Adresse: Piazza del Campo, Siena
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6Kraska6 (26.07.2008)
Stichwort: PALIO. Wer im Juli/August noch in der Toscana ist, sollte sich bemühen, zum Palio auf den Campo zu kommen! Wers nicht kennt: Die historischen Stadtviertel Sienas (die sog. Contraden, die alle mit ihrem jeweiligen Wappentier bezeichnet werden: Gans, Adler, Turm etc.) veranstalten aufgrund eines Pestgelübdes seit dem Mittelalter jedes Jahr auf dem Campo ein Pferderennen gegeneinander. Die Bewohner der Viertel fiebern dem Ereignis jedes Jahr inbrünstig entgegen - die Sache wird bitterernst genommen. Was die Angelegenheit noch pikanter macht: die Rennpferde werden den einzelnen Contraden zugelost! Schon am Vortag steigt die Erregung in Siena auf den Siedepunkt. Die zugelosten Pferde werden heim in die Contrade geführt, Tausende säumen den Weg und stimmen inbrünstig, fromm und aus voller Kehle ihre jeweiligen Hymnen an - ganz anders als bei Fußballfans - kein Gegröle, keine Aggressivität, nur eben diese Inbrunst! Alles ist auf der Straße bzw. Gasse; dort wird die ganze Nacht gegessen, getrunken, gesungen, über das zugeloste Pferd diskutiert; es werden auch Bündnisse zwischen Contraden geschmiedet, um gemeinsam “verhaßte” andere Rivalen zu behindern usw. Aus gutem Grund werden die Pferde, nach dem der Priester diese gesegnet hat (!), nicht mehr aus den Augen gelassen - Anschläge und Sabotage hat es wohl schon gegeben. Am Tag des Palio herrscht eine unschreibliche Atmosphäre: Die Innenstadt ist ja autofrei, die Leute in historischen Kostümen (jeder, aber auch jeder trägt zumindest das Halstuch “seiner” Contrade), wieder wird gesungen, gefeiert, dann beginnt sich der Campo zu füllen. Ein historischer Umzug führt durch die Stadt, der Ochsenkarren mit dem Palio (einer Art Prunkfahne) fährt voran. Während die Sonne langsam versinkt, ist der Campo schwarz von Menschen. Man kann keine Stecknadel mehr fallen lassen. Die Spannung steigt und steigt, während Honoratioren der Stadt noch einmal das Oval des Platzes - die abgeteilte, mit Sand aufgeschütttete Rennstrecke) überprüfen. Dann kommen Pferde und Jockeys, von ihren jeweiligen Contraden-Anhängern frenetisch gefeiert. Die blutjungen Männer auf den Pferden wirken ernst und gefaßt (aus gutem Grund: Das Rennen ist so gefährlich, daß bei jedem Palio Pferde und oft auch Menschen schwer verletzt werden!), sie lassen ihre Pferde tänzeln und “steigen”. Dann endlich! der Kanonenschuß zum Start! Bei ihm geht durch die 50 oder 60000 Zuschauer auf dem Campo ein Schrei - markerschütternd!Das Rennen ist teuflisch, die Kurven eng, die Bahn schmal, die Reiter rücksichtslos. In weniger als zwei Minuten ist dann vorbei, worauf die Sienesen ein ganzes Jahr gewartet haben. Tränen der Enttäuschung bei den Verlierern, nicht endenwollender Jubel bei der Sieger-Contrade. Jetzt beginnt eine Riesenparty in der ganzen Stadt, während das TV wieder und wieder das Rennen zeigt… (Kleiner Tipp: Die Ticketts zum eigentlichen Palio sind teuer. Doch am Tag oder zwei vor dem zweiten Palio im August findet eine Generalprobe vor Publikum statt - man muß nichts bezahlen! Alles ist wie beim Palio selbst, nur daß die Jockeys die edlen Pferde noch nicht auf Teufel komm raus zuschanden reiten, sondern nach einer Runde auslaufen lassen…; auch bei der Generalprobe sind 25, 30 000 Menschen auf dem Campo, man kann also noch atmen - was beim “richtigen” Palio schwierig wird. Und die Stimmung hinterher, wenn sich der Campo langsam leert, die blaue oder braune Sieneser Nacht sich über dieses traumschöne Bau-Ensemble legt, dann sollte man unbedingt eines der Straßencafés am Campo aufsuchen und sich einfach dem Zauber dieser wunderbaren Stadt hingeben. Mann, ich liebe den Palio! - Ich weiß, ich weiß: Für sehr zart besaitete Tierfreunde ist das wohl eher nix: Wer schon mal ein Vollblutrenner mit voller Wucht hat in die Bande krachen sehen, der würde vielleicht - freilich völlig vergeblich - für die Abschaffung des Palio plädieren. Aber -wo immer Religion, Geschichte, Todesgefahr und Erregung zusammenkommen - beim “Stierkampf”, der corrida de toros in Spanien ist das genauso, werden die Gegner immer auf taube Ohren stoßen. Die Macht der Tradition..
Ein Nachtrag: In den 80ern erschien bei Diogenes ein schmales Romänchen vom italienischen Autorenduo Fruttero&Lucentini (die überhaupt tolle Bücher geschrieben haben!) Es heißt”Der Palio der toten Reiter”, ist eine Art Krimi-Gespenster-Novelle und führt nebenbei hervorragend in Hintergrund und Stimmung des Palio von Siena ein! Interessenten sollten sich das Buch mal besorgen; es liest sich schnell und locker weg wie ein besonders super-schaumiger, aber auch herzhafterr Cappuccino!
Stichworte gratis, pferderennen, siena, campo, palio, tierfreunde, tickettts, generalprobe, fruttero&lucentini, gespenster-krimi
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heifisch (24.11.2007)
Stichworte touristisch, wunderschön, siena, sienafarbig
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Matthias16 (17.07.2007)
Stichworte siena, campo, palio, verbena
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pherwarth (28.06.2007)
Stichworte platz, zentrum, toskana, weltkulturerbe, siena
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wolfskintatze (29.04.2007)
Stichworte platz, zentrum, toskana, weltkulturerbe, siena
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