Kompliment
mostro (26.03.2007)
Ein gähnender dunkler Tunnel tut sich vor uns auf - wir folgen brav der attraktiven Führerin, die schnell und für mich kaum verständlich französische Fachvokabeln der Höhlenkunde aus ihrem Mund brodeln lässt, dann verschlingt uns die Unterwelt auch schon. Wir stolpern klaustrophobisch die kaum beleuchtete Rampe in die Tiefe, ich denke schon daran, wie anstrengend es wird, das alles wieder hochzusteigen, nicht umsonst gibt der Führer einen Höhenunterschied von 300 Metern innerhalb der Höhe an.
Schon nach einigen Hundert gegangenen Metern verblassen alle Bedenken - die geheimnisvolle Höhenwelt schlägt uns in ihren Bann, wir erreichen die ersten Hallen, raffiniert beleuchtet, ein wilder Wald aus Stalagmiten scheint uns aufspiessen zu wollen, über unseren Köpfen hängen dräuend die Antagonisten, zusammen eine furchterregend schöne Zahnreihe unterirdischer Felsmonster, in warmen rötlichem Sandstein, wie es scheint - aber vielleicht sind die versteckten Lampen ja auch bunt. Egal, wir holpern weiter durch Galerien und Gänge, immer engere Kurven, oft schmale Durchlasse um immer wieder in neue Hallen, Tempel, Kathedralen zu gelangen; immer spektakulärere Felsformationen, schließlich kommt noch der Zauber fließenden Wassers dazu: Riesige Kaskaden treppenförmig angeordneter Bassins leuchten geheimnisvoll grün im Zwielicht, kleine Wasserrinnsale plätschern langsam jahrtausendelang von Stufe zu Stufe herab, ganz unirdisch wirkt die Szenerie, ein bißchen wie ein unterirdisches Pamukkale, nur weit mystischer - man erwartet hinter jeder Ecke Gollum in einem der Bassins, bereit, einem schleimige Rätselfrage zu stellen...
Nur unwillig lösen wir uns auf Befehl unserer energischen Anführerin aus diesem Bann der Unterwelt und steigen langsam und nach einer Stunde doch ermüdet nach oben, zur freundlichen Sonne, die über der Ardeche steht.
Die Grottes wurden übrigens erst 1838 von einem Jäger aus der wunderschönen Ortschaft Aigueze (gegenüber von St. Martin) entdeckt, erstaunlich bei ihrer Größe- immerhin 48 Km Gänge und Höhlen wurden bisher entdeckt, damit zählt der Ort zu den größten Höhlensystemen Frankreichs. Wer speleologisch interessiert ist und gut französisch kann, findet übrigens wunderbare Informationen auf der wissenschaftlichen Seite speleoressac.free.fr!
Eintritt 7,50 Euro.
P.S.: Saint Marcel (nicht "Sai") ist NICHT bei Argentan, (wie auch immer Google trotz Postcode uns hier nach Norden verbannen will), sondern an der Ardeche, ca. 20 Minuten von St. Martin entfernt, von Avignon wird man vermutlich eine Stunde oder etwas mehr brauchen!
Stichworte
urlaub, schön, abenteuer, frankreich, süden, stein, höhle, provence, tiefe, tropfstein, höhlen, ardeche
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