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Qype Advanced Insider 9299
Benutzerfoto: Lakritze

Lakritze

Kompliment Lakritze (21.03.2008) 5

Wer den Aufstieg geschafft hat, kann sich mit der Aussicht begnügen -- die allein ist die Mühe wert. Kann, muß aber nicht. Das Marburger Schloß beherbergt einen Festsaal, eine Schloßkapelle, Ausstellungsräume für alles mögliche und ein allerliebstes Museum für Kulturgeschichte.

Was fehlt, ist ein Café. Vielleicht finden nicht genügend Touristen hier herauf --? Ich weiß es nicht. “In Westfalen”, sagte mir ein Westfale, “stünden hier längst ein paar Tische und Schirme, und es gäbe Bier, Sprudel und Kaffee.” Hier ist aber Hessen, und wer auf dem Marburger Schloß Durst bekommt, muß an den Wasserhahn. Oder in den Bückingsgarten eine urbane Etage tiefer.

Nun aber ins Schloß! Der enge Innenhof ist etwas drohend umstanden von hohen Bauten aus dem 12. bis 15. Jahrhundert. Rechts geht’s ins Museum, das unermäßigt drei Euro kostet.

Von der Kasse aus links sind zwei große Säle mit wechselnden Ausstellungen; im Regelfall steht hier hessische Keramik. Rechts geht’s durch ein überraschend nüchternes Betontreppenhaus hoch zum gotischen Fürstensaal mit seinen schwer schnörkeligen Schnitzportalen aus dem 16. Jahrhundert.

Im anschließenden Saal ist die Baugeschichte der Anlage dokumentiert. Im Steinboden sind Plexiglasplatten eingelassen, die den Blick auf die ältesten ausgegrabenen Mauern aus dem 9./10. Jahrhundert freigeben -- gelegentlich sieht man hier Leute, die bei einem zufälligen Blick zu Boden unvermittelt feststellen, daß sie über einem Abgrund stehen, erschreckt zur Seite hüpfen.

Weiter geht’s bis zur Schloßkapelle. Hier innehalten! Die Kapelle stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist ein winziges gotisches Juwel, bernsteinfarben, kühl und lichtdurchflutet. Auf dem Boden liegen Teppiche, auf die man treten soll, um die farbigen Fliesen nicht zu zerstören; die Wände sind mit großen, byzantinisch anmutenden Heiligenfiguren bemalt, die geheimnisvoll auf die vorbeiziehenden Besucher hinunterblicken.

Dann auf zum Museum für Kulturgeschichte im Wilhelmsbau. Über eine Wendeltreppe erreicht man die verschiedenen Epochen in verschiedenen Etagen. Im Keller die Steinzeit: Archäologiestudenten haben ausprobiert, wie lange man an einem Hügelgrab baut, wie sie um Marburg herum in den Wäldern zu finden sind. Darüber: kirchliche Kunst, Kruzifixe und Skulpturen. Im nächsten Stock die weltliche Herrschaft: gesammelte Waffen, Rüstungen, Schilde, Truhen.

In den obersten beiden Stockwerken die Säle “Hessische Volkskunde” und “Bürgerliches Wohnen” -- Möbel, Porzellan, Öfen, Kleidung, Schmuck, was die Marburger Professorenhaushalte so hergaben, wenn sie dem Museum gestiftet wurden. Mein persönliches Lieblingsstück: ein Tischchen mit farbiger Platte, Blumen und Schmetterlinge. Halt, nicht bemalt -- bestickt. Oder? Beinahe: aus Tausenden von winzigen Glasperlen ist das Bild zusammengesetzt, von einer kunstfertigen Marburger Bürgerin, und ich wäre beinahe daran vorübergegangen.

Hier hängt auch das Porträt der “langen Gret”, einer Zofe am Fürstenhof; sie sei siebenmal so lang gewesen wie der rote Strich am Bildrand -- was gut zwei Meter zehn entsprochen haben muß. Und es muß eine Qual gewesen sein -- wenn man sich die Betten anschaut, die hier stehen: die sind höchstens einen Meter fünfzig lang, eher zum Sitzen als zum Liegen gedacht.

Es gibt Hunderte solcher kleiner Schätze, die im Museum vor sich hindämmern -- man übersieht sie so leicht. Wer mehr wissen will, sollte mit den Museumswärtern einen Schwatz anfangen. Diese wissen enorm viel, haben aber anscheinend angesichts der interesselos vorbeitrottenden Touristen resigniert -- man muß ein bißchen nachfragen, dann bekommt man die schönsten Sachen gezeigt und die zugehörigen Geschichten erzählt.

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Nein, das war nicht alles. Es gibt noch viel zu entdecken -- den Gang um die Gemäuer herum, den Fürsten mit seinen Gattinnen “zur Rechten und zur Linken”, die Fledermäuse, und um das Schloß herum den Schloßpark, die Eßkastanie, den Hexenturm und die Kasematten. Nur Kaffee… Aber das hatten wir schon.

Fakten und Panoramen (mit Drehwurm) gibt es auch.

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Qype Insider 591
Benutzerfoto: kaeydy

kaeydy

Kompliment kaeydy (20.04.2007) 5

Das Landgrafenschloß Marburg ist wohl eins der ersten Ausflugsziele eines jeden Neu-Marburgers.
Zum Schloß führen viele Wege, allein deren Entdeckung macht schon Spaß. Das Schloß selber ist wohl weniger interessant, wohl aber die Location und die grandiose Aussicht über die Oberstadt und den Rest Marburgs. Dieser Ort lädt ein zum Spatzieren, Chillen und ist ideal geeignet, um beim ersten Date zu imponieren!

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