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Kompliment meme (25.04.2007) 5

Es war einmal… so fangen alle Märchen an. Damals, im Jahre 1905 baute Albert Willmann in Lambach eine schöne Jugendstilvilla, die letzte Glashütten-Herrenvilla im Landkreis Cham, für sich und seine junge Frau Lina. Sie ersetzte das Schloßgebäudes des Oberstbergrates von Baader, der knapp 100 Jahre zuvor eine der letzten Glashütten des Lamer Winkels in Lambach gegründet hatte. Durch ein neues Verfahren, dass teure Pottasche durch billigeres Soda ersetzte, kam er zu Wohlstand und Ansehen. Politisch beeinflußt mußte er die Hütte an die Stuttgarter Firma Tritschler-Winterhalder & Co. verkaufen – Konstantin Willmann (Vater o. Onkel von Albert ??) war der Schwiegervater von Ferdinand Winterhalder. In ihren Hütten wurde veredeltes Glas produziert, dass auch an den englischen Königshof geliefert wurde. 1904 wurde die Glashütte aus wirtschaftlichen Gründen nach Neustadt an der Waldnaab verlegt, und damit endete die Glasmacherei in Lambach.

Albert Willmann bewirtschaftete fortan das riesengroße Lambacher Land- und Forstgut, dass den verbliebenen Lambachern Lohn und Brot gewährte. Er lebte in seinem großen „Herrenhaus“ mit seiner Lina – nur der ersehnte Erbe ließ auf sich warten. Als „Ersatz“ wurde später ein Neffe der Familie auserkoren – letztendlich aber übertrug Albert, der „Herr von Lambach“ und „König des Lamer Winkels“ 1964 sein gesamtes Vermögen mit einem geschätzten Wert von 30 Millionen DM dem bischöflichen Stuhl in Regensburg – aus Angst, dass das Gut nach seinem Tode zerschlagen würde. Getragen wurde seine Entscheidung sicher vom Wunsch, das Beste für Lambach und den Lamer Winkel zu tun. Wer die ganze Geschichte dazu lesen möchte – fast so spannend wie ein Krimi – dem sei „Das Erbe unterm Osser“ von Klaus Willmann empfohlen. Der Ossergipfel, der auch zum Forstgut gehörte, wurde dem Bayerischen Waldverein geschenkt, für das alte Willmann-Paar baute die Kirche ein modernes Haus nahe der alten Villa. Da niemand aber sich für den Erhalt der Villa zuständig fühlte, verfiel das stolze Gebäude immer mehr.

So habe ich es kennengelernt, als ich zum ersten „Arbeitseinsatz“ beim Bau des Kolping-Ferienheimes in Lambach war. Ich weiß noch, wie der stattliche weißhaarige Gutsherr Albert Willmann und seine kleine zierliche Frau Lina zu unserem Empfang im Hof der Villa standen und uns herzlich begrüßten. Wir logierten mit einem Matratzenlager im angrenzenden Verwaltergebäude. In den Ställen wurde noch Vieh gehalten – die Villa aber stand leer – dunkel und kühl im Innern, nur das Äußere, die vielen Türmchen und Erker und die schönen bunten Glasfenster zeugten von der ehemaligen Pracht.

In den folgenden Jahren verfiel die Villa weiter, Albert Willmann starb 1980 und 1985 sollte das ehemalige Kleinod abgerissen werden. Aber, wie es sich nun mal für ein Märchen gehört, nahm das Interesse der Öffentlichkeit daraufhin zu – sogar das Bayerische Fernsehen befasste sich mit der Geschichte der alten Villa. Nach vielen vergeblichen Finanzierungsversuchen übernahm 1987 schließlich die Familie Schleyerbach das Haus in Erbpacht und begann Schritt für Schritt mit ungeheurem persönlichen – auch finanziellen – Einsatz mit der Restaurierung. Jetzt kamen Zuschüsse auch von der Kirche, von den Denkmalschutzbehörden, vom Land. Die Willmann-Villa erwachte aus Ihrem Dornröschenschlaf.

Womit wir beim eigentlichen Thema wären. Nachdem viele ein Glasmuseum favorisierten, entschied die Familie Schleyerbach sich für ein Märchenschloß. Eine gute Entscheidung – was sollen die vielen Kinder, die im Lambacher Kolping Familienhotel Ferien machen mit einem Glasmuseum ?? Märchen, ja damit kann man groß und klein glücklich machen, besonders, wenn sie so schön dargestellt sind wie hier. Lebensgroße Märchenfiguren in allen Räumen des Hauses – liebevoll gestaltet und angezogen. Sie stellen Szenen aus 22 Märchen dar. Im Keller sind die „Bösewichte“ untergebracht: die Hexenküche, Feuergeister und Übeltäter im Kerker.

Die Räume des Hauses - vom Dach bis zum Keller mit viel Eigenarbeit behutsam restauriert – vermitteln einen Eindruck davon, wie damals die Glashüttenherren und Gutsbesitzer gelebt haben – also auch für die „Großen“ interessant.

Im ehemaligen Stallgebäude wurde ein „Brotzeitstüberl“ eingerichtet. Das Untergeschoß unseres damaligen Matratzenlagers ist heute ein Verkaufsraum, in dem Spiele, Bücher, Andenken, Kunsthandwerk und viele liebenswerte Kleinigkeiten verkauft werden. Wer auf den Osser steigen möchte, findet hier die letzte Einkehrmöglichkeit – der Weg führt direkt am Märchenschloß vorbei, falls man nicht den Aufstieg über das Bergkircherl wählt.

Wenn man mit Kindern in der Umgebung Urlaub macht – vielleicht sogar im Kolping-Hotel – ist das Märchen- und Gespensterschloß Lambach auf alle Fälle ein lohnendes Ziel. Verregnete Urlaubs-Nachmittage verlieren ihren Schrecken. Zudem gibt es noch etliche Aktivitäten besonders für Kinder - den Indianer- oder Hexentag, Märchen- und Bastelstunden und Aufführungen der Bayerischen Puppenbühne, die den Urlaub verschönern können. Das Programm und die Termine findet ihr auf der Website – ebenso einige schöne Märchen-Fotos. Also – vielleicht sehen wir uns mal im Bayerischen Wald - wäre einfach märchenhaft !!!

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