Kompliment
meme (11.07.2007)
Beim Durchlesen des "Freunde einladen" Textes habe ich mal überlegt, welcher Ort denn für mich wirklich wichtig ist in Borghort. Welcher Ort unveränderlich und unverwechselbar auch nach Jahrzehnten in der Fremde ein Gefühl von Heimat hervorrufen könnte. Da fällt mir tatsächlich nur meine alte Pfarrkirche St. Nikomedes ein.
Unverändert groß und mächtig steht sie wie ein Fels in der Brandung gegenüber meiner alten Schule. Nicht einmal kleiner geworden ist sie - wie man es bei so vielen Dingen empfindet, die einem als Kind übermächtig groß vorkamen. Auch innen hat sich nicht viel verändert - die Neuerungen nach der Liturgiereform waren damals schon in Angriff genommen, und danach haben sich nur noch Kleinigkeiten verändert. Nur die wunderschön geschnitzte Kanzel ist nicht mehr in Betrieb. Heute wird aus dem Altarraum heraus gepredigt - schade. Ich höre heute noch die engagierten Predigten unseres damals angesagten Kaplans - habe sogar noch einige Manuskripte. Überhaupt waren wir damals alle sehr engagiert in der Kirche, vielleicht, weil sie unserer Schule direkt gegenüberlag, vielleicht weil unserere Klassenlehrerin eine äußerst fortschrittliche, dabei aber auch äußerst religiöse Frau war ??
Jedenfalls haben wir mehrfach in der Woche die Schulmesse gestaltet und vorgebetet. Wir haben Beatmessen (damals ziemlich fortschrittlich) gestaltet, mit einer Schola moderne Musik eingebracht und - und - und ... Vielleicht lag´s auch ein bißchen an den tollen Kaplänen - in der Regel waren sie der unerreichbare Schwarm aller Mädchen.
Heute komme ich leider nicht mehr so oft in die Kirche, aber wenn, dann umfängt mich sofort ein Gefühl der Ruhe, der Heimat, obwohl ich sonst Heimat nie an einem Ort festmache. Wenn dann noch der Küster die Orgel spielt - ist die Welt in Ordnung und nichts kann mir passieren, zumindest für einen kurzen Moment.
Über die Kirche an sich gibt es nicht allzuviel zu berichten. Sie wurde 1895 auf den Resten mehrerer Vorgängerkirchen des Adeligen Damenstifts der "Fräulein von Borghorst" im romanischen Stil als Hochgotik-Kirche vollendet. Architekt war Hilger Hertel der Ältere aus der Kölner Dombauhütte. Er schuf eine der größten Hallenkirchen des Bistums Münster mit einem 99 Meter hohen Turm. Erwähnenswert sind sicher die wunderschönen Glasfenster und die alte Orgel, die in den letzten Jahren aufwendig restauriert wurden.
Der Außenbreich ist noch so wie in meiner Kindheit - große alte Bäume, ein gepflasterter Vorplatz mit verschiedenen Wegen - so wie ich es tagtäglich aus meinem Klassenfenster gesehen habe. Fast alles in Boghorst hat sich verändert - sogar der Ortsname - dieser Ort aber bleibt tatsächlich wie er ist - ein Stück Heimat und Geborgenheit.
10.07.07: Es gibt Neues zu vermelden - so stand heute in der Zeitung, dass der Bodenring rund um die St. Nikomedes Kirche zum Bodendenkmal werden soll, was bedeutet, dass im unmittelbaren Umfeld der Kirche baulich nichts verändert werden darf. Überall dort kann man im Boden nämlich noch Überreste der 1200 jährigen Stadtgeschichte finden, besonders aus der Stiftszeit. Ich finde es schön, bedeutet es doch, dass auch in Zukunft dieser Platz so bleibt, wie ich ihn schon seit so vielen Jahren kenne und liebe.
Die zweite Neuigkeit betrifft das wertvolle Stiftskreuz, ein Reliquienkreuz aus dem 11. Jahrhundert, dass meistens in der Domschatzkammer in Münster aufbewahrt wird - wenn es nicht gerade an irgendeine Ausstellung weltweit ausgeliehen ist. Nun soll es also zurückkommern - an den Ort wo es hingehört - die Nikomedeskirche in Borghorst. Am 14. September, dem Fest Kreuzerhöhung soll erstmals eine Abschlußfeier mit dem Kreuz stattfinden, nachdem sich vorher die Nachbarschaften an den verschiedenen Wegekreuzen in Borghorst getroffen haben. Ausgestellt wird das Kreuz in einer schlanken gläsernen Vitrine neben dem linken Seitenaltar, damit man es von allen Seiten betrachten kann und nichts vom Wesentlichen ablenkt.
Stichworte
ruhe, heimat, erinnerungen, kirche, gott, orgelmusik
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