbehaglicheres.
Handwerker sind tatsächlich oft unpünktlich. Die Dynamik ihrer zum Teil komplexen Aufträge bringt das leider mit sich. Im Grunde gilt für jeden Termin nach dem ersten am Tag, die vereinbarte Zeit ist ein grober Richtwert. Wie rechtzeitig ein nicht zu haltender Termin mit dem Folgekunden kommuniziert wird, ist aber das eigentliche Problem. Auch der wollte nicht, dass der Installateur des Terminplans wegen die angefangene, dann aber nicht absehbar umfangreicher gewordene Arbeit liegen und ihn ohne Wasser, Heizung oder Strom zurücklässt.
Oder Sauberkeit und ‘Kollateralschäden’: Auch ein Handwerker kann es oft nicht besser als er es ein Leben lang erfahren hat, auch wenn er sich noch so bemüht, die Referenz aber so nie erlebt hat. Der beste Wille kann die unterschiedlichsten Ansprüche, “was bedeutet Ordnung, Rücksicht und Sauberkeit”, nicht auf einen Nenner bringen. Jeder, so gut er kann, aber eben nicht so gut wie es mancher Kunde im sonstigen Leben, in seinem Heim, für sich lebt und wünscht.
‘Passt scho’ passt eben oftmals nicht, wenn es um ein Produkt geht, dass auch nach 50 Jahren eingemauert noch zuverlässig funktionieren soll, bzw. könnte. Es ist eine visionäre Fähigkeit gefragt, ein Vorstellungsvermögen von den Kräfte- und Funktionszusammenhängen, den Interaktionen einer Gesamtinstallation und den Werkstoffveränderungen über einen Zeitraum von Jahren. Diese und dieses fehlen oft. Gleichgültigkeit, Desinteresse und mangelde Identifikation mit dem Geschaffenen erschwert oder macht Nachhaltigkeit unmöglich. Dabei ist es egal, ob es sich um den Austausch eines Gartenwasserhahns handelt oder um die Installation eines aufwändigen Luxusbades. Wird der neue verchromte Hahn ungeschützt zwischen anderen Metallteilen transportiert oder mit den Metallzähnen der Rohrzange malträtiert,ist fürs Luxusbad keine besonnenere Arbeit zu erwarten.
GUTES HANDWERK will bei diesen Themen anders sein. Gute Handwerker und Schrauber gibt es tatsächlich viele. Leider gibt es nur wenige, die auch mit Fingerspitzengefühl, Empathie, rhetorischem Talent, Dinge anschaulich zu vermitteln und Umsichtigkeit ausgestattet sind. Das Handwerkerklischee hat sich nicht ohne Grund so geprägt.
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