Kompliment
mitzi (14.03.2007)
Eigentlich bin ich echt kein Schwimmbad-Fan. Ichkann überhaupt nicht richtig gut schwimmen, gerate ab und zu in Panik, wenn ich mit den Füßen nicht mehr den Boden erreiche, verachte Wespenschwärme, die am Mülleimer rumlungern, und Frauen, die in Mini-Bikinis toll aussehen, treiben mir die Tränen in die Augen. Ein paar Jahre lang habe ich mich deswegen unter Vorschützung diverser fauler Ausreden vor dem Besuch des Freibands Finkenwerder und jeder anderen Badeanstalt (ist dieses Wort eigentlich noch in Gebrauch?) gedrückt.
Letzten Sommer kippte mein - äh - Boyfriend dann die Bastion des aufmüpfigen Widerstandes mithilfe der Witterung, die ein Verweilen in der Innenstadt unmöglich machte. Ich kaufte mir also einen Badeanzug bei Tchibo, packte ein extragroßes Tarnungsbadelaken, eine Ganzgesichtssonnenbrille und 700 triviale Bücher ein und schob mein Rad auf die HVV-Fähre.
Vom Anleger Finkenwerder erreicht man das Freibad in knapp 5 Fahrradminuten, die durch pittoreske Einzelhaussiedlungen führen. Der Eintritt ist mit ungefähr 4 Euro im Vergleich zu den Hamburger Lifestyle-Schwimmbädern nördlich der Elbe sehr erschwinglich und erstaunlicherweise gab es trotz Sommerferienzeit keine Schlange.
Im Freibadbereich erschlägt einen förmlich die Nostalgie. Es riecht fast genau wie in den Sommerferien 1982: Pommesduft, Naschtütengeruch, trockenes Gras und Sonnenmilch, aber weniger Chlor als vor einem Vierteljahrhundert. Die Rasenfläche wirkt ein bisschen verdorrt nach wochenlanger Hitze, aber im Schatten der Freibadbäume sieht alles saftig-sommerlich aus und das Ping-Pong-Geklackere von der Tischtennisplatte lullert einen langsam in eine angenehme Sommerruhe.
Erstaunlicherweise ist das Freibad so spärlich besucht, dass man sich ein Plätzchen suchen kann, an dem man sich fast in abgeschiedener Ruhe wähnt. Selbst auf dem kleinen, spärlich ausgestatteten Spielplatz schaukeln nur zwei nette, kleine Mädchen sittsam vor sich hin.
Warum sich die Leute zum Beispiel im Kaifu wie die Ölsardinen quetschen, aber in Finkenwerder beschauliche Ruhe herrscht, ist mir ein Rätsel, denn das Freibad bietet so viel schönere Ausblicke als die auf Hintern in Stringtangas oder gewachste Bikinizonen. Von der Liegewiese aus sieht man Containerriesen in den Hafen einlaufen und roten Backstein in der Sonne glühen. Schöner und hamburgischer geht es eigentlich gar nicht.
Den besten Blick auf die Elbe hat man übrigens von der Wasserrutsche aus, die keine klaustrophobische Plastikröhre ist, sondern eine solide Angelegenheit aus Gussbeton mit einer abenteuerlichen Neigung, die einen schließlich einen halben Meter über der Wasseroberfläche in die Luft katapultiert, aus der man dann mit einer klassischen Arschbombe im wohltemperierten Schwimmerbecken landet. Da sich die Jugendlichen mit waghalsigeren Manövern vom Dreier gegenseitig überbieten hat man als Erwachsener freien Zugang zum angstfreien Kinderprogramm in Sachen Wassersport.
Am Ende hat mich das spartanisch und unprätentiös ausgestattete Freibad mit seinem mittelgroßen Becken, der Rutsche, denn Tischtennisplatten und dem lauschigen Picknick mit selbst mitgebrachten Sandwiches und Obstsalat komplett von meiner Schwimmbad-Phobie befreit. Rumplantschen ohne Olympia-Aspiranten, Pommes holen gehen ohne Spießrutenlauf um Muskelmänner und Minikini-Models, Liegefläche ohne Körperkontakt mit Fremden. Richtig toll und erholsam und beschaulich.
Stichworte
hamburg, sport, freizeit, ruhig, elbe, ausflugsziel, erholung, freibad
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