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Kompliment luccatoni (05.12.2007) 4

Find ihn sehr persönlich und ansprechend geschrieben, danke für diesen netten beitrag und auch für den Biography hinweis.
Andrea

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Benutzerfoto: Lenz

Lenz

Kompliment Lenz (29.04.2007) 4

Niki de Saint Phalle, mit bürgerlichem Namen Cathérine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle (wirklich), war eine der ungewöhnlichsten Frauen, Malerinnen und Bildhauerinnen, die die Kunstwelt hervorgebracht hat. Sie wurde 1930 in Neuilly-sur-Seine (bei Paris) geboren und verstarb 2002 in San Diego, USA.

Ihre Lebensgeschichte war so ungewöhnlich wie es ihre Kunst ist. Sie stammte aus einer vornehmen Familie, Ihr Vater war der Spross einer Landadelsfamilie, Bankier und missbrauchte sie, als sie elf Jahre alt war. Die gehobene Gesellschaft schwieg. Die Mutter war Amerikanerin und großbürgerlicher Herkunft. Niki lebte mit ihrer Familie während des Faschismus in Amerika, dann wieder in Frankreich, teils bei den Großeltern und teils im Internat. Traurig.

Umso bemerkenswerter ist das, was sie aus ihrem Leben gemacht hat. Hübsch wie sie war, arbeitete sie als Model, bevor sie sich der Kunst zuwandte. Dazwischen nahm sie Schauspielunterricht, heiratete einen Harry Matthews und bekam zwei Kinder. Später einen Nervenzusammenbruch; sie wurde wegen Suizidgefahr in eine Klinik in Nizza eingewiesen.

1953 entstanden ihre ersten Bilder, die so genannten „Schiessbilder“ (Tirs), schneeweiße Gipsreliefs mit Farbbeuteln, auf die sie während der Vernissage schoss, bis sich die Farbe über das unschuldige Weiß ergoss. „Ich schoss gegen Daddy, gegen alle Männer, gegen alle, gegen die Gesellschaft, gegen mich selbst.“

In Paris lernte sie ihren zweiten Ehemann, Jean Tinguely, und andere Mitglieder der Künstlergruppe „Nouveau Realisme“ kennen. Etwa Yves Klein und Marcel Duchamp. Sie war die einzige Frau in diesem exquisiten Verein. Ab 1964 entstanden die großen „Nanas“, fröhlich-bunt bemalte, sehr weibliche Frauenfiguren aus Polyester. Diese Nanas sind das, wofür ich Niki de Saint Phalle liebe und verehre. Es ist Kunst, die von einer unglaublichen Lebensfreude ist, an der jeder teilhaben darf, unabhängig von Nationalität oder Bildung. Eigentlich selbstverständlich, aber leider nicht immer praktiziert. Kunst von einer starken und außergewöhnlich begabten Frau. Das Wort „Nana“ entstammt übrigens der französischen Umgangssprache und bedeutet „Göre“ oder „Mietze“, und so sind denn die Skulpturen auch durchaus erotisch.

Es gibt viele Arbeiten von Niki de Saint Phalle überall auf der Welt, hier nur ein kleiner Hinweis zu einem fantastischen Projekt in Italien, dem „Il Giardino dei Tarocchi“ oder dem Tarot-Garten in der südlichsten Toscana. Der parkähnliche Garten mit Olivenbäumen und knorrigen Korkeichen beherbergt wunderschöne begehbare Monumentalskulpturen nach Motiven der 22 Karten des Tarot-Spiels. Der „Herrscherin“ etwa, dem „Magier“, der „Hohepriesterin“, dem „Narr“, dem „Rad des Schicksals“, dem „l´arbre de la vie“, dem “l´oiseau de feu“, dem „Hierophant“, der „Sphinx“ etc. Allein schon die Namen der Werke sind Poesie. Sie sind mit viel Liebe und etwas Hilfe von Jean Tinguely und Vermittlung ihrer Freundin Marella Agnelli entstanden. Von italienischer Handwerkskunst beeinflusst, spielte sie erstmals mit Spiegel-, Glas- und Keramikmosaiken. Vieles im Garten erinnert ein wenig an Antonio Gaudi - eine würdige Verwandtschaft.

Niki sagte zum Tarot-Garten: „Er soll ein begehbares Sinnbild sein für die Prüfungen, die ein Mensch durchlaufen muss, um geistig zu reifen. Er beinhaltet sowohl Elemente der klassischen Gartenkunst, wie auch mystische Elemente der Kabbala“. Sie wohnte während der Bauarbeiten in der Sphinx und sah sich in der Karte des Narren. „Der Narr geht herum mit der Nase in der Luft auf der Suche nach geistiger Identität – und genau das tat ich, als ich den Garten baute“. Finanziert hat sie diesen Wundergarten mit einem eigens kreierten Parfum.

Am 21. Mai 2002 ist Niki de Saint Phalle in San Diego verstorben. Ich habe sie kurz zuvor in einem TV-Interview gesehen und sie sprach davon, dass die Luft in Kalifornien ihr gut täte. Polyesterdämpfe sind ungesund.

Näheres zur Biografie und Fotos der Künstlerin finden Sie auf der Website bei "Biography."

P.S. Ein Besuch des Tarot-Gartens lässt sich unschwer mit einem Badeurlaub bei Grosseto verbinden. (Wir hatten mit großer Gruppe ein wunderschönes Haus direkt am Strand gemietet). Noch etwas weiter südlich gibt es einen „trompe d'oeil“-Garten aus der Renaissance-Zeit, der eines gesonderten Beitrags würdig ist. Und nördlich winkt die kulturelle Wucht der Toscana.

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