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Kompliment mostro (07.03.2007) 5

Es gibt wenige Orte auf der Welt, an die man immer wieder zurückkehre möchte – diese wunderbare Wanderung habe ich insgesamt bestimmt schon fünf oder sechsmal gemacht und sie gehört bei einem Besuch auf La Palma immer zu meinem Programm, so lang meine Füße meinen Körper über die Höhenmeter tragen werden.

Ausgangspunkt ist der wunderschöne kleine Küstenort Puerto de Tazacorte. Hier mündet der Fluss der aus dem Caldera-Krater seinen Weg durch die Felsmassive des Barranco de Angustios wühlt. Und hier liegen die kleine bunten Häuschen von Puerto eng gedrängt in der Tiefe zwischen den hoch aufragenden Steilwänden, ein liebliches kleines Dorf im Schatten der Giganten – und diese werden bei der Wanderung langsam erklettert.

Beginn des Weges ist die Uferpromenade am Ende des Dorfs, dort wo man im Schutz der Mole auch im Winter am schwarzen Sandstrand schwimmen gehen kann. Mittlerweile weist ein gut sichtbares Schild zum Anfang des öffentlichen Wanderweges, früher musste man auf gut Glück an den Mülltonnen der Strandlokale vorbei in die Bananenplantagen wandern.

Rasch ist man auf einem kleinen Steinweg, der stetig und holprig zwischen Bananen und Kakteen an kleinen bewohnten Hütten vorbei bergauf führt – in den armseligen Bauten sieht man, wie ärmlich einige alte Menschen hier noch hausen, stehen geblieben in der Zeit vor 40 oder 50 Jahren, während wenige Meter unter ihrem Schafstall Satelliten-TV und Internet regieren.

Ganz schnell ist man aus der modernen Welt entflohen, der Weg führt in kräftigem Aufstieg in engsten Serpentinen durch die Steilwand, die ca. 300 Meter senkrecht über dem Meer aufragt. Ganz senkrecht ist sie zum Glück nicht, der Weg ist nämlich immer mindestens einen Meter breit und zahlreiche Pflanzen säumen ihn, so dass man bis auf wenige Ausnahmen praktisch nie extrem am Abgrund entlang gehen muss – dennoch ist dieser Trip nichts für Höhenängstliche. Unter uns liegen die staubigen Dächer des Ortes, von oben sehen sie aus wie Spielzeug, diese kleinen orientalischen Würfelhäuschchen in Gelb, weiß und rot, dazwischen die Mosaiken der Plätze und des Meerwasserschwimmbades, dessen Skulpturen anmuten wie aus einem Dali-Bild entsprungen.

Aber man blickt schnell weg von diesem Zentrum der Zivilisation: Zu faszinierend ist die wilde unbezwingbare Natur. Vor einem erstreckt sich der Ozean, der von weit oben unendlich weit erscheint, die Sonne reflektiert sich in ihm, das Licht strahlt wie ein gigantischer Spiegel aus flüssigem Eisen von unten herauf, gleichzeitig von oben herab und verbrennt unerbittlich alles Ungeschützte. Am weg stehen dennoch endemische Pflanzen wie dicke Salatblätter herum, kleine Sträucher und Palmen klammern sich am leuchtend rotbraunen Fels kontrastierend fest, skurrile Felsformen, wohin man blickt – aber hinter uns blicken wir mehr und mehr in die düsteren Formationen des imposanten Canyons – der Barranco de Angustias hat bedrohlich wirkende Steilwände bis zu 1000 Meter Höhe, die angeblich die ersten spanischen Invasoren in Todesangst versetzten und in die Flucht trieben… Wir aber blicken auf das Schauspiel aus der Ferne und von oben: Riesige Felswände ragen auf, dazwischen überall terassiertes Land; die Bananenplantagen wirken darauf wie ein ungeheuer kunstvolles geplantes lebendig grünes Mosaik, das nicht von Menschenhand erschaffen sein kann…

Senkrecht unter uns wird das Meer strahlend türkisgrün – wir quälen uns weiter bergauf, um weitere Serpentinen und Felsklötze und erreichen bei 250 Meter über dem Meeresspiegel ein Gipfelkreuz, das aber nur den Scheitelpunkt der Klippe markiert – dennoch: eine kurze Rast ist verdient. Von hier führt der Weg an der Kante des Barranco entlang ins Inland. Nicht mehr so steil, aber dennoch stetig bergan. Durch blütenreiche Gärten, Plantagen und Brachland – immer wieder kann man seitlich in die Tiefen des Canyons gucken, immer spektakulär werden die Blicke, mittlerweile ist man über dem Niveau der gegenüber liegenden Kante der Schlucht und kann die Stadt Los Llanos und die ausgedehnten Bananenfelder von Tazacorte sehen, ein riesiger saftig grüner Teppich über dunklen Felsschluchten, dahinter erstreckt sich die bergige Küstenlinie – und an guten Tagen kann man die Südspitze mit dem Vulkan von Fuencaliente sehen…

Weiter geht es, zischen grellen Bougainvilleen und ausgetrockneten Feldern aufwärts. Nach weiteren 200 Höhenmetern (bei 450) erreicht man den „Mirador del Time“, einen unvergleichlichen Aussichtspunkt, an dem auch die Hauptstraße vorbeiführt. Hier ist ein hochfrequentiertes Restaurant und Café – ein guter Rastort. Von der Terrasse hat man tagsüber und auch abends eine tolle Aussicht in den Barranco und über die Landschaft, angeboten werden Snacks, Kaffee und die üblichen süßen Kuchen und natürlich Säfte. Hier kann man sich wunderbar ausruhen, sollte viel trinken, denn die Sonne und der Aufstieg kosten einige Reserven.

Wem die 1-2 Stunde Aufstieg genug sind, der kann von hier per Anhalter, Bus oder Taxi wieder zum Ausgangspunkt hinab, oder auch den Weg zu Fuß zurück. Dabei macht man dann die Entdeckung, dass bergab gehen auch ganz schön kräftezehrend ist – man sollt also auch unten am Strand noch einkehren und ausreichend trinken!

Wer aber Kondition und Lust hat, sollte dem Wanderweg vom Mirador noch etwas weiter aufwärts folgen, weiter entlang an der Kante des Barrancos, immer weiter hinauf. Es geht zunächst durch Gärten und kleine Wiesengrundstücke, sogar einige Baumansammlungen und Weinberge – immer wieder kann man in die unglaubliche Tiefe blicken, die Felswände werden immer spektakulärer – man verlässt schließlich die Zivilisation und kommt in gebirgige Regionen. Hier stehen in großen Mengen kanarische Kiefern, tiefleuchtendgrün, mit den endemisch superlangen Nadeln. Man fühlt sich plötzlich wie in den Alpen, die Luft wird frischer. Wer Zeit und Lust hat kann dem Weg bis 1200m zum Torre del Time folgen, einem Turm direkt am Abgrund, der wohl früher besteigbar war, heutzutage aber nur eine Wegmarke ist, bzw. als Beobachtungsturm für Forstarbeiter dient…

Man sollte immer die Zeit im Auge behalten, zu schnell vergisst man über all den Schönheiten der Landschaft, dass man noch zurück muss, den selben Weg – es gibt keine Abkürzungen, keine weiteren Wege in die Zivilisation – und es wird alle 100 Höhenmeter 1°C kälter! Sonnenschutz und Trinkwasser sollten unbedingt mitgenommen werden!! Wer die gesamte Tour bis zum Torre machen will, sollte bei Sonnenaufgang starten und beste Kondition haben und nicht zu lange pausieren…

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