Kompliment
Lenz (25.05.2007)
Neulich sah ich in einem Fernsehbericht auf Arte, dass Schäfer werden wieder modern ist. Vor allem in die französischen Pyrenäen zieht es viele junge Aussteiger. Das kann ich verstehen, sind die Pyrenäen doch wild-romantisch und Schafe ausgesprochen vergnüglich. Natürlich wird das Bild des Schäfers durch die Romantik geprägt. Die Sehnsucht nach Natur entstand zu dieser Zeit. Mit Schafen wird meist Nettes verknüpft: es gibt die Schäfchen aus Holz für naturbelassene Spielereien, den Wolf im Schafspelz, das „Schäfchenlicht“ der Fotografen etc. Schäfer werden ist aber hart. Ein 18-Stunden-Tag, entzündete Klauen behandeln und Magen-Darm-Strongyliden ausmerzen ist nicht jedermanns Sache. Obwohl, zur Ehrrettung der Schafe, ist anzumerken, dass sie von Selbstmedikation durchaus schon etwas gehört haben. Sie suchen sich gezielt Kräutlein, die ihnen gut tun. Schafe sind nicht dumm.
Auf den Oberkasseler Rheinwiesen, da wo die Schützen vom St. Sebastianus 1316 e.V. ihre „Größte Kirmes am Rhein“ zelebrieren, grast oft eine ziemlich große Schafherde. Eigentlich grasen sie den Rhein rauf und runter, nicht nur da, wo auf 165.000 qm Pommesreste der Kirmes den Rasen düngen. Schafherden haben landauf und landab eine agrikulturelle Funktion. Neulich war sie im schönsten Abendlicht wieder da.
Nähern wir uns der Herde! Die Wiese ist mit einem idyllischen Muster von Schafskötteln gesprenkelt. Nun haben Sie die Wahl zwischen einem gezielten Hüpfen auf freie Flächen, was für die Anwohner komisch aussehen würde. Oder dem herzhaften Tritt auf den saftigen Dung. Zurück zur Natur! Es sind ja nur die guten Schuhe. Da grast sie nun emsig, die Schafherde, vor Kniebrücke, Landtag und Fernsehturm. Ich schätze, es sind über dreihundert Viecher. Zu Ostern sind einige Kälbchen dazugekommen. Die Containerschiffe tuckern vorbei und werden respektlos außer Acht gelassen. Wenn Schafe hartnäckig sind, dann ist es bei der Nahrungsaufnahme.
Ich will ein nettes Exemplar fotografieren, mit Schnauze direkt vor der Linse, wie das Prinz Poldi nach Abpfiff des Bundesligaspieles ab und zu gestattet. Das Schaf hat aber von Promipflichten noch nichts gehört und dreht mir den Allerwertesten zu. Na, auch gut, voll in die Wolle! Wussten Sie, dass jedes Schaf ein Knopf im Ohr hat, eine Erkennungsmarke? Natürlich. Die sind für die Statistik, aber auch bisweilen für die glücklichen Paten. Man kann Patenschaften übernehmen und sein Glücksschaf bei den seltenen Besuchen mit einem Biosalatkopf verwöhnen. Ich bin sicher, diese Idee ist natürlich wieder von den Oberkasseler Intellektuellen.
Falls Sie noch kurz ins Bildmaterial schauen: da gibt es eine Reproduktion von einem Großflächenplakat einer preisgekrönten Schlösser-Alt-Kampagne. Die Headline heißt „Schlösserstündchen“ und zeigt den Schäfer Gerhard Siegfried auf dem berühmten „Roten Sofa“ von meinem Freund Horst Wackerbarth, nebst seinem Hund Ajax und Schafstars wie Edel, Traudel, Liesel und Knut. Ich bin mir nicht sicher, ob die Namen der Schafe „geflunkert“ sind. Aber Konrad behauptet, sie wären echt.
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