Kompliment
mostro (18.07.2007)
Siena. Eine Stadt so überwältigend schön in ihrer Einheit, daß die UNESCO sie kurzerhand komplett zum Weltkulturerbe erklärt hat. Worte beschreiben nur unzureichend den Zauber des Lichtes, das entsteht, wenn man an einem heißen staubigen Sommertag am frühen Nachmittag durch die engen Gassen hinab zum Hauptplatz geht, nein eher trottet - alle Mauern haben diesen eigenen rotbraunen Farbton, den die Sonne noch verstärkt und der nach dieser Stadt benannt ist. Und das Gewirr dieser lückenlos aus dem Mittelalter stammenden Häuser zieht sich schier unendlich hin, wodurch die Atmosphäre sich mehr und mehr verdichtet.
Kaum zu glauben, daß es dann doch größere Plätze und Bauwerke zwischen all diesen eng gedrängten Häusern gibt. Aber von vielen Seiten und über viele Treppen erreicht man immer wieder ein Bauwerk, das nicht rotbraun sondern wie ein Zebra schwarzweiß gestreift ist - den Dom.
Der Dom von Siena ist ein einzigartiges Beispiel für gotische Archtiektur in der Toskana - entstanden im 13. und 14. Jahrhundert lassen sich noch Spuren der Romanik finden. Was im Äußeren schon beeindruckt, ist, daß der Dom praktisch komplett aus Marmor besteht - schon in der Fassade finden sich (neben den Streifen) kunstvolle Intarsienarbeiten, Statuen und eine Flut von wunderbaren Ornamenten, die sich über Simse, Kanten und Bögen hinweg ziehen - vor allem das Hauptportal ist eingebettet in eine schier unendliche Flut von Zöpfen, Ranken und Kordeln aus Marmor.
Im Inneren wird die Pracht noch enormer - Marmor war nun einmal das zentrale Material toskanischer Handwerkskunst - und in Mengen vorrätig. Völlig ungläubig steht man vor allem vor den Kunstwerken, die den Boden der Kirche bilden - feinste eingelegte Arbeiten aus vielfarbig buntem Marmor bilden komplizierte Bilder, die fast wie gemalt wirken - wüsste man es nicht besser. Dargestellt sind natürlich biblische Szenen aber auch Sagen und Fabeln. Der Legende nach haben die verschiedenen Marmorhandwerkerfamilien in diesen Bildern versucht, sich gegenseitig zu übertreffen - eine Art jahrhundertewährendes Aushängeschild in der zentralsten Position. Aus Marmor natürlich auch die achteckige Kanzel von Pisano, auch aus dem 13. Jahrhundert, und natürlich auch aufs schönste mit Einlegearbeiten überzogen. Auch die Originalfenster des Doms (riesige Rosetten) sind erhalten - unglaublich wie so vieles in dieser wunderbaren Stadt.
Zum Glück gingen der Stadt damals die Mittel zum Weiterbau aus - ursprünglich sollte der heutige Dom nur das Querschiff einer riesigen Kathedrale werden, die damals die größte der Welt gewesen wäre - aber so viel Pracht wäre denn doch zu viel für einen Besucher - auch so ist man regelrecht vor den Kopf geschlagen von so hoher Kunst des Handwerks in so gelungener Komposition!
Vor der Tür gibt es zum Glück viele Gelgenheiten, über die erschlagenden Impressionen dieses Marmorkuchens hinwegzukommen - zahlreiche Cafés säumen die Gassen - man sollte hier zwischen den Einheimischen Platz nehmen, Am Palio-Platz befinden sich dann eher Touristenfallen...
Stichworte
italien, ausflug, kunst, kunsthandwerk, alt, urlaub, dom, kunstwerk, toskana, kirche, kirchen, weltkulturerbe, unesco, norditalien, marmor, siena
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