Zwei Sterne von mir für das ausgesprochen freundliche Personal. Ansonsten ist das Hotel nicht unbedingt schlecht, aber gemessen am Preis und dem selbstverstandenen, und vergebenen, Standard von fünf Hotel-Sternen (sowie dem gewohnten "Starwood"-Standard) einfach zu mangelhaft.
Das "Arabella" liegt nicht unbedingt zentrumsnah in Bogenhausen. Das Hotel ist günstig gelegen, um die umliegenden Bürohochhäuser zu erreichen - insofern ist es auch eher ein "Businesshotel". Allerdings befindet sich in 4 Minuten Gehentfernung eine U-Bahn-Station mit direkter Anbindung ans Zentrum.
Das Haus ist ein 70er-Jahre-Hochhaus, gut in Schuss, aber kein architektonisches Highlight. Es passt in die Umgebung von Bogenhausen. Die Hotellobby ist mit modernen Designelementen aufgehübscht und renoviert, aber überall merkt man die 70er Jahre aufgrund der Architektur.
Ich war beruflich im "Arabella"; gebucht wurde, drei Wochen im voraus, ein EZ für eine Nacht und mit einer Firmenrate zu 170,00 Euro (sonst um die 200 EUR). Bei meiner Ankunft um 8:30 morgens war das Zimmer noch nicht fertig. Mein Gepäck ließ ich wegschließen, ging zu meinem Termin und kam mittags um vier zurück, um meinen Koffer auf dem Zimmer zu finden. Das war guter Service, allerdings musste ich darum vorher bitten: Obwohl mein Zimmer nicht fertig war, wurde mir das nicht angeboten. Für ein Fünf-Sterne-Hotel ein kleiner Schnitzer - aber vertretbar.
Ich bekam ein DZ mit Twin-Bed, was immer einen schalen Eindruck macht, wenn man allein reist: man hat zwar ein großes Zimmer, aber trotzdem nur ein kleines Bett; ansonsten könnte man sich ja über ein King-Size-Bett für einen EZ-Preis freuen. So hat die Auslastungsplanung beim Hotel geklappt und das House-Keeping braucht trotzdem nur ein Bett machen. Das ist dann ein bischen so, wie etwas geschenkt bekommen, womit man nichts anfangen kann. Aber egal.
Das Design des Zimmers im 10. Stock war modern und gefällig in einem nicht kühl wirkenden Mix aus Aluminum und dunklem Holz. Das Zimmer war funktional eingerichtet mit einem Schreibtisch zur Fensterseite und einem schönen Blick über München. Der Schreibtisch taugte zum Arbeiten - pfiffig war die in die Tischplatte unter einer Klappe eingelassene Steckerleiste zum Anschluss von Laptops. Weniger pfiffig war, dass die Steckerleiste so unglücklich eingebaut wurde, dass z.B. Handy-Stecker nicht passten und man trotzdem auf dem Boden herumkriechen musste, um dann dort anzustöpseln.
Das Zimmer verfügte sonst über die übliche und annehmliche Standard-Ausstattung der Klasse: kostenlose Instantkaffee-/Tee-Station, Safe, Bügeleisen, ausreichend große und beleuchtete Schränke, Fön. Ausserdem einen großen begehbaren Balkon, auf dem man sicherlich schön hätte sitzen können - allerdings standen dort keine Möbel zum sitzen oder arbeiten. So hatte ich also nur einen sehr großen, leeren Balkon. Aber mit schöner Aussicht.
Was ich nicht hatte, und hier fingen die echten Ärgernisse an, waren Einmal-Badeschuhe, die eigentlich in der Hotelkategorie Standard sind. Angesichts des Teppichs wären die aber nötig gewesen, denn der Teppich war eher fleckig und nicht wirklich vertauenserweckend. Tatsächlich richtig eklig kam dagegen der Saum des Bettes daher: der Stoff war komplett versifft, wies Schuhspuren auf, und schien von irgendeiner Flüssigkeit großflächig in Mitleidenschaft gezogen worden zu sein - so, als hätte jemand im Bett Rotwein verschüttet. Die Bettwäsche machte einen billigen Eindruck - zwar sauber, aber fast "Anstaltswäsche"-gleich; Stichwort "blauer Faden ums Kissen". Es wirkte etwas wie im Krankenhaus.
Auch gab es keinen Bademantel (eigentlich Standard), was mich sehr erstaunte, da das Hotel über eine renovierte Spa-Landschaft verfügen sollte, die ich dann nunmehr nicht besuchte. Ich hatte keine Lust, dorthin mit Strassenkleidung zu laufen und diese wieder anzuziehen, nachdem ich bereits, nur noch mit Hemd und Boxershort bekleidet, nach dem verflixten Bademantel gesucht hatte.
Ebenso gab es keine Flasche kostenloses Wasser (eigentlich Standard, brauche ich sonst selten, aber jetzt hatte ich mal wirklich Durst) und auch kein kostenloses Internet (wird allmählich Standard; ich finde es mittlerweile frech, dass Hotels dafür noch etwas berechnen, angesichts der Spott-billigen Tarife). Eine sonst so praktische Kofferablage suchte ich ebenfalls vergebens, genauso wie das PayTV-Programm, dass es angeblich geben sollte. Jedenfalls laut der vielen durchgestylten "Guest Information Brochures/Leaflets/Flyers" etc. in allen Formen und Farben, die mich u.a. darauf hinwiesen, dass es Roomservice gibt, der Safe so und so geschlossen wird, das Internet so und so bedient wird, Sheraton jetzt Kinder in Afrika unterstützt und/oder man jenes und dieses hier da und dort machen könnte, wenn man den wollte. Ich wollte fernsehen und/oder PayTV. Ersteres war ein Sammelsurium von wild nacheinander einprogrammierten Senderfolgen (erstes Programm nur Bildrauschen) auf deutsch, italienisch, arabisch, dann wieder deutsch, gefolgt vom bayerischen Rundfunk. Letzteres war nicht da - das Hotelinformationssystem zeigte ausser einem blauen Bildschirm mit "bitte warten" nichts. Da nutzten dann auch hübsche Flyer wenig.
Zum Abenteuer wurde die Dusche, die ich im relativ kleinen und unspektakulärem, aber zumindest sauberen, Bad nehmen wollte: der Wasserdruck war zwar gut, die Temperatur wechselte aber anfänglich eine Minute lang (!)zwischen heiß und kalt (Mittags um vier?), so daß ich langsam vom ständigem Nachregeln an der Armatur genervt war.
Die Dusche beruhigte sich dann aber, ich mich auch, ich duschte 10 Minuten lang, als unvermittelt ein dermaßen heißer Strahl ohne mein Zutun aus der Brause kam, dass ich mich beim zurückspringen grade noch fluchend an der Duschabtrennung festhalten konnte. Das war wohl schon mehreren passiert, denn die Abtrennung war bereits vorher so wackelig und wenig wasserabweisend, dass schon beim normalen Duschen (ohne plantschen) der Duschvorleger komplett durchnässt wurde. Hatte man also das Attentat der Dusche überstanden, hätte einem der rutschige Vorleger den Rest geben können. Die wenig flauschigen, billig wirkenden Badetücher, die sonst neutral riechen, hier aber unangenehm chemisch nach Groswäscherei, komplettierten meine komplett misslungene, unentspannende Erfahrung mit der "Badelandschaft". Daraufhin kehrte ich dem Zimmer, einigermaßen angesäuert, den Rücken und ging zu meinem zweiten Geschäftstermin.
Abends nahm ich noch ein Bier in der kleinen, aber
modern-stylishen Hotelbar. Die lohnt sich zwar nicht zum extra-hinfahren, hat keine erwähnenswerte Karte, ist aber für einen Absacker vor dem Schlafengehen allemal in Ordnung.
Das Frühstück am nächsten morgen um 6.30 war zwar reichhaltig, mit großer Auswahl und komplett, der Frühstücksraum hatte aber etwas eigenartig kantinenmäßiges. Alles war zwar modern und durch-designt, die Speisen wurden aber wie in einer Großkantine vor einer offenen Küche präsentiert. Alles wirkte eigentümlich steril - man hätte sich auch im Krankenhaus wähnen können.
Generell machte das Arabella den Eindruck, als sei man nach einer teuren Renovierung groß gestartet, hat dann aber festgestellt, dass das alles "verdammt teuer war" und anfing, an vielen Aspekten zu sparen, die ein Hotel der Klasse eigentlich ausmachen sollten.
Ein Tip noch für den Flughafen-Transfer: Zum Hotel kommt man sehr gut (und einigermaßen günstig) mit der Flughafen S-Bahn - aussteigen am Bahnhof Daglfing. Von dort entweder mit dem Bus weiter (5 Stationen) oder für 10 EUR mit dem Taxi.
Privat werde ich das Arabella sicher nicht buchen. Vielleicht versuche ich demnächst eher das Westin Grand direkt gegenüber - ich war selbst noch nicht in den Zimmern, habe aber gutes gehört.
Kommentieren Kommentiere diesen Beitrag zu Sheraton München Arabellapark Hotel