Kompliment
stilangel (03.09.2007) •••••5
Gespannt war ich auf die Besichtigung der neuen Hauptsynagoge Ohel Jakob mitten in der Altstadt Münchens. Durch berufliche Beziehungen war es uns möglich, in einer überschaubaren Gruppe eine Führung zu erhalten, die uns das Gebäude, den Ort und das jüdische Leben näher bringen wollte.
Natürlich hatten wir uns das neue Ensemble am Anger schon vorher von außen angeschaut. Am Tag kommt der Bau ja etwas klobig daher, der massive Sandsteinsockel und die darauf ruhende Glas-Stahl-Konstruktion. Allerdings mag ich moderne Architektur und je nach Blickrichtung ist der Kontrast von Alt und Neu (Stadtmuseum, Wohngebäude und Synagoge) schon spannend.
Abends ist dann der Glas-Kubus beleuchtet und das schwere Gebäude scheint plötzlich leichter zu werden.
Den zentralen Platz verdankt die Synagoge zähen Verhandlungen und dem Willen der Stadt, das letzte Stück unbebauter Fläche im Zentrum der Gemeinde zu überlassen.
Nun etwas zur Führung, leider für einen Nicht-Juden der einzige Weg, sich auch das Innere des Gebäudes anzuschauen.
Begrüßt wurden wir im neuen Gemeindezentrum direkt neben der Synagoge. Am Eingang eine Sicherheitskontrolle und obwohl die Männer sehr freundlich sind, merkt man, dass man hier dem Thema Sicherheit einen hohen Stellenwert gibt, leider aus Erfahrung. Während der Führung wird uns erklärt, dass die Münchner Gemeinde extra auf eine offene und zentrale Lage hingearbeitet hat, die sich auch durch die verglasten Fenster und den bald noch aufgewerteten Jakobsplatz als Treffpunkt in der Stadt zeigt. Andere Gemeinden hätten ihre Synagogen in Randzonen mit Umzäunung errichtet. Trotzdem sei man für Sicherheitsfragen sensibel, daher die Personenkontrollen und dass man das Gotteshaus nicht durch das Hauptportal betreten könne (dies geschehe nur bei Feiern mit offiziellen Gästen, wie etwa der Einweihung und dem Besuch des Bundespräsidenten).
Sie führt uns zu einem Treppenhaus, über das wir abwärts zu einem Verbindungsgang steigen. Dieser Gang, der dem Gedenken der 4500 jüdischen Münchner, die von den Nazis ermordet wurden, gewidmet ist, führt hinüber unter die Synagoge, wo sich für die täglichen Gottesdienste ein kleiner Gebetsraum befindet.
Wieder eine Treppe hinauf stehen wir hinter dem großem Portal, welches man von außen sieht. Durch ein weiteres Portal kommt man nun in den Hauptraum. Zedernholz und Jerusalem-Stein dominiert hier, der Glaskubus gibt den Blick in den Himmel frei und schützt doch wie ein Zelt (= Ohel), was es auch symbolisieren soll.
In der Mitte erhöht das Lesepult, dahinter die Aufbewahrungsschrein für die Tora.
Die Gemeinde definiert sich als orthodox. Ziel der Planungen sei es gewesen, auch der strengsten Glaubensauslegung die Möglichkeit zu geben, die Synagoge als Gebetshaus zu nutzen. Generell werde in der Gemeinde meist auf die Minderheiten Rücksicht genommen, die gemässigte Mehrheit beuge sich, was Gottesdienstordnung und Bau anbelange, der ortodoxen Minderheit.
Daher sitzen die Frauen auch von den Männern getrennt auf den leicht erhöhten seitlichen Emporen.
Stichworte
zentral, jüdisch, sicherheit, gotteshaus, synagoge, jüdisches leben
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