Kompliment
meme (19.05.2007)
Vorabend vom Muttertag – die „lieben Kleinen“ haben sich zu Hause versammelt. Ein versprochenes Auswärts-Essen steht an – aber wohin soll´s gehen ??
Schon vor 10 Jahren haben wir uns vorgenommen, einmal das „Landhaus“ etwas außerhalb von Burgsteinfurt zu besuchen. Damals hieß es noch „Jochens Landhaus“ und Bekannte hatten uns von wundervollen Menüs erzählt, mit denen man sich nach eigener Preisvorgabe überraschen lassen konnte. Mittlerweile ist Jochen wohl verstorben, das Landhaus wurde Ostern 2000 von der Familie Berger übernommen, heißt nun “Berger´s Landhaus“ - und wir waren immer noch nicht da. Rein äußerlich hat sich in diesen Jahren nicht allzu viel verändert, wie wir beim regelmäßigen Vorbeifahren feststellen konnten.
Also – gedacht, getan – diesmal soll´s was werden mit unserem Besuch im Landhaus. Mit 2 Autos machen wir uns auf den Weg – kurz hinter Burgsteinfurt an der alten B54 liegt es. Der Parkplatz, bzw. die Anlagen rundum sehen recht verwildert aus – ein Schild weist auf eine „Baustelle Wasserfall“ hin. Ein kleiner Teich und ein steinerner Hang sind bereits zu erkennen – alles noch ziemlich ungeordnet. Das Gebäude – ein altes Bauernhaus, ein einfacher Gewächshaus-Wintergarten als Regenschutz und Windfang vorm Eingang – wahrscheinlich die ehemalige Stallseite.
Aber oh Wunder – der Eintritt verschafft uns Eingang in eine andere Welt. Ein großer langgezogener Gastraum mit liebevoll arrangierten Antiquitäten. An den Wänden Bilder von Urahnen, bäuerliche Gerätschaften, alte hochlehnige Sofas mit Schutzdecken und überall Kleinigkeiten auf den Tischen, an den Wänden oder als zusätzliches Möbelstück, die in eine andere längst vergessene Welt entführen. Fast meine ich, wieder in meiner Kindheit zu sein, im Haus der Töpferfamilie Eiling – das heute das Töpfereimuseum in Ochtrup beherbergt. Allerdings ist dieses Anwesen etwas größer und wahrscheinlich jünger, aber ähnlich vom Aufbau. An der Eingangsseite gibt es einen 1-2 Stufen tiefergelegenen Raum, abgetrennt durch eine Balustrade, und entsprechend eine Empore darüber – über eine alte hölzerne Stiege zu erreichen. Diese war leider abgesperrt, wir hätten uns sonst gern dort oben niedergelassen, haben aber auch nicht nachgefragt. Die Freundin meines Sohnes erzählte uns, dass sie dort oben mit etwa 20 Personen ihren Schulabschied gefeiert habe – sehr stimmungsvoll.
Ein bisschen hat mich diese Raumkonstellation an die früher in westfälischen Bauernhäusern übliche „Upkamer“ und den darunter liegenden „Halbkeller“ erinnert. Allerdings waren diese Räume dann meist mit Türen vor den Treppen verschlossen.
Jetzt zum wichtigsten Teil des Abends – dem Essen. Die Speisekarte war relativ überschaubar – zusätzlich gab es eine Spargelkarte. Trotzdem fiel mir wie üblich die Wahl recht schwer. Letzendlich habe ich mich für was ganz Handfestes entschieden – ein Rahmschnitzel mit frischen Champignons, früher wäre es wohl als Jägerschnitzel durchgegangen. So was hatte ich schon ewig nicht mehr gegessen. Ich bekam ein riesiges Schnitzel – nicht „plattgekloppt“ und hart und zäh wie häufig, sondern dick, fleischig, zart und äußerst schmackhaft. Die frischen Champignons waren reichlich und mit einer gut gewürzten Soße angerichtet – dazu gab´s Kroketten und einen Salat. Der Salat war nicht gerade ein Highlight der Küchenkunst, aber frisch und knackig.
Zwei Personen haben sich für frischen Spargel entschieden – als Zusatzbeilage Schweinemedaillons. Spargel und Sauce Hollandaise waren sehr gut, die Kartoffeln allerdings etwas knapp bemessen, ebenso waren 2 kleine Medaillons meinen Männern zu wenig (für den Preis von knapp 7 Euro nur für das Fleisch, hätte es wirklich eins mehr sein können).
Das Schweinefilet Tirol auf Edelpilzen (waren zwar nur Champignons - dafür aber in einer excellenten Sauce) war sehr gut, hier gehörten 3 kleine Medaillons dazu. Ein echtes Gourmet-Highlight aber waren die Lammfilets auf Bohnen und Brat- oder Röstkartoffeln nach Großmutters Art. Die beiden Genießer dieses Gerichts diskutierten noch auf der Heimfahrt, mit welchen Kräutern – ob frisch oder getrocknet – und welchen Ölen das Fleisch mariniert worden war.
Insgesamt also ein voller Erfolg, leckeres Essen – wenn auch für hungrige Männer ein wenig knapp (ich denke, auf Nachfrage hätten wir sicher noch Kartoffeln, Kroketten oder auch etwas Fleisch bekommen) - gepflegtes Bier und eine sehr nette Bedienung, wahrscheinlich die Frau des Hauses, die nichts von kühler Professionalität an sich hatte, sondern uns wie eine gute Hausfrau ihre Gäste bediente.
Ach ja – das Rauchen. Aschenbecher gab es nicht !!! Am Nebentisch wurde dann allerdings geraucht, störte aber nicht groß. Auf der Empore und im darunter liegenden Gastraum dürfe allerdings nicht geraucht werden, wie die Frau des Hauses, den Gästen am Tisch nebenan mitteilte, als sie den Platz wechseln wollten. Alles in allem ein schöner Abend in einer schönen Umgebung – ganz wie bei Großmutter zu Gast. Später habe ich noch nachgelesen, dass Haus und umliegende Gebäude ihren Ursprung um ca. 1800 haben. 1840 wurde nach alten Urkunden die erste Schankkonzession erteilt und 1975 wurde es in seine heutige Form umgewandelt. Ursprünglich als Gasthof Lindhoff bekannt, stand hier die Wiege für viele Steinfurter Vereine.
„Natürliche herzliche Gastfreundschaft, mit Liebe kochen und servieren, ein Ambiente, dass Wärme und Geborgenheit vermittelt und auch dem Auge etwas bietet“ – so beschreibt sich die Familie Berger selber in „Gastro KulTour“ – die Tourismus-Zeitschrift des Kreises Steinfurt.
Und da ist wahrlich was dran !!!
Stichworte
lecker, gemütlich, restaurant, familiär, antiquitäten, kuriositäten, gute_küche, historisches_gebäude
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