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Turnberry Lighthouse

Ayr

5 1 Beitrag

Adresse:

Turnberry KA26 9LT, Ayrshire, Ayr, Scotland

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1 Beitrag zum Platz "Turnberry Lighthouse" auf Deutsch

Benutzerfoto: Deauville
Deauville
Berlin
65 Beiträge
Bedenklicher Inhalt?
5 Sterne für Turnberry Lighthouse
Beitrag zu Turnberry Lighthouse vom 7 Januar 2009

Irgendetwas ist mit diesem Himmel. Gut, wenn man die Küste von Ayrshire besucht, gewöhnt man sich rasch daran, dass sich der Himmel weiter öffnet als jetzt meinetwegen in Berlin, dass die Wolkengemälde monumentaler erscheinen, opulenter. Dass man sich selbst kleiner vorkommt. Aber hier, auf dieser kleinen Landzunge nahe Turnberry, direkt neben dem Leuchtturm, ist der Himmel noch eindrucksvoller, noch weiter. Noch lebendiger.

Bei Wolken und Wind ist diese Stelle am besten. Ich habe keine Ahnung von Thermik und Wolkenbildung und all solchen Sachen, aber irgendetwas hier bewirkt, dass die Wolkenformationen hier besonders dramatisch in Bewegung sind. Grauweiße Riesen-Wattebäusche prügeln aufeinander ein. Es ist ein wenig so, als würden unsichtbare Hände einen besonders seidigen Teig kneten, walken, verwirbeln. Man steht atemlos darunter. Es hat etwas von einem Schöpfungsakt.

Es ist eines der schönsten Fleckchen im Südwesten Schottlands, vielleicht sogar eine der schönsten Stellen Großbritanniens überhaupt – ich kann es nicht genau sagen, mir fehlen ausreichend Vergleichsmöglichkeiten. Der Leuchtturm von Turnberry liegt ein wenig außerhalb des Ortes, dort, wo früher das Schloss stand, und wo sich heute ein Golfclub breit macht. Die größte Schwierigkeit, die man überwinden muss, um hierher zu kommen: man muss Pat, den Pächter der Golfclub-Gaststätte, irgendwie davon abhalten, einen mit schottischem Malt abzufüllen. Das ist schwierig. Selbst mein diabolischer Trick, um in solchen Fällen von Einladungsdruck mit heiler Haut davonzukommen, hat hier nicht funktioniert: ich gebe immer vor, nur „Ladyburn“ aus Girvan zu trinken – eine distillery, die Mitte der 70er aufgegeben hat. Bei Pat ist das zwecklos: er hat eine Flasche Ladyburn im Bestand. Die Drecksau. Und das Zeugs schmeckt gar nicht mal übel für einen blend.

Solcherart gestärkt, stapft man über das satte Grün des Golfplatzes vor zum Leuchtturm. Und dann steht auch schon eine Entscheidung an: zunächst auf das Meer schauen? Oder ins Landesinnere? Mein erster Blick wandert über die saftigen, tiefgrünen Rasenflächen. Es sind endlose Matten, und am Horizont vermählen sich Rasen und Wolken. Es ist, als ob die Wolkenmasse eine riesige himmlische Schafherde wäre, die weidet, die sich vollfrisst mit Gras und Moos. Und die hinterher doch ganz leicht ist.

Dreht man sich um und schaut aufs Meer, öffnet sich der Himmel, der sich gewaltig über einem wölbt. Es fühlt sich an wie in einer riesigen Kathedrale mit Gewölben aus Wolken. Es ist ein Anblick, der einen Zeit und Raum vergessen lässt.

Diese Stelle am Leuchtturm ist auch bei Sonnenschein sehr erträglich. Dann setze ich mich auf die Mauerreste des alten Schlosses von Turnberry, krame ein wenig Shortbread aus meiner Jackentasche. Und, ja, dann ist es Zeit für einen Whisky aus dem kleinen, schmucklosen Flachmann aus Sterling-Silber, den ich in Schottland gerne bei mir trage. Ein Schluck Ben Wyvis, bernsteinfarbene Magie, 27 Jahre gelagert. Flüssiger Nachklang längst vergangener Tage. Dazu flüstern die Wellen eine verschwörerische Geschichte, und der erdige, krautige Geruch des Mooses auf den Felsen kitzelt in der Nase. In solchen Augenblicken bleibt die Zeit stehen.

Noch ein paar praktische Hinweise: ich bin kein Golfer, kann die Qualität des „Aisla Course“ also nicht beurteilen, aber die fröhlichen, trinkfreudigen und wettergegerbten Mitglieder des Clubs sind spürbar stolz auf ihren Platz, sie sind stets für eine kleine Plauderei zu haben und im Vollbesitz von wunderbaren Ess- und Trink-Adressen in der Umgebung. Das herzliche, stimmungsvolle und total versoffene „Burrowfields“ in Ayr, direkt hinter dem Bahnübergang, kann ich besonders empfehlen. Allerdings muss man sich vor dem Besuch des Lokals eine Selbstverpflichtung abringen: „Hör auf zu trinken, bevor Du glaubst, die anderen wollen Dich singen hören“. Den Leuchtturm selbst kann man leider nicht besichtigen, der ist unbemannt (sagt man das so bei Leuchttürmen?), die Nebengebäude sind verpachtet an eine Firma, die irgendwelche Nerds in Karopullis beschäftigt.

Kommentieren 2 Kommentare zu diesem Beitrag

  • weinrot, 8 Januar 2009:

    Wow…

  • Lucie, 8 Januar 2009:

    WOW!

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