Kompliment
Liesl (25.11.2007)
Kormorane können lesen. Jetzt bin ich sicher. Zumindest die aus Reinickendorf. Warum sonst säßen sie ausschließlich auf den Tonnen im Vogelschutzgebiet? Obwohl die Fische genau am entgegengesetzten Ende des Sees den glänzenden Spiegel verwirbeln. Fast unheimlich. Gibt es ihn doch, den legendären Riesenzander? Auf ihn, Kormoran, raus aus der Schutzzone! Die hast du doch gar nicht nötig!
In der Luft nur Krähen. Die übrigen Vögel, die üblichen, trifft man vorwiegend am anderen Ende des Sees: Blesshühner in Scharen, ein vereinzelter Schwimmer, ein ebenso vereinzelter Haubentaucher, Enten als Mann und Fräulein, ein Schwanenpaar, das schon mal heftigst gründelt. Der Eisvogel ist weggeblieben. Sie wollen ihn zurückholen, die Vogelschützer, deshalb sind auch Bauarbeiten angekündigt. "Baggern für die Natur", verspricht die Infotafel.
Flughafensee – eine Stadt verdankt ihrem Flughafen einen See (als hätte sie nicht sowieso schon genügend): Kiesgrube, Ausgleichsfläche und Baurestloch. Eingeklemmt zwischen JVA Tegel und Flughafen, umgeben von einem unaufgeräumten Wald. Ein paar Zitterpappeln, Eichen, Linden sind schon richtig erwachsen, sonst ist er eher jugendlich. Viel Unterholz, Gestrüpp, unmotivierte Drahtzäune, dahinter angeflogener Müll. Ganz unerwartet gelbe Blüten der Kapuzinerkresse über dem Steilhang: die überdauernde Grabbepflanzung einer illegalen Katzenbestattung?
Flughafensee – mit seinen Buchten und hügeligen Sandstränden ... zwischen Sand und Grasbüscheln versinken die Fahrradständer, Skulpturen ... hinter Baumstämmen wandern Flugzeuge durchs Bild, da, schon wieder eine Haifischflosse, SAS ... von der großen Düne rollen sich Kinder mit Gekreisch ...
Flughafensee – kleine Reise zurück in der Zeit – gesäumt von Tower, Radarbake, Hangars, Böen huschen über die Wasserfläche, heftiges Rauschen im Laub, die Äste schlagen, skandiert von den startenden Flugzeugen. In einer meiner Berliner Vergangenheiten ging ich hier ab und an schwimmen.
Die Landmarken der Skyline sind mir damals nicht aufgefallen: Funkturm, Teufelsberg, ausgesprochen phallisch, Dampf aus dem Kraftwerk Reuter, der Charlottenburger Rathausturm, das Siemens-Bürohochhaus, sogar die Spitze des Fernsehturms.
Von Uneingeweihten ist er nicht leicht zu finden, der Flughafensee. Auf Wegweisern wird behauptet, es gäbe keinen Durchgang, Pfeile weisen eher von ihm weg als zu ihm hin, Zäune, Verbotsschilder, Wasserlöcher drohen zu entmutigen. Das alles scheint Teil eines großangelegten Verwirrspiels, das nur dem mit großer Ausdauer Begabten den Segen seiner Naherholungsqualitäten zugesteht. Nicht aufgeben! Es gibt ihn. Und es gibt Wege, die zu ihm führen.
Ich bitte den geneigten Leser, nicht nur, wenn er Taucher ist, folgende Website zu beachten:
www.taucher.net/edb/Flughafensee_o2610.html (einmal runterscrollen und los geht's mit den aufregendsten Tauchplatzberichten der Stadt).
Ach, Flughafensee, ich liebe mein Berlin auch für Orte wie dich.
Stichworte
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