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Ständige Vertretung (StäV)
Mitte, Berlin
119 Beiträge
Bewertungen im Detail
- Adresse:
-
Schiffbauerdamm 8, 10117 Berlin
- Kontakt:
-
030 2823965
- Geöffnet:
-
Mo - So: 11:00 - 1:00
| Nutzer-Infos |
|
Friedrichstr. 106c, neben dem Friedrichstadtpalast, 10117 Berlin
Deutsche Küche und Biergarten in Berlin. Kundenzitat: "Wir waren heute dort. Super nette Bedienung. Haben 3 verschiedenen Speisen gehabt, waren alle ausreichend und super lecker. Kann nur sagen, wir kommen wieder."
107 Beiträge zum Platz "Ständige Vertretung (StäV)" auf Deutsch
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Danach hätte ich mir einen Rollstuhl gewünscht oder wahlweise eine bequeme Couch.
Das Preis/Leistungverhältnis war also aus meiner Perspektive super, ebenso wie das Essen.
Der Kellner hatte Pech, war alleine und dementsprechend eingespannt, trotzdem kamen die Getränke und das Essen schnell. (Die nächsten Kölsch sogar sehr schnell...habe leider "nur" Gaffel auf der Karte gesehen...)
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101 Beiträge
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Das Preisleistungsverhältnis stimmt und das Essen ist lecker und man wird satt davon.
Kann ich nur weiter empfehlen.
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Ich bin öfters hier finde vor allem das Preis- Leistungsverhältnis sehr gut und freue mich das die Bedienung die kleinen Bierchen immer zügig und automatisch nachliefert.
Dazu die leckeren Flammkuchen, viel braucht es nicht für einen angenehmen Abend.
Und endlich kann man wieder Draußen sitzen direkt an der Spree, herrlich.
Hier kommt man auch gut mit Touristen ins Gespräch und kann sich über diverse Themen austauschen.
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148 Beiträge
An einem Mittwochabend waren alle Plätze belegt, vielleicht lag es am Fußballspiel, das übertragen wurde, der Fernseher lief aber eigentlich nur in einer Ecke am Rande. Es waren auf jeden Fall einige größere Gruppen da, Geschäftsleute, Touristen, was auch immer. Also erst mal mit einem Kölsch an die Bar warten. Plötzlich wurden doch 2 Plätze frei und wir setzten uns zu anderen Leuten an einen großen Tisch. Man kam direkt ins Gespräch und es war unterhaltsam und nett.
Die Preise sind tatsächlich etwas gehoben, wie auch manch Vorredner hier schon schreibt, zumindest dafür, dass es eigentlich eine Kneipe ist und auch die Küche jetzt sicherlich keine Gourmetansprüche erfüllen wird. Naja, das Essen kam schnell, das "Bier" sowieso, der Kellner war freundlich, also alles gut.
Die urige Einrichtung macht den Laden auf jeden Fall gemütlich, man kann gut sitzen, stehen, reden, trinken, hat eine schöne Aussicht auf die Spree und ist sehr zentral.
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Ansonsten ist an der Qualität des Essens und der Freundlichkeit der Bedienung nichts auszusetzen. Das Lokal hat ein bisschen Hofbräuhaus-Ambiente, d.h. mit grölenden Touristengruppen oder Busladungen von Chinesen muss gerechnet werden, was aber in Berlin-Mitte zur Tagesordnung gehört.
Kann man hingehen.
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Der Marathonmann
1. Teil
Ein oller Single und ein ehemaliger jüngerer Single stromern im Herbst durch Berlin. Trinken völlig unberlinisch Kölsch, erschrecken zwei Bayerinnen mit Mordgeschichten und….
Es gibt viele Singles in Berlin. Sehr sehr viele Singles. Es werden immer mehr. Es werden immer mehr ältere Singles. Scheidung, Tod oder andere Umstände erzeugen jeden Tag neue ältere Singles. Diese älteren Singles sind meine Konkurenz, meine Wettbewerber. Ich bin ein männlicher älterer Single und muß mich dieser Kunkurrenz stellen. Seit vielen, vielen Jahren. Ich bin nicht gerne Single. Ich lebe lieber mit einer lieben , netten Partnerin und sei es auch nur getrennt, jeder in seiner Wohnung. Und wenn es nur wenige Jahre sind. Ich bin ausgebufft, ich bin clever. Ich bin nicht lange purer Solosingle. Die Abstände zu dem Zustand nicht mehr Single zu sein werden immer kürzer – denn ich bin inzwischen studierter Single durch Selbststudium, durch Selbsterfahrung, durch “learning by doing”. Ich bin ein privilegierter Single, ich lebe in einer Deutschen Großstadt. Ich lebe in Berlin. Ich lebe da, wo die meißten Verrückten sind. Denn da gehör ich wohl hin. Ich bin ein unterpiviligierter Single. Ich bin relativ arm. Ich bin Freiberufler. Ich bin arbeitslos. Ich bin ALG II Empfänger – manchmal. Ich habe noch einige wenige Jahre bis zu meiner Rente. Ich bin ein schlauer Single. Ich bin gebildet. Ich habe viele Berufe, ich habe viele Erfahrungen, mehr als ein junger Single je erahnen könnte. Ich habe ein Singlediplom ehrenhalber. Mein Diplom ist schlicht und einfach eine extrem kurze Singlezeit. Zur Zeit bin ich deshalb kein Single und habe Zeit, locker und unverkrampft darüber zu schreiben. So wie jetzt.
Gerd ruft mich an. Gerd ist fünfzehn Jahre jünger. Gerd ist kein Single. Gerd ist liiert mit einer zwanzig Jahre jüngeren Frau, einer gertenschlanken blondbescheitelten Schönheit. Sein Quasi Schwiegervater ist quasi fünf Jahre jünger als er. Die Schönheit Suse ist verreist. Gerd kann sie am Wochenende nicht liebevoll verdreschen. Gerd ist Sadomasochist, so wie auch Suse Sadomasochistin ist. Gerd liebt seine Suse. Gerd liebt aber auch andere Frauen, wenn er kann. Also, er ruft mich an und fragt: “Ziehst du am Freitag mit mir in Berlin um die Häuser? Suse ist weg bis Dienstag!” Ich erwiedere "OK, Freitag um 18.00 Uhr zum Aufwärmen in der “Ständigen Vertretung!” “Oooooch” sagt Gerd “Da sind doch nur alte Weiber!” “Haste nicht gehört eben, nuuuuur zuuuuum Aufwärmeeeeen!” balfer ich durch das Telefon. “Ok!” stöhnt Gerd, wie wenn er einen Schlag mit einer zwölfschwänzigen Katze bekommen hätte.
Ich mach mich Freitag um siebzehn Uhr dreißig auf den Weg. Ich steige Bahnhof Friedrichstraße aus und verdrücke gleich am Bahnhof in einer der fünf Dönerbuden einen Riesendöner und ein Berliner Pilsner. Das Pilsner schmeckt. Es ist nicht so bitter es ist nicht zu süß. Den Döner hab ich mir schön scharf mit roter Soße ohne Knoblauch würzen lassen. Nachdem ich das verdrückt habe, laufe ich die paar Meter über die Weidendammer Brücke mit dem fetten preußischem Doppeladler im Brückengeländer. Ich bin so satt wie der dicke preußische gußeiserne Adler. Es ist Herbst und die Abendsonne pfeift durch seine eisernen Schwingen und wirft Schatten eines Fabelwesens, eines Untieres auf die Brücke.Ich bin wieder durstig durch das scharfe Dönergewurz.
Bis zur “Ständigen Vertretung!”, einer bekannten Berliner Kneipe muß ich einen Häuserblock am Schiffbauerdamm entlang bis zur Ecke Albrechtstraße laufen. Die Kneipe ist um diese Zeit halb voll und ich finde einen freien kleinen Tisch gleich links hinter der langen amerikanischen Theke. Um diese Zeit ist am Freitag das Publikum gemischt. Ein viertel Touristen, ein viertel Mitarbeiter der umliegenden Regierungsbehörden und des Parlaments und die andere Hälfte ist wer weis wo her. Die “Ständigen Vertretung!” ist eine Kneipe in Berlin, eine richtige Berliner Kneipe ist es aber eigentlich nicht. Es ist eine Bonner Kneipe mitten in Berlin und hier gelten Rheinische Grundgesetze. Ich lese auf einer dort erhältlichen Postkarte Artikel 1: “Et es wie et es!” (Sieh den Tatsachen ins Auge), oder Artikel 7 der englischen Version : “accept your fate” (wat wellste mache, nehm dein Schicksal an!). Und ich lese weiterhin in einem Prospekt: "Früher, zu Zeiten der Passierscheinabkommen, war hier, gegenüber dem “Tränenpalast”, der letzte Treff für West- und Ostberliner vor dem mitternächtlichen Fristablauf. Nun schlägt das politische und besonders medienpolitische Herz der neuen Bundeshauptstadt Berlin in dieser Gegend. Der Bahnhof Friedrichstraße erhält wieder ein Ferngleis. Die “Ständige Vertretung” will gastronomischatmosphärisch den Brückenschlag zwischen Bonn und Berlin, Rheinland und “Preußen”, Ost- und WestBerlin, Kultur und Politik wagen und den umzugs- betroffenen Bonnern und anderen Rheinländem natürlich auch ein Stück “rischtijer Heimat sin”."
Einer der Betreiber, der weißhaarige Friedel Drautzburg schimpft gerade hinter dem Tresen mit einer Kellnerin, die ein komlettes Tablett “Kölsch” in den Papierkorb gekippt hat, als Gerd hinter mir steht. Im Armani. Gerd riecht ein wenig nach Nuttendiesel. Ich rieche nach nichts. Ich habe 6 Probefläschchen der teuersten Männerparfüms der Welt aus dem KaDeWe in meiner Anzugjacke und ich habe auch keinen Schlips um. Ich habe meinen Schlips in der Jackentasche neben den Parfümpröbchen. Und ich habe mir gerade die Fingernägel mit Asche schmutzig gemacht. Gerd sieht das beim Hinsetzen und fragt mich “Was machst du denn da, du alte Sau – wir wollen um die Häuser ziehen und du machst dir hier genüßlich die Fingernägel schwarz?”
“Komm bleib schön ruhig” erwiedere ich “Ich hab da so eine Idee!” Er mault laut “Idee, Idee, Idee hin, Idee her ich will ein Bier!” Ich zeige der zusammengestauchten Kellnerin hinter dem Tresen mit einem Zwinkerblick an Gerds Arm vorbei meinen linken erhobenen Daumen und zeige mit dem Zeigefinger auf Gerd. Die fischt dann zwei Kölsch aus dem Papierkorb, schüttet beide Gläser zu einem zusammen und serviert es mit gekonntem Schwung Gerd, der mit dem Rücken zu ihr sitzt. “Na siehste, wenn Männer erscheinen, die bekommen sofort hier ein Bier – du Träne hast wohl noch nichts zu trinken, wie ich sehe!” Da kommt die Kellnerin noch einmal, serviert vom Tablett ein Kölsch und tönt laut “Dieses Bier geht aufs Haus mein Herr!” Gerd schluckt und sieht mich und die Kellnerin mit wechselndem Blick verdattert an. “Wiwiwiso bekommst du hier ein Kölsch auf´s Haus, du bist doch nicht Norbert Blüm!” Ich zeige zu einem langen langen Tisch an der Fensterfront, da sitzt gerade Norbert Blüm und bezahlt aus seiner ureigenen dünnen Geldbörse mit zwei roten dürren Scheinen. Wibke Bruhns und Klaus Steek, der alte Nassauer, haben wieder mal kein Geld dabei. Die sitzen neben Norbert und reden auf ihn ein wie mit einer Gebetsmühle im Mund.
“Du bist vielleicht ein Aaas – Was hast Du heute vor, wo gehen wir heute hin? Eins sag ich Dir, ins Kaffee Keese zu den Obergrufties mit den wackligen Kinn und schlabbrigen Ärschen komm ich nicht mit. Und zu den Prolos und Türkenbumsern in Chlärchens Ballhaus ooch nich!” Dazwischen “Was macht denne der Blüm hier?” Ich sag “Pinkeln, der hats wohl mit der Prostata, und wollte nur mal pinkeln, da hat ihn neben mir im Klo der Steek erwischt und an den Tisch geschleppt zu der Bruns.” “Wer ist denn nun schon wieder zum Teufel noch mal die Frau Bruns?” mault Gerd. Meine Antwort dazu ist mittelkurz: “Die war als politische Korrespondentin in Bonn zu Zeiten Willy Brandts. Dann war sie für den Stern als Nahost-Korrespondentin in Israel und in Washington. 1993 moderierte sie die Nachrichten für VOX, danach war sie Kulturchefin beim ORB. 2000 war Bruhns Sprecherin der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover. Sie hat zwei erwachsene Töchter und lebt heute in Berlin. Als Autorin ist sie tausend mal so erfolgreich wie ich!”
“Ach du mit deinen Geschichten, mit deinen Berliner Storys, das wird doch nie was – machs wie ich, ich verscheuer zur Zeit tonnenweise beschichtete Brillengläser aller Dioptrien bis nach Hintertupfingen. Das Paar Glas ab Fabrik in Shanghai zwei Dollar und siebenundsechzig Cent, die Trottel, die Kunden in Deutschland bezahlen bis 267 Euuuurooooo für den Mist. Das ist Bussiness, das ist Leben! Nicht mit wem Blüm gerade pinkelt und wo die Dingsbumbsbruhns zur Welt spricht!”
“Komm Gerd bleib ruhig, was machen die Peitschen?”
“Peitschen? hm……… hab was völlig Neues!”
“Was haste den Neues?” frag ich.
Gerd: “Kennste noch die Zackenrädchen für die Schnittmusterbogen?” “Klar kenn ich die!” erwiedere ich “bin doch ein Oldie – hat meine Mutter noch gehabt. Die ist mit den Dingern über die Linien des Schnittmusterbogens geradelt und hat dann mit Talkum das in die Löcher getrieben und danach den Stoff mit einer Schneiderschere ausgeschnitten.”
“Ja Klasse!” meint Gerd, “genau die Dinger meine ich – Stell dir mal vor, fünf Stück von den Zackenrädchen von einem Erotikgoldschmied aus der Schlüterstraße in Charlottenburg nebeneinander wie eine erotische Dampfwalze und das an einem elastischen Drahtstiel, damit fängste bei der Frau im Nacken an herum zu radeln, radelst janz sachte, leicht und ohne Druck neben der Wirbelsäule lang, dann in der Taillie, immer schön quer so fünf sechse mal lang geradelt und dann über den hoffentlich feinen Popo mal links mal rechts, mal von oben nach unten, mal von unten nach oben. Wenn de dann über die Innenseiten der Schenkel lang fährst fangen se an zu kreischen wie am Spieß, wie am Spieß sag ich dir! Bei den Kniekehlen werden sie leiser, und wenn du dann über die Fußsohlen radelst brüllen die Weiber, wie damals zu Königs Gustavs Zeiten, als die Schweden uneinsichtige weibliche Menschen an einem Pflock auf einer Wiese festbanden, die Füße mit Salz einrieben und von einer Ziege ablecken ließen!”
“Gerd! Alle Achtung mit technischer Erotik biste der größte in Berlin, das wußt ich schon immer, wie das Ding mit der Hühnerfeder, die Du mir mal vor einem Jahr verklickert hast!” “Ja” meint Gerd, "aber du altes Ferkel hast eine Taubenfeder vom Gendarmenmarkt aus dem Dreck geklaubt und hast die dann bei der armen Verkäuferin aus Marzahn eingesetzt! Ich meinete dann “In Europa ist das fast egal – Die Keime aus dem Hühner KZ sind unwesentlich anders gestrickt als die Keime der Taubenfedern vom Gendarmenmarkt!”
“Na und!” mecker ich zurück "Der Zweck heiligt die Mittel!
“Sind an Ihrem Tisch noch a Plaaatz frei” tönt es plötzlich neben uns mit weiblicher bayrischer Stimme. Wir blickchen gleichzeitig zwei füllige Damen an, die mit einigen Kilos über den BMI und feingewandeten Stöffchen vor uns am Tisch stehen. Ich nicke freundlich. Gerd schüttelt den Kopf. Mit seinen beiden gefalteten Händchen, die sich bei zusammen gehaltenen Daumen wie ein Schmetterling auf und zu klappen, zeigt er mir das AW – Zeichen. Wer es noch nicht weis, das Zeichen bedeutet “Alte Wachteln!”
Die bayrischen AW-Damen nehmen Platz und wundern sich erst mal über die kleinen Kölsch Gläser, die sofort ungefragt vor ihnen stehen. Sie kennen kein Köln, sie kennen kein Berlin und denken, hier sind alle Biergläser so klein. Sie sind seit 10 Stunden in Berlin und fragen, wo hier in Berlin Ostberlin ist. “Sie sind hier in Ostberlin!” sage ich und ergänze, "im besetzten Ostberlin – Dieses Haus und diese Kneipe hat Bonn besetzt und blätter ihnen den Teil der Speisekarte auf, wo das schwarz auf weiß steht. “Das ist ja interessant, Gustel wir sind im Osten, in der ehemaligen Ostzone!” Gustel lacht laut zustimmend. “Im Osten!” Das Gesprach danach plätschert ein wenig hin und her. Wir futtern derweil einen Flammkuchen mit der Hand und erklären den beiden Frauen, daß es das ostdeutsche russisch verseuchte Nationalgericht ist, welches mit einer Lötlampe in der Küche von zwei bärtigen Russen, die sich nie waschen, täglich kiloweise erzeugt wird. Wir lassen die beiden den Flammkuchen kosten, es schmeckt ihnen. “Mensch sind die naiv” murmelt mir Gerd ins Ohr. Ich hole ein uraltes Heft aus der Tasche und lege es wie zufällig auf den Tisch. Es ist eine Verhaltensbroschüre eines Knastes in Thüringen von 1991. Auf dem Titelblatt steht mit Kugelschreiber fett geschrieben “Lebenslänglich 1975 bis 2005 – endlich frei!” Die blondere der beiden nimmt sich ungefragt das Heft und fragt nach kurzem Blättern. “Kommen sie von dort? Wirklich?” Ich nicke. Dann erzähle ich, daß ich seit gestern, seit 30 jahren wieder frei bin und der Herr neben mir mein Psychologe ist, der mich in meine Freiheit begleitet. “Ich habe wegen Mord gesessen, wegen Mord an meiner Frau” Mein “Psychologe” nickt und bestätigt meinen Bericht mit verständnisvollen Worten. “Ja warum haben sie denn ihre Frau umgebracht, das ist doch furchtbar!” Die weniger Blonde rückt näher an ihre Begleitung heran und trinkt hastig das kleine Kölsch aus. Meine Antwort: “Sie hat mir zu viele Fragen gestellt – Gerd gebe mir bitte mal das Messer!” Wie auf ein Kommando stehen beide auf und verschwinden mit gezückter Geldbörse vom Tisch. Gerd krümmt sich vor Lachen.
Es ist zwanzig Uhr in Berlin, wir bezahlen sechs Kölsch und laufen zum Taxistand zum Bahnhof Friedrichstraße. Wir wollen zu den vierundvierzig Tischtelefonen. Zum Ballhaus Berlin, das ist einmalig in seiner Art als Berliner Tanzlokal mit uralter Tradition seit 1905. 1911 waren es Schwantkes Festsäle und später der Chaussee-Palast. Das Ballhaus Berlin ist der einzigste Tanzpalast, der noch aus dieser ollen Zeit in der Chausseestraße erhalten geblieben ist. Ich kenne den Laden seit 1966. Gerd ist Berliner, die arme Sau kennt den Laden nicht. “Wart ab, Gerd” sag ich “wart ab, da sind nicht nur die AW, die alten Wachteln zu Gange, da gibt es auch Frischfleich, wie du es magst.” Gerd schüttelt den Kopf ungläubig und trottet im feinen Armanianzug und weichem Schlabbermantel neben mir her. Ich zücke meine Parfümfläschchen, und bügel erst mal seinen penetranten komischen Nuttendiesel weg.
© rhebs 11.03.2007
Kommentieren 4 Kommentare zu diesem Beitrag Alle anzeigen
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lokalreporter, 29 April 2007: chauvinistischer schwachsinn, ironisch getarnt. super schlabbermantel!
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Richard Hebstreit, 30 April 2007: Chauvinismus ist der Glaube an die Überlegenheit der eigenen Gruppe. Hm, das mag schon so sein. Es war so! Literarischer Schwachsinn ist es - na und? Ironisch war das auch, getarnt wohl weniger. Nur, was zum Teufel lieber Lokalreporter ist literarisch gesehen hier ein Schlabbermantel?
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beko70, 13 Mai 2008:
Klasse geschrieben ! Danke :-)
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cordymt, 28 September 2012:
ich glaub, ich geh noch raus aufn Kölsch ;-)
5 Beiträge
Am Karnevallssonntag und ca. 2 Wochen später sind wir ( 2 Personen ) in der Stäv eingekehrt. Obwohl es jedesmal sehr voll war, sind wir sofort und immer sehr freundlich bedient worden. Wollte man eine Pause einlegen, brauchte man nur seinen Deckel auf´s Glas zu legen…
Gut geschmeckt hat mir der “Schuss” = Kölsch mit Malzbier.
Das Publikum war gemischt und wir trafen sogar Bekannte aus unserem südlichen Berliner Kietz. Also nicht nur Touris dort!
Das Kölsch ist süffig und ich sage auch: Vorsicht bitte, nicht unterschätzen!! Die Wirkung tritt etwas verzögert ein!!
Sehr lecker war der flambierte Apfelkuchen mit Calvados.
Schön ist auch der Blick aufs Wasser…
Enttäuscht war ich dann doch Karnevall! Es lief KEINE Musik. Deswegen sind wir doch dahin gegangen!!! Wollten nach über 20 Jahren mal wieder Karnevall feiern…
Blöderweise habe ich nicht gefragt warum, beim nächsten Mal denke ich dran.
Ach ja noch eins, das WC wird gerade umgebaut, ist jedoch nicht weiter tragisch…
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76 Beiträge
Alles in allem eine enttäuschende Erfahrung. Komme nicht wieder.
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