Kompliment
mostro (17.02.2007)
Wer einmal im Spätsommer oder Herbst die südlich von Siena gelegene Landschaft namens Crete besucht hat und dort länger geblieben ist, wird den eigenen Charakter dieses Landstriches gespürt haben, die Hitze des staubigen Bodens, die abgeernteten Äcker, das tiefe graurote Braun der Hügel, auf dem die ziehenden Wolken dunkelviolette Muster formen. Und die verträumte Langsamkeit der Menschen, die hier ruhig leben und über freundlich über Touristen staunen, die hier verfallene Ruinen wieder bewohnbar gemacht haben und inmitten der abgelegensten Ödnis die Abgeschiedenheit geniessen.
Ähnlich dachten wohl schon die Benediktiner, die im 14.Jahrhundert das Kloster von Monte Oliveto gründeten, weitab von den prächtigen Städten der Toskana - und hier auch heute noch uralte Olivenbäume abernten. Askese und Abgeschiedenheit war und ist hier zentrales Motiv.
Monte Oliveto ist eines der schönsten Klöster Italiens. Hinter San Giovanni d´Asso durchfährt man viele gewundene Strassen über hübsche Hügel, von denen man teilweise weite Ausblicke in die verdorrten Ebenen geniessen kann - bevor man schließlich zur Abtei kommt. Das heißt zuerst sieht man nur eine lauschige Ansammlung von riesigen Zypressen und anderen Bäumen und wandert im willkommenen Schatten hinab zu den zusammengedrängten Gebäuden aus Sandstein und den typischen rotbraunen toskanischen Ziegeln.
Kinofans werden hier vielleicht etwas wiedererkennen, ich aber fand nichts vertrautes - in jedem Fall wurden Teile des "Englischen Patienten" hier gedreht. Ein Ort, der zur Atmosphäre des Films sehr gut passt.
Nach Durchqueren von Vorhöfen und Eingangshalle gelangt man schnell zur Hauptattraktion der Abtei: Dem Kreuzgang mit seinen phantastisch erhaltenen Fresken aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Wunderbar restauriert sind sie und leuchten in ungewöhnlichen Farben - wie so vieles, das vom klerikalen Weihrauchfirnis befreit wurde. Die Maler Signorelli und Sodoma haben hier viele Monate und Jahre verbracht und in 36 Bildern das Leben des heiligen Benedikts beschrieben. Dabei wurden einige der damaligen Regeln der Bildkomposition revolutionär durchbrochen - die Bilder wirken durch Figurenanordnung und Bewegungscharakter viel lebendiger als vieles aus dieser Zeit, teilweise gelingt sogar eine gewisse Situationskomik, die angesichts der Lebensgeschichte Sodomas nicht überrascht: Er verwendete ein ihm zugedachtes Schimpfwort fortan als Künstlernamen. Vor allem die lebendigen Farben überraschen und bezaubern inmitten dieser staubigen Wüste und der graubraunen Sandsteinmauern.
Faszinierend ist auch die Abteibibliothek mit tollen hohen Holzregalen und anderen Prachtmöbeln aus vergangenen Zeiten, die immer noch in Benutzung sind.
Abkühlung verschafft der verwitterte Marmor der ebenfalls prachtvollen Kirche, die in den Klosterbau integriert ist - bevor man sich wieder in die trocken Hitze der Crete hinaus begibt. Am oberen Ende des Weges wartet aber ein nettes Restaurant mit Eisdiele auf den müden Kulturreisenden. Aber nicht nur dieser wird von diesem Ort und seiner malerischen Atmosphäre begeistert sein...
Stichworte
italien, ausflug, sonne, kultur, mittelalter, toscana, kloster, hügel, benedikt, benediktiner, zoskana, crete, zypressen, mönch
Kommentare (3)
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