17.09.2007
(aktualisiert am 19.09.2007)
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Wie einen Einstieg finden ins Thema, ins herrliche Gebäude, Jugendstil innen und außen, ein Kino, das selbst dann bewundernd hinschauen lässt, wenn es geschlossen ist, dieses Kino, bah welch plattes Wort für dieses Filmtheater, wie es in der Welt kein Zweites gibt. Lasst mich das einfach mal so behaupten. Amsterdambesucher, lass dir dieses Juwel nicht entgehen.
Pathe heißt der heutige Eigentümer, der sich bemüht, dieses Kunstwerk originalgetreu zu erhalten. Abraham Tuschinski heißt das Genie, das dieses Wunderwerk erdachte und erschaffen ließ.
Also, die schmiedeeisernen Gitter im Jugendstil sind ebenso das Betrachten wert, wie das im Jugendstil errichtete Gebäude selbst.
Und da stehe ich mit meinem Bericht erst vor der verschlossenen, vergitterten Tür... Liebe Leser, geht hin und schaut es euch an. Die Pforten öffnen sich und ihr betretet eine andere Welt. Auf einem handgeknüpften Teppich. 150 Quadratmeter an einem Stück ließ Abraham Tuschinski für seinen Weltfilmpalast in jahrelanger Arbeit knüpfen. Und weil meines Wissens hinter einem erfolgreichen Mann immer auch eine starke Frau steht, erlaubt mir, hier auch den Namen seiner Frau zu nennen: Mariem Estera Ehrlich.
Abraham Tuschinski hat in Amsterdam ein Kino gebaut. Das war 1921. Damals war es noch üblich, dass in den Pausen Kabarettvorstellungen stattfanden und dass es ein Hausorchester gab. Und in diesem unglaublich schönen und architektonisch gewagten Gebäude sind auf der Bühne Künstler wie Marlene Dietrich, Edith Piaf oder Josephine Baker aufgetreten.
1600 Plätze sollte Tuschinskis Weltfilmpalast haben und der kostete bis zur offiziellen Eröffnung im Jahre 1921 die damals unglaubliche Summe von 4 Millionen Gulden.
Abraham Tuschinski wurde am 14.5.1886 in Polen geboren. Er verließ das Land zusammen mit seiner Frau und wollte nach Amerika. Aber er landete in Holland, genauer in Rotterdam, lebte und arbeitete dort und gründete bald das erste Kino in den Niederlanden. Aber sein Wunsch war ein Weltfilmpalast in Amsterdam und diesen Traum setzte er um. Bis heute dürfen wir diesen wunderbaren Palast bewundern, mit dem herrlichen Teppich und der wunderschönen "Spinnenlampe", ein Filmtheater wie es bestimmt kein zweites auf der Welt gibt.
Für mich ist dies ein absoluter Lieblingsplatz. Auch, weil Tuschinski deutschen Künstlern eine Bühne bot, als diese anderswo nicht mehr auftreten durften. Ich nenne da nur einmal Rudolf Nelson, und auch Dora Paulsen, Eva Busch, Fritzi Schadl, Ine Ruth, Kurt Lilien, Marcella Salzer, Harald Horsten und als Gast der Komiker Emil Feldmar. Die Revue damals hieß übrigens La Gaite. Dieser Mann hat deutschen Kulturschaffenden immens geholfen. Das weiß heute natürlich fast niemand mehr und deshalb möchte ich nicht nur in dieses wunderbare Gebäude einladen, sondern auch etwas zu seiner Geschichte erzählen.
Abraham Tuschinski war eine der ersten herausragenden Persönlichkeiten, die von den deutschen Besatzern ins KZ verschleppt und ermordet wurden, das war am 1. Juli 1942.
Was geblieben ist, das ist ein sagenhaftes Lebenswerk.
Eines, das wir Deutschen staunend und voller Respekt genießen dürfen. Wir, die wir nach dem Krieg geboren sind, brauchen uns nicht persönlich schuldig fühlen am Tode dieses wunderbaren Genies, es reícht, wenn wir uns an seiner Leistung erfreuen, sein Lebenswerk zur Kenntnis nehmen und im Gedenken an sein Tun dankbar einen Stein an sein/ein virtuelles Grab legen.
So far my two cents.
Hexje
P.S. Die Deckemalereien stammen von Willem Kromhout und die wunderbare Lampe ist ein Entwurf von Chris Bartels. Das war noch nachzutragen.
Stichworte
kino, kunst, theater, kabarett, jugendstil, amsterdam, deutschegeschichte, tuschinski, rembrandtplein
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