Kompliment
mostro (22.01.2008)
Schokolade, heiße Schokolade… jeder hat da seine Kindheitserinnerungen. Schokolade als Belohnung, als Beruhigung, als Ritual, als Feiern, in Verbindung mit bestimmten Personen, Orten, Cafés. Und so hat auch jeder seinen Anspruch, wie eine gute Schokolade sein sollte, jeder wohl seinen eigenen Geschmack – und vielleicht kommen im Lauf des Lebens dann neue Erfahrungen und Geschmacksrichtungen dazu, die das Spektrum verändern und erweitern. Meine persönliche 100%-Schokolade (ceterum censeo) macht - wie oft erwähnt- Sandri in Perugia. Und ich bin immer wieder auf der Suche nach etwas, das diesen Kunstwerken nahe kommt, meist vergeblich, denn in der deutschen Gastronomie hat man zwar kraftwerkartig Energien mobilisiert, um die Kunst des Kaffeezubereitens zu verfeinern – und um allerlei nötiges und vor allem unnötiges (to go, flavoured, XXL, Ethio Highland etc…) zu erweitern – die Kunst der Schokolade erlebte mit dem Chocolat-Film eine kurze aufflackernde Blütezeit, die aber eher dazu führte, dass man überall leidliche Tafeln und Pralinen aus „Manufakturen“ zu meist ungeheuren Preisen erwerben darf – oft unter der kreativen Beifügung von Küchenzutaten (Chili – mittlerweile so originell wie eine Schnittchenplatte oder saure Gürkchen…).
Godiva erschien mir endlich mal ein viel versprechender Name - schon lange liebäugelte ich mit der Filiale in den schicken Alsterarkaden. Die traditionellen Pralinekünstler würden es schaffen, auch in der Tasse etwas akzeptables zuzubereiten. Gesagt, getan, Laden betreten, bestellt. Leichte Verwunderung: Es gibt nur eine Sorte heiße Schokolade – ich hätte angesichts der Vielfalt an teuren Pralinenschachteln erwartet, dass man mindestens in drei verschiedenen Stärken und Süßestuden bestellen kann und eventuell noch diue Kakaosorte bestimmen darf- - aber wie gesagt, die Kaffeedimension ist in diesem Fachgebiet noch nicht bekannt. Schnell kam das schlanke und elegante weiße Henklelbecherchen zu mir an den Stehtisch, dem aber ein bequemer Hocker beigefügt war. Hier saß ich inmitten der Auslage, direkt hinter all den Pralinen und goldene Verpackungen und blickte fröhlich durch das penibel geputzte Riesenschaufensterglas auf den sonnigen Alsterfleet und den Rathausmarkt – und wurde ebenso von den Vorbeigehenden angestarrt, die mich vermutlich für einen Teil der Dekoration hielten – keiner konnte der Anziehung der Pralinenmengen widerstehen, vermutlich halten nur die Preise die Menschen davon ab, sich hier Wegzehrung mitzunehmen – aber im Dreiminutentakt kamen Käufer herein, meist älter Damen in teuren Mänteln und ließen sich ihre Tagesdosis einpacken. Mittlerweile vertiefte ich mich in das Objekt der Begierde: Bei maximaler Hitze ist meist nicht soviel vom Kakaoaroma zu merken, daher warte ich immer ein wenig, bevor ich nach dem ersten Schluck weiter trinke. Die Qualität hier ist wie erwartet höher als sonst in der Gastronomie erlebt – kräftiges Kakaoaroma lässt auf ausreichende Mengen des Grundstoffes schließen. Eine leichte Süße lässt Raum – für den, dem es nicht reicht, steht Zucker bereit. Insgesamt eine gute Zubereitung, die mir allerdings eine ganz kleine Spur zu süß war und auf der anderen Seite nicht genug Cremigkeit aufwies, um das erwähnte italienische Vorbild zu erreichen (aber 75% des Möglichen wurden in jedem Fall erreicht). Zusammen mit dem schönen Blick in jedem fall ein Ort zum Wiederkehren. Mit 3,60 pro Tässchen bezahlt man natürlich den Namen und vor allem die teure Adresse mit.
Stichworte
kakao, heiß, schoko, lade, heiss
Kommentare (5)
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