Kompliment
Sancho (05.07.2007)
Der Messeturm (oder, wie ihn die Erbauer ihn gerne nennen, neudeutsch MesseTurm) nimmt selbst für die Wolkenkratzerstadt Frankfurt eine Sonderstellung ein. Durch Form und Lage ist er von allen Richtungen gut zu sehen und setzt sich ein wenig von der restlichen Skyline ab. Von der Nähe betrachtet, ruft er widersprüchliche Empfindungen hervor: einerseits ist er schon enorm hoch, man muß sich den Hals verrenken, um auch die Pyramide an der Spitze anschauen zu können. Andererseits sind seine Proportionen im Sockelbereich so, daß man mehr erwartet hätte.
Mein Büro war hier zwei Jahre lang im 33. Stock, von der Höhe also ziemlich genau in der Mitte. Der Ausblick war atemberaubend: wer nach vorn zur City untergebracht ist, kann sich die Skyline aus gleicher Höhe anschauen. Direkt nach unten kann man Autos, Straßenbahnen und den Brunnen im Kreisel der Ludwig-Erhard-Anlage wie auf eine Modelleisenbahn-Landschaft ansehen. Nach Westen sieht man den Taunus und die Hochhausreihe auf der Theodor-Heuss-Allee. Nach Süden wiederum ist der Blick frei in Richtung Flughafen, und gerade bei Gewitter oder am Abend sehen die tieffliegenden Flugzeuge aus wie eine Szene aus Star Wars.
Die Kantine war (und ist sicherlich immer noch) im 10. Stock untergebracht. Sie wurde von einer der einschlägigen Cateringfirmen betrieben, das Essen war für Kantinenverhältnisse ganz lecker, aber nicht allzu billig. Wer nicht von seiner Firma gesponsert wurde, mußte relativ tief in die Tasche dafür greifen.
Negativ war, daß die Fenster sich nicht öffnen ließen. Die Klimaanlage war einigermaßen in Ordnung, aber recht laut, und die Luft war immer ziemlich trocken. Zur Zeit der Terroranschläge hatte man auch das beklemmende Gefühl, dort eingeschlossen zu sein: hin und wieder gab es eine automatische Durchsage durch die Sprechanlage, und die Fahrstühle fuhren runter, bis die Entwarnung kam - ohne Eingriffsmöglichkeit für die Mitarbeiter in den Büros. Einmal gab es sogar eine Räumungsübung: die Durchsage lautete dann, man solle alles liegen und stehen lassen und sich zügig, aber ruhig über das Treppenhaus nach unten begeben. Zu dieser Zeit hatte ich ein Gipsbein, und ich wurde dann zusammen mit den Schwangeren und Behinderten von der Feuerwehr im extra dafür vorgesehenen Fahrstuhl abgeholt.
Alles in allem war es eine tolle Zeit. Daß man im Messeturm arbeitete, klang immer cool, man konnte auf Schulungen oder Messen damit angeben. Der Turm hat m.W. als einziges Gebäude eine eigene Postleitzahl, und der U-Bahn-Anschluß Messe/Festhalle ist durch einen Gang mit ihm verbunden. Leider ist er für den Publikumsverkehr nicht geöffnet.
Stichworte
büro, hochhaus
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