Kompliment
mostro (07.03.2007)
Wieder einmal unterwegs auf dem Dönerstrich zwischen Schanzenstraße und Schulterblatt. Taxi Imbiss klingt für einen türkischen Imbiss irgendwie untürkisch. Aber immerhin logiert sinngebend gegenüber der Taxenstand, vielleicht ist das doch bodenständiger als seine Grillbude mit Kosenamen wie „Tavuk-Paradies“ oder „Döny-Sensation“ zu belegen….
Beim Eintreten kommt sofort östlich mediterrane Romantik auf: Offenbar hat der Hofmaler des Lokma auch auf diesen Wänden getobt – und so delektiert man sich an Meeresbuchten mit unirdisch goldgelber Sonnenspiegelung auf flaschengrünen Wogen – warum in die Fresken Spiegel eingearbeitet sind, klärt sich nicht – vielleicht enthält das Börek hier ja einen narzismusfördernden Suchtstoff? Hinterm Tresen steht ein freundlicher schlanker Mann und erfüllt mir alle kulinarischen Wünsche, allerdings negiert er meinen Wunsch nach Umweltfreundlichkeit komplett und packt meinen Dönerteller (das klassische Testessen) nicht nur einmal sondern gleich viermal ein – draußen tobt ja bekanntlich der berüchtigte Hamburger Dauertornado und da soll schließlich wenigstens etwas vom Döner überleben, wenn von den Häusern nur noch rauchende Grundmauern bleiben. Mit dem Paket aus Styropor, Alufolie, Servietten und Plastiktüte komme ich immerhin durch die Freitagabendmenge. Zuhause erlebe ich eine positive Überraschung: Der Döner ist überdurchschnittlich gut gelungen. Kräftig gewürztes Fleisch ohne zu viel Salz, wunderbar sanfter Reis nach bester Tradition, ein Cacik, das endlich einmal von frischem Knoblauch und Pfeffer strotzt (kein Vergleich mit dem jämmerlichem Joghurtwasser nebenan) und vor allem: Der Salat sieht zwar nicht vollkommen frisch aus, enthält aber ausnahmsweise einmal keine Überdosis Essig, sondern spürbares Olivenöl. Taxi-Imbiss siegt daher im internen Vergleich eindeutig über die Nachbarn an der Schanzenstraße!
Stichworte
schanze, essen, imbiss, döner, cacik
Kommentare (3)
Bedenklicher Inhalt?