Kompliment
harryshafenbasar (03.04.2007)
Harrys Welt
Wer es nicht glaubt, der muß halt selber nachzählen. „Dreihundertfünfundsechzigtausendvierhundertneunzig“, sagt Karin Rosenberg. So viele Gegenstände sollen sich in dem wohl skurrilsten Geschäft Hamburgs befinden – in „Harrys Hafenbasar“ auf St. Pauli, in unmittelbarer Hafennähe.
Ohne den Hamburger Hafen würde es Harrys Basar nicht geben. Denn Karins Vater, Harry Rosenberg, fuhr jahrelang zur See. In den zahllosen Häfen, in denen seine Besatzung festmachte, nahm er alles mit, was es zuhause nicht gab.
1954 ging er für immer an Land und mietete einen Laden an der Bernhard-Nocht-Straße. Den schmückte er mit all seinen exotischen Schätzen. Da er fortan nicht mehr selber die sieben Meere befahren konnte, „beschnackte“ er seine Seemanns-Kollegen, weitere Souvenirs aus der ganzen Welt mitzubringen.
Und sie kamen. Mit vollen Händen. Die Smutjes, Maschinisten und Kapitäne brachten Holzfiguren afrikanischer Stämme, ausgestopfte Alligatoren aus dem Amazonas, goldene Buddhafiguren aus China, präparierte Vogelspinnen, Marionetten aus Sumatra und philippinische Masken. Und das ist nur ein Bruchteil der Kuriositäten, die in dem Basar ihre neue Heimat fanden. Wer es nicht glaubt, kann selber nachsehen.
Seit fünf Jahren ist Harry schon tot und der Basar mittlerweile an die Erichstraße gezogen. Seitdem führt seine Tochter den Laden weiter: „Meine ganzes Leben spielt sich hier ab. Diesen Job macht man entweder ganz oder gar nicht“, sagt die 45-jährige. Jeden Tag verbringt sie in den verwinckelten Räumen, die bis unter die Decke mit den Mitbringseln aus aller Welt vollgestellt sind. Welche Farbe die Wände haben, hat sie schon längst vergessen. Sie wischt, ordnet und versucht in der einen oder anderen Ecke ein freies Plätzchen für den letzten Neuankömmling zu schaffen.
Auch heute noch bringen Seemänner Souvenirs mit. Mit einem Unterschied: „Sein einigen Jahren sind es bloß ausländische Matrosen, die mit Ware vorbeikommen. Deutsche Schiffe sind nur noch einige Stunden im Hafen. Solange, wie sie zum Löschen brauchen. Da kommt keiner mehr an Land“, sagt die Hamburgerin. Doch in Harrys Hafenbasar bleibt dieSeefahrerromantik am Leben: „Oft kommen alte Kapitäne hierher, und schwelgen in Erinnerungen.“ Das können alte Seebären hier nämlich gut. Und wer es nicht glaubt, muß es selber erleben.
Stichworte
museum, geschäft, skurril
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