mostro (08.02.2007)
Ja! Wenn es irgendwo auf der Welt ein Messgerät für Dekadenz und Hedonismus gäbe, würde es hier jährlich auf sein Maximum geeicht werden! Nein, nicht Versailles oder Sanssouci! Brighton!
Am Ende des 18. Jahrhunderts wurde Brighton als Seebad populär. Förderlich war die Tatsache, daß auch George IV. sich dort ein Landhaus kaufte und es permanent erweitern ließ. Da die Mode dauernd wechselte, suchte er anscheinend eine endgültige Lösung, die keine Diskussionen mehr zulassen sollte - und übertrug John Nash die Aufgabe, einen Palast wie aus einem Märchen zu konstruieren. Nash hatte offenbar eine wunderbar kindliche Phantasie und bot hier nicht steingewordene Machtdemonstrationen sondern maximal verspielte Bauelemente auf.
Das gar nicht einmal riesige Bauwerk hat das Äußere eines indischen Palastes, kleine und große Kuppeln, Pseudominarette, geflochtene Balkongitter, Bogengänge - alles, was nach Meinung eines englischen Bürgers ein Obermaharadscha so haben musste.
Im Inneren aber geht jedem kindlichen Gemüt die Seele auf. Hier herrscht plötzlich China, aber in einer verschwenderischen Pracht, die sich nirgendwo zwischen Mandschuko und Kanton finden lassen dürfte! Tiefrote Stoffbespannungen an Decken und Wänden, flammende schwere Teppiche, feine goldene Drachen speien als Figuren aus den Ecken der eingelegten Deckenkassetten. Im nächsten Raum hängt ein Kronleuchter von der Decke, dessen Elemente bunten exotischen früchten kunstvoll nachempfunden sind, in den Wohn- und Schlafgemächer wechselt man zu Leichterem, Bambus-Design an den Wänden - nur gemalt auf türkisblau leuchtendem Grund, dann wieder strahlend goldgelbe Damastbespannungen an den Wänden, dazwischen ein lapislazulifarbener Bettbaldachin.. und und und - unendliche Pracht, orientalische Üppigkeit gepaart mit englischer Ekzentrik. Ein Genuß ohnegleichen, nicht nur für Kinder, aber besonders für diese - das ist einmal ein richtiger Palast wie aus 1001 Nacht!
Im Queen Adelaide Tea Room kann man dann auch noch zwischen rosafarbenen Wänden standesgemäß und gesittet rasten und viktorianische Kleinigkeiten genießen, oh dear.
Stichworte
möbel, ausflug, luxus, stil, architektur, china, england, meer, burg, palast, schloß, indien, london, brighton, dekadenz
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