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mostro

Kompliment mostro (08.05.2008) 4

Lang genug habe ich in meinem Leben größere Autostrecken meist ohne Abstecher geradlinig bewältigt – erst mit der „Würde des Alters“ kam langsam die Erkenntnis, wie viel einem entgeht, wenn man einfach nur eine schmale Linie durch die Landschaft wählt. Und ich begann immer wieder vom Weg abzukommen, anfangs spontan, später dann auch geplant. Auch die Strecke zwischen Hamburg und Berlin verleitet dazu, einfach ohne Stopp durchzufahren. Sie ist nicht kurz und man möchte oft einfach nur ankommen. Dennoch sollte man sich klar machen, dass man bei drei Stunden Fahrzeit ohne weiteres Platz für einen Ausflug unterwegs hat.

Meyenburg und sein Schloß sind schon auf braunen Schildern an der Autobahn angezeigt und somit hat man keine Mühe, das Örtchen dann auch 10 Kilometer nördlich der Autobahn zu finden. Das Schlösschen findet man mitten im Ort und darin das avisierte Modemuseum.

Das Museum befindet sich im zentralen Flügel des Bauwerks, mit sieben Euro erscheint der Eintritt nicht gerade günstig, aber wir sind zu neugierig um zu widerstehen, nicht zuletzt verleitet das Schild, das anzeigt, im Museum werde die Sammlung der „Josefine, Edle von Krepl“ gezeigt, zu allerlei lustigen Spekulationen.

Leider wird uns verkündet, man dürfe in den Sammlungen nicht fotografieren, so dass hier nur Wort statt Bild wirken kann. Im Erdgeschoß befindet sich ein kleines Café, das gleichzeitig als Shop dient. Eine rothaarige Dame sitzt dort und redet laut, vermutlich ist das die „Edle“ daselbst, sie weist gleich gestreng auf das Lichtbildverbot hin – und alles riecht hier irgendwie nach Mottenkugeln und Frauenparfüms aus alten Zeiten, süßlich und puderig, “Tosca” oder so hieß das bei meiner seligen Großtante…. Um die Cafétische hängen Modeaccessoires aus früheren Zeiten von 1950 bis 1980 oder ähnlich, die nicht zur Ausstellung gehören sondern zu erwerben sind – man wird den liebenswerten Eindruck nicht los, die edle Dame verscherbele hier das aus ihren zwanzig adligen Kleiderschränken, was nicht in die Ausstellungsvitrine gekommen sei…

Im Keller endlich beginnt dann das Museum und hier wird es interessanter, denn tatsächlich sind komplette Damenkostüme nach Jahrzehnten geordnet zu sehen, prachtvolle Gewänder aus der Zeit um 1900-1910, reich bestickte Hochzeitskleider, Umhänge für den Kirchgang, Sommerkleider, Hüte, alles fein durchwirkt und in Vitrinen, teilweise mit Angaben zur Besitzerin und ihrem damaligen Stand, dazu Angaben zu den Textilien.

Was fehlt, sind leider genaue Herkunftsbezeichnungen, Auskünfte zum Hersteller, zur Geographie – und vor allem sieht man hier keinerlei männliche Kleidung, was aus wissenschaftlicher Sicht natürlich ein wenig unvollständig ist und den Verdacht erhärtet, das hier vor allem die vererbte Privatgarderobe einer Adelsfamilie zur Geltung gebracht wird… Dennoch ist es nun sehr faszinierend, sich durch die Dekaden zu bewegen. Im Obergeschoß findet man zunächst eher langweiliges aus der Zeit um den zweiten Weltkrieg, dann aber zunehmend Erheiterndes aus den 1960ern und 1970ern, wo edle Designerstücke mit oft geradezu surrealer Ausgestaltung oder Farbwahl und vermehrt untypische und auf Kunststoffen basierende Textilien zum Einsatz kommen. Auch hier kann man anhand der sehr extrovertierten Stöffchen und Modelle den Fantasien frönen, dass die adlige Trägerin der Kostümchen und Kleidchen schon eine sehr interessante und komplizierte Persönlichkeit gewesen sein könnte – aber vielleicht ist das natürlich alles nur Gedankenspiel…

Irgendwann war das Auge von all den Farben erschöpft, kein neueres Modell wollte mehr in mein (zugegeben männliches) Hirn hinein, und wir setzten unsere Reise mit einem Gang durch den sonnigen Schlossgarten fort….

Insgesamt ein lohnender Abstecher, da man ein derartiges oder ähnliches Museum gewiß nicht so oft finden wird.

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Kompliment karinsabine (30.03.2007) 5

Wenn man in der Müritzregion Regenwetter hat, muss man sich Beschäftigung suchen. Große Einkaufscenter findet man hier nicht, auch Museen sind nur in geringem Maße vorhanden.
Nicht so in Meyenburg, in der Nähe von Plau am See. Im restaurierten Schloss befindet sich das Modemuseum von Josephine Edle von Krepl. Sie hat zu DDR- Zeiten Modedesign und Journalismus studiert, arbeitete für die Zeitschrift "Für Dich" und eröffnete 1980 die erste private Modeboutique von Ost- Berlin.
Angefangen hat alles mit Kleidern ihrer Mutter und ihrer Großmutter. Die Sammlung umfasst inzwischen über 1500 Kleider, mit passenden Accessoires, von 1900 bis hin zu den 80`ern, verteilt in mehreren Räumen des Schlosses. Sehr aufschlussreich und liebevoll arrangiert. Dazu trällern Chansons aus dem CD- Player. Die Edle von Krepl ist eine sehr interessante Frau, die gern für Fragen zur Verfügung steht und auch kleine Einblicke in ihre Lebensgeschichte zulässt. Nebenbei kann man im Shop historische Kleider, Hüte, Taschen und Schmuck kaufen, alles nicht ganz billig, aber einzigartig. Hier wird auch Kaffee und Kuchen mit historischen Sammelgedecken gereicht. Das Flair des Museums ist ganz eigenartig, ich fühlte mich wie auf einer Zeitreise. Viele Kleidungsstücke kannte ich nur von Bildern meiner Vorfahren, aber als ich bei den 80`ern ankam, war ich schon persönlich betroffen!
Ab und zu finden Modenschauen statt, es werden Workshops und Seminare zum Thema Mode angeboten, ausserdem gibt es zahlreiche Sonderausstellungen von Fotografen und Malern.
Eintritt 7,- €, Kinder 6- 14 Jahre 3,- €.
Im Schloss befindet sich auch noch ein Heimatmuseum, der Park ist sehr schön angelegt und lädt zum Spazieren ein.

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