Tja, es war einmal - meine ganze Kindheit hindurch und große Teile meiner späten Jugend (so die Zeit von 20 - 33). Der Fernsehturm, Telemichel, Betonnadel, HH-Turm oder wie auch immer - das graue Etwas stach immer bestechend in deen Hamburger Himmel und war ob seiner Ungewöhnlichkeit eine der wenigen Architektenschöpfungen der Nachkriegszeit, die den Leuten nicht das Frühstück rückwärts durch den Ösophagus jagten. Innen herrschte auch 1985 noch der Charme eines angestaubten Tantencafés von 1962, Teppich und plüschige Funktionsmöbel in Unfarben, dazu die Kaffee-Kuchenpalette eines Monopolisten, der weiß, dass es in 128 Metern Höhe (auf der Hälfte der Strecke) keine nennenswerte Konkurrenz geben kann - und dass die Leute, die für die Aufzugfahrt bezahlt haben, nach ausgiebigen Geniessen des Blickes in alle Richtungen dann auch mal hungrig sind und denken, dass sie hier (ob des Fahrstuhlpreises) nicht wieder so schnell her kommen.
Und wie gesagt der Blick: Weit über den Hafen, die Schiffe, die Elbmarschen, die Alster, die Stadtteile wie Spielzeug unter uns wie im Flugzeug, nur mit Zeit, um genau sein Haus und seinen Straßenzug zu finden.... - und der Clou war, dass die Plattform sich mit einem langsam um ihre Achse drehte, ein wenig unheimlich war das immer, das wirkte so instabil, da oben in den Wolken, die manchmal wirklich um den Turm herum hingen und ihn von unten unsichtbar machten. Aber durch die Drehung bekam man bei (mäßigem) Kuchen doch innerhalb einer Stunde das ganze Panorama mit (wenn man denn aufpasste, denn meist kam man ja nicht allein...).
Und jetzt? Traurig ragt der Turm. Seiner Zugangsbrücke aus dem Park beraubt. Aufgrund irgendwelcher Finanzverrücktheiten und Brandschutzidiotien einfach dicht gemacht und nur noch als Betonantenne für irgendwelche Fernmeldetechniker und Fernsehverschachtler da. Und damit ein Hindernis im Blick, ein Fremdkörper, zumindest zunehemd im Geiste fremdartig und bald störend. Die Erinnerung verblasst und man passiert den Platz wie ein Loch im Universum....
Macht ihn bitte wieder auf, den Turm! Die protzigen und das Viertel verbarikarienden Messehallen nebenan zeigen, dass Hamburg viel viel Geld hat, jedenfalls wenn es dann mal wieder um Investitionen für die Wirtschaft geht....
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