Hmmm – nun war ich also ENDLICH bei meinem lang herbeigesehnten Konzert von Hiromi Uehara in der Kölner Philharmonie (ich bin wohlgemerkt extra zu diesem Behufe mitten in der Woche nach Köln gefahren). Wie nicht anders erwartet, übertraf sich Hiromi am Klavier wieder einmal selber, aber meine Freude darüber sollte an jenem Abend leider nicht ungetrübt bleiben.
Das Unglück fing eigentlich schon mit dem Programmheft an: Für einen Euro erhielt ich ein schmuckloses Heft mit 4 Seiten Text, auf denen wenig bzw. nicht vieles stand, was ein Hiromi-Fan nicht bereits aus anderen Quellen, etwa dem Internet, gewusst hätte. Was aber in meinen Augen noch schlimmer wog, war der Satz: “Und auf ihrer aktuellen Studio-Visitenkarte Voice hat sie aus dem Eröffnungssatz von Beethovens »Mondschein- Sonate« eine wundersame Jazz-Elegie gezaubert”. Hat der Autor Hiromis aktuelle CD am Ende gar nicht gehört? Oder sollte er doch allen Ernstes den zweiten Satz aus Beethovens Sonate pathétique nicht von dem ersten Satz der Mondscheinsonate unterscheiden können? Wie dem auch sei – was den Urheber dieses Satzes in den Augen der Philharmonieverantwortlichen für die Autorenschaft des offiziellen Begleithefts qualifizierte, vermochte sich mir auch nach angestrengtem Nachdenken nicht zu erschließen.
Weiteres Kuriosum: In der gesamten Philharmonie galt für dieses Konzert ein Einheitspreis! Das war natürlich schön für die Leute in der ersten Reihe, die der Künstlerin im wahrsten Sinne des Wortes für einen Spottpreis auf die Finger gucken konnten, führte m.E. aber auch dazu, dass in den oberen Rängen gähnende Leere herrschte. Ich bin mir sicher, dass eingefleischte Fans (also z.B. ich ;)) für einen der vorderen Plätze durchaus mehr als 25 Euro auf den Tisch gelegt hätten (womit man auch der in musikalischer Hinsicht gebotenen hohen Qualität nur gerecht geworden wäre). Andere, weniger mit Hiromis Musik vertraute Interessenten hätte man hingegen mit günstigeren Tickets z.B. für die Chorempore m.E. zu einem finanziell weniger einschneidenden, die Philharmonie dafür aber mit Leben füllenden “Schnupperkonzertbesuch” locken können. Eine Einheitspreisregelung empfinde ich jedenfalls in einem derart großen Konzertsaal wie der Kölner Philharmonie als wenig sachgerecht (aber es entzieht sich natürlich meiner Kenntnis, ob hierfür möglicherweise eher das Management der Künstlerin als jenes der Philharmonie verantwortlich zeichnete).
Letztlich in meinen Augen aber wirklich das Irritierendste an diesem Konzertbesuch war: die Tontechnik! Streckenweise fühlte man sich als Besucher eines von kaum vernehmbaren Klavierklängen begleiteten Percussionkonzertes, dermaßen übersteuert war das Schlagzeug (nichts für ungut: der Drummer war auf seine Art durchaus beeindruckend, aber ich glaube, 99,9 % der Besucher hatten die Philharmonie doch in erster Linie wegen der für das Trioprojekt namensgebenden Pianistin aufgesucht). Die feinen, lyrischen Passagen von Hiromis Klavierspiel, derentwegen ich die Anreise nach und die Übernachtung in Köln auf mich genommen hatte, gingen vor dieser enormen Geräuschkulisse nahezu vollständig unter. In krassem Kontrast zum alles zudeckenden Schlagzeug stand auch die Lautstärke der zunächst kaum wahrnehmbaren Bassgitarre, deren erstes Solo fast gar nicht verstärkt zu sein schien. Wenigstens hier wurde aber offensichtlich im weiteren Verlauf des Konzerts nachjustiert. Auch wenn Hiromi den Synthesizer bediente, stellte sich ein gewisses Gegengewicht zur Schlagzeug-“Begleitung” (haha!) ein, aber der klassische Flügel kam gegen diesen “Rockkonzert”-Krach einfach nicht an. Der Ärger über die in meinen Augen mehr als unausgegorene Tontechnik hielt mich lange Zeit davon ab, das Konzert entspannt zu genießen, bis sich meine Ohren schließlich irgendwann an die eigenartige Beschallung gewöhnt hatten. Trotzdem wäre bei einem derart elaborierten und doch eigentlich schon per se über eine tolle Akustik verfügenden Konzertsaal wie der Philharmonie in Sachen Schlagzeugverstärkung m.E. “weniger” deutlich “mehr” gewesen.
Das alles soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Musik als solche wahnsinnig gut war und der Abend mit mehreren Zugaben, Jubel und (verdienten) “standing ovations” beschlossen wurde.
Nur scheint mir die Kompetenz der Philharmonie in puncto Jazz – gelinde gesagt – noch “ausbaufähig” zu sein…
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