telakin (10.11.2007) •••••5
Wen es in die Nähe diese abgelegenen Ortes im Herzen Finnlands verschlägt, der sollte sich die Ausstellung des Künstlers Morgan (bzw. Heikki "Morgan" Hämäläinen) nicht entgehen lassen. Wir sind rein zufällig darauf gestoßen, als wir auf einer Tagestour durch die finnischen Seenplatten zwischen Jyväskylä und Tampere einen interessanten Wegweiser gesehen haben und ihm ein oder zwei Kilometer weg von der Hauptstraße folgten. Wir hatten Glück, denn eigentlich war die Ausstellung an diesem Tag geschlossen, aber die Ehefrau des Künstlers war so nett uns alles aufzuschließen und zu erklären. An den Eintritt kann ich mich nicht mehr erinnern, war aber sicher nicht mehr als 3-5 Euro.
Morgan hat hier auf dem Gelände einer Farm eine fantastisch abwechslungsreiche Ausstellungslandschaft geschaffen, in der man stundenlang umherwandern und stöbern kann und immer wieder etwas neues findet. Und ganz häufig gibt es etwas zum ausprobieren, kurbeln, in die Hand nehmen, anhören etc. - sehr interaktiv!
Im Garten und Waldbereich sind es Skulpturen aus Schrott, Steinen und Ästen mit Titeln wie "Nuclear Family on the Last Promenade", "Brakeless horror" oder "Evil Being". Manchmal fällt einem beim Spaziergang nur das gelbe Schild mit dem Titel des Kunstwerkes auf und man muss selbiges erst noch entdecken, weil es so überraschend organisch in die Landschaft eingefügt wurde.
Hinter der Scheune befindet sich ein Spielplatz inkl. Freiluft-Flipper und Schleudersitz und diverser anderer Wippen und Schaukeln, in einem Nebengebäude ist gleich ein ganze Spiellandschaft entstanden - vom Ambiente eine Mischung aus Spielzeug Vedes, Alien III Kulisse und Walldorf-Kindergarten - abgefahren!
In der Scheune gibt es mehrere Ausstellungen, u. A. eine Auswahl an Hug-Sacks (Beutel unterschiedlicher Größe, Form und Beschaffenheit zum Umarmen), Landmaschinen und Werkzeuge der letzten 50-100 Jahre, diverse mummifizierte Tierkadaver aus einem nahegelegenen Moor (z. B. Mäuse, Vögel, Ratten und eine Fuchshaut), eine Fühlorgel mit unterschiedlichen Füllungen zum Ertasten (keine Tierkadaver), ein altes Jahrmarktskino, ein Donnerblech und auf dem Dachboden - ganz spannend - eine Camera Obscura. Der Raum ist bis auf ein paar Nadellöcher in der Wandverkleidung komplett verdunkelt. Nach ein paar Minuten der Eingewöhnung stellt man fest, dass man sich praktisch in einer riesigen Lochkamera befindet, die das Bild der Felder und des Waldes vor der Scheune über Kopf auf die gegenüberliegende Wand projeziert - Physik live!
Im "Museumsshop" gibt es noch diverse künstlerisch aufgewertete Alltagsgegenstände wie z. B. Flaschenöffner mit Tierfratzen und noch ein paar kleinere Ausstellungen, z. B. mit Autozeitschriften aus den 50ern und 60ern.
Ich empfehle die Bilder zweimal anzuklicken und in Flickr anzusehen, da die größeren Versionen dort mehr Spaß machen. Hier der Direktlink: http://www.flickr.com/photos/telakin/tags/40166/show/
Auf der Webseite von Morgan gibt es noch viele weitere Bilder, sowie Infos in Finnisch, Schwedisch und Englisch (inkl. einem Anfahrtsplan auf http://kotisivu.mtv3.fi/morganismi/Missa.html).
Stichworte
spielzeug, kinder, museum, kunst, kinderfreundlich, skurril, mitbringsel, provinz, kunstausstellung, schrott, kuriositäten
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