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1 Beitrag zum Platz "Fado-Gesang" auf Deutsch
Was wäre eine Reise durch Portugal und vor allem Lissabon ohne Fado.
Es ist ein Gesang der oft in Zusammenhang mit der saudade gesehen wird, ein typisch portugiesisch bezeichnetes Phänomen, das eine rückwärtsgewandte Sehnsucht nach besseren Zeiten, nach verlorener Liebe oder Zuhause meint.
Der Fado-Gesang kann auch melancholisch die unerreichbare Liebe oder heiter die Bekanntschaft von Nebenan besingen. Begleitet wird er meistens von einer dickbauchigen portugiesischen und einer klassischen Gitarre.
In Coimbra wird er nur von männlichen Studenten, mit ihren langen, schwarzen Umhängen, gesungen und in Lissabon von Frauen.
In vielen Lokalen in Lissabon kann man diesen Gesang hören, ist aber meistens schon sehr touristisch aufgezogen.
Wir hatten zweimal Glück, das erst Mal bei unserem Aufenthalt in Coimbra kamen wir abends bei einem Bummel durch die Altstadt ganz zufällig zu einem Cafe neben der wunderschönen Kirche Igreja de Santa Cruz
und es viel uns auf, dass es sehr voll war und die Stühle alle ausgerichtet zu einer kleinen Bühne standen, wir setzten uns auf die Terrasse und bestellten ein Glas Rotwein und es dauerte nicht lange da kamen 5 junge Männer mit ihren schwarzen Umhängen und begannen zu spielen und zu singen und da konnten wir uns einige Lieder anhören. Das Cafe war natürlich voll und wir mussten stehen, der Gesang gefiel uns aber allen sehr.
Das zweite Mal in Lissabon. Als wir ziemlich müde von einer Sightseeingtour mit einem offen Bus und einigen tollen Besichtigungen zu Fuß zu unserem Hotel , das sich ja innerhalb der Burgmauer des Castelo de Sao Jorge befand, in einem der schmalen Gässchen Fadogesang vernahmen.
Vor einem kleinen Lokal stand eine Tafel, „Tapas und Fado ab 17 Uhr“ , ich lief meinem Mann, der natürlich zielstrebig weiter Richtung Hotel marschiert war nach und bat ihn umzukehren, was er auch ohne Widerrede sofort machte…
Wieder vor dem Lokal schauten wir neugierig hinein und wurden sofort nett hereingewinkt, war ja auch nur einer von den 4 Tischen besetzt.
Es sang gerade eine Frau mittleren Alters und wir warteten natürlich bis zum Ende ihres Liedes mit der Bestellung.
Es gab einen Teller mit etwas Wurst, Käse und Oliven und sehr guten Rotwein. Nichts umwerfendes, war ja auch nur eine Kleinigkeit vor dem Abendessen.
Das Lokal bestand aus zwei kleinen Räumen und so konnten wir nur die Sängerin, es handelt sich um die Besitzerin des Lokales, und einen Gitarrespieler sehen.
Umso überraschter waren wir dann, als eine junge Frau mit langen, schwarzen Haaren in unser Sichtfeld kam, sich ein Fransentuch um die Schulter legte und zu singen begann.
Wunderschön mit herrlicher Stimme begleitet von zwei Männern mit Gitarren.
Inzwischen waren auch unsere Freunde, die eine längere Tour mit geschlossenem Bus hinter sich hatten, aufgetaucht und schauten neugierig zur Tür herein. Wir winkten sie natürlich sofort herein und sie kamen etwas zögerlich, natürlich auch etwas müde, ins Lokal.
Wir lauschten dann alle mit steigender Begeisterung, die junge Sängerin sang ja fast nur für uns, waren nur noch 2 Mädchen anwesend.
Als sie eine Pause machten kamen die Sängerin und ihr Freund einer der Gitarrespieler zu unserem Tisch und es entstand eine zwanglose und sehr interessante Unterhaltung. Auch die Wirtin gesellte sich dazu und erzählte uns ihre Lebensgeschichte…
Anschließend bekamen wir noch einige schöne Lieder zu hören, abwechselnd von der Wirtin, sogar die Kellnerin gab ein Lied zum Besten (schöne etwas rauchige Stimme) und natürlich von der jungen Fado-Sängerin.
Wir wären noch gerne länger geblieben, hätten sogar auf unser Abendessen verzichtet, aber die Künstler mussten weiter sie hatten um 20 Uhr ihren nächsten Auftritt in einem Lokal in der Alfama.
Wir waren von dieser Gesangsart begeistert und beeindruckt und kauften uns sofort am nächsten Tag ein Video von der momentan populärsten Fado-Sängerin "Mariza". Sie ist in Mosambik geboren, aufgewachsen in Mouraria einem ärmlichen Viertel in Lissabon und ähnelt äußerlich mit ihren extrem kurzen blonden Haaren
so gar nicht der größten Fado-Sängerin Amália Rodrigues und gilt bei Kennern doch als deren künstlerische Nachfolgerin.
Sie ist mit ihren erst 34 Jahren derzeit Portugals größter Kulturexport. Wunderschöne Stimme
Sie macht momentan eine Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz
28.10.2008 Leipzig Gewandhaus
30.10.2008 Köln Philharmonie
04.11.2008 Koblenz Rhein-Mosel-Halle
05.11.2008 Lörrach Burghof
07.11.2008 Salzburg Jazzherbst
10.11.2008 München Prinzregententheater
08.12.2008 Zürich Kongresshaus
09.01.2009 Bad Kissingen Winterzauber
10.01.2009 Berlin Admiralspalast
13.01.2009 Bremen Die Glocke
14.01.2009 Mülheim Theatersaal
15.01.2009 Dortmund Konzerthaus
17.01.2009 St. Pölten Festspielhaus








Kommentieren 11 Kommentare zu diesem Beitrag Alle anzeigen
Ganz wunderbar, Dorit. Schade, das der Kölner Termin schon vorbei ist.
wie schön, jetzt bin ein wenig traurig, denn ich war schon lange nicht mehr in dem land, in dem ich mich außerhalb meiner heimat am liebsten aufhalte
sehr schön geschrieben und gerade wieder ein wenig näher gebracht….........
... ja … so Spontanbesuche sind meistens die Besten …
Was für ein schöner Beitrag.
Sehr schön, schade kein Konzert am Bodensee :((
Meine Frau liebt auch den Fado und liegt mir seit Jahren in den Ohren, dass wir nach Portugal müssen. Aber irgendwie kommt immer was dazwischen.
Super Beitrag, danke - Mariza ist Klasse.
Live in passender Umgebung ist das ein absolutes Erlebnis. Ich konnte Fado in Porto erleben. Und das auch noch in einer Portweinkellerei. Phänomenal!
aber immer vorsichtig sein!! der fado der den touris hier in portugal praesentiert wird …...... ist so “typisch” wie die kastellruther spatzen und tony marshall.
“echter” fado ist interessant - schlechter fado ruft auch gefuehle hervor: suicidal!
Das schöne war, daß es von Einheimischen für Einheimische organisiert war.
Ich bin immer noch davon überzeugt!
Super Beitrag !!!!!!! Danke … !!!!!!!
Saudades, só portugueses conseguem senti-las bem. Porque têm essa palavra para dizer que as têm. F. Pessoas
(Saudades - nur Portugiesen können dieses Gefühl kennen. Weil nur sie dieses Wort besitzen, um es wirklich beim Namen zu nennen.)