Kompliment
mostro (24.02.2007)
Wer an die Algarve denkt, denkt meist automatisch an die Ponte da Piedade - zu oft ist sie Motiv von Fotografien in Reiseführeren und auf Postern.
Ich hatte das Glück, ohne derartiges Vorwissen -praktisch unverdorben- hier meinen ersten Tag in Portugal zu verbringen, d.h. diesen ersten Nachmittagsspaziergang nach einer langen Reise und endlichen Ankunft am Urlaubsort, diesen besonderen Moment des Entspannens nach Wochen der Erwartung...
Lagos ist die heimliche Hauptstadt der Algarve. Mit 25000 Einwohner ist sie recht groß (wie Faro), hat jedoch eine viel intaktere Altstadt mit zahlreichen engen Gassen mit hübschen bunten schiefen Altbauten, verziert mit Ornemaneten und Azulejos.
Von hier fahren kleine Busse hinaus zur Ponta, aber man kann in 30 Minuten bequem zu Fuß hinaus zu den beeindruckenden Klippen spazieren.
Am schönsten ist der Weg entlang der Steilküste, der teilweise nicht einfach zu verfolgen aber gut gangbar ist. Durch grün bewachsene Hügel steigt man langsam empor und erblickt recht bald unter sich die ersten Klippen, bizarre Felsformationen, Nadeln, Kämme, Klötze, Buckel, Höhlen, Grotten, Felstore, alle vorstellbaren Formen - und das fantstische ist, daß hier im Felsen alle erdenklichen Farbschattierungen leuchten. Vor allem ein krasses Eisenoxidrot kontrastiert verwegen mit dem satten Grün der Pflanzen - ein Grund übrigens, hier auch einmal im Winter entlangzuspaziern (Silvester hier war wunderbar), da sind alle Pflanzen im vollen Saft. Neben Rot regieren hier alle Erdtöne von gelb über hellbraun bis violett. Darunter leuchtet das wilde Meer in allen Blautönen, vor allem aber in leuchtend mediterranem Türkis. Das schönste aber sind die kleinen Treppen, die in die Felsen gehauen sind: Sie führen zu kleinen Stränden mit feinem weissen Sand, die zwischen den Felsen verborgen liegen. Wäre es hier doch menschenleer - so sähe das Paradies auch aus!
An der Spitze der Landzunge liegt schließlich die Ponta da Piedade, die eindrucksvolle Felsbrücke, umgeben von vielen anderen imposanten Felsstücken und zahlreichen Grotten. An ihrem Fuß (weitere verwegene Treppe) warten verschrobene alte Fischer. Sie fahren mit halsbrecherischem Geschick neugierige Touristen durch Felsgewirr und Grotten und erzählen dabei maximal schweinische Zoten auf portugiesisch,in der Annahme man verstände nicht alles - natürlich ist hier jeder längliche Fels (und das ist jeder zweite) ein Phallussymbol, jede Höhlung, jeder Klotz... - die Namensgebung der "Brücke der Frömmigkeit" war definitiv ironisch gemeint, bzw. es wäre auch denkbar, daß ein verzweifelter Bischof sie quasi als Strafe auferlegte - oder das die versauten Fischer ihren Frauen einredeten, sie würde da draußen immer nur beten, wenn sie wieder besoffen mit zerquetschten Fischen heimtorkelten...
Egal, die Sonne, da Meer, der Fels, der Sand - alles verschmilzt hier zu so einer perfekten ästhetischen Einheit, daß man entweder stumm und ehrfürchtig im wild über die blaugrünen Wellen schaukelnden Boot erstarrt - oder aber den letzten Speicher seiner Kamera vollknipst...
Stichworte
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