Der Schwanen gehört zu Steckborn wie der See. Das Restaurant liegt nämlich direkt am Untersee. Von der Strasse her protzt ein prächtiger und gut gepflegter Fachwerkbau. Innen ist die Gastronomie, die trotz der in der Vergangenheit wechselnden Besitzern nie oberste Weihen empfangen hat. Das ist schade, denn der Schwanen ist einzigartig. Einzigartig wegen seiner prächtigen Terrasse mit Seeblick.
Die Terrasse liegt auf Höhe des ersten Stockwerkes. Man gelangt zu ihr durch den Innenhof, der auch zum Restaurant gehört, über eine Treppe. Steht man oben, blickt man auf das prächtige Rund, das zu allen Jahreszeiten fantastisch ist. Im Sommer sind immer Schiffe auf dem See: Da legt gerade ein Schiff der Unterseeflotte an, sonntäglich weiß gestrichen. Da kämpft ein Korsar gegen den Wind. Da bläht sich der Spinacker eines Drachen. Und ein Tretboot mit Rentnern ist auch dabei.
Vergessen wir aber nicht das monogame Schwanenpaar, die Haubentaucher, die Mittelmeermöwe, die Türkentaube. Natur pur. Über dem Kopf und hinten im Rücken spenden gesunde Platanen Schatten. Unten im Hof knirscht der Kies. Und der Himmel über Gaienhofen leuchtet blau. Gaienhofen auf der deutschen Seite, wo sich Hermann Hesse 1904 nach seiner Hochzeit mit Maria Bernoulli niedergelassen hat und seinen zweiten Roman „Unterm Rad“ schrieb.
Die Terrasse ist nur in der warmen Jahreszeit geöffnet, aber immer schön. Auch im Winter, wenn sich ein Unwetter zusammenbraut und die Lichter der Sturmwarnung verrückt spielen. Oder wenn das immer seltener werdende Eis zur Spielfläche der domestizierten Wasservögel wird. Auch zu jeder Tageszeit. Frühmorgens, wenn der erste Kaffee von den noch bettwarmen Serviererinnen gebracht wird. Oder abends, wenn der flüchtige Schein des Sonnenrots in der bleifarbenen Seefläche versinkt.
Nun kommt ja zu der Pracht des einzigartigen Ortes die etwas langweilige Gastronomie. Halten wir es doch so wie der Journalist, mit dem ich mich da ab und zu treffe. Er sagt: „Wäre Speis und Trank jetzt auch noch außergewöhnlich, wäre es nicht zum aushalten.“
Was kräht die Möwe? „Geschichten aus Steckborn“ (http://www.tschirren-verlag.de/steckborn.html)
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