Kompliment
blogotronic (08.08.2007)
altötting (gelegentlich - auch von einheimischen - ein wenig despektierlich als «little vatikan» bezeichnet) ist deutschlands wallfahrtsort nummer 1 - und sie alle wollen zur schwarzen madonna. diese steht in der gnadenkapelle, einem ursprünglich im achten jahrhundert als taufkapelle errichteten bau, der im laufe der zeit um ein schiff, den turm, den rundgang und eine sakristei erweitert und in seine heutige form gebracht wurde. der legende zufolge soll an der stelle, an der heute die gnadenkapelle steht, der erste christliche bayernherzog theodo vom hl. ruprecht von salzburg getauft worden sein - allerdings gibt es auch andere quellen, die die taufe nach regensburg verlegen, dafür aber ausführen, der hl. ruprecht hätte einen in altötting befindlichen götzentempel der muttergottes geweiht und damit die spätere gnadenkapelle gegründet. auch davon, dass ruprecht ein marienbildnis nach altötting gebracht habe, wird berichtet. wie üblich weiss man aber nicht wirklich, was damals passiert ist.
die schwarze madonna, eine 70 zentimeter hohe madonnenschnitzerei aus lindenholz, kam jedenfalls um 1330 nach altötting. nach einem, anderen quellen zufolge nach zwei heilungswundern begannen die ersten wallfahrten zur madonna, von der die gläubigen sich hilfe in notsituationen erhofften. im laufe der jahrhunderte wurde altötting zu einem bis über die grenzen bayerns hinaus bekannten pilgerziel, die kapelle wurde wie beschrieben umgebaut und erweitert. in direkter nachbarschaft entstanden im zusammenhang mit dem ständig wachsenden pilgerstrom weitere kirchen, darunter die gotische stiftspfarrkirche st. philipp und jakob aus dem 16. jahrhundert und die basilika st. anna, eine erst 1912 bis 1913 errichtete kirche im neobarock.
das innere der gnadenkapelle wird beherrscht von der schwarzen madonna, die in einen beeindruckenden silberaltar eingebettet ist, den seitenaltären aus dem 17. jahrhundert, den typischen votivtafeln und -gaben sowie gefühlten trölfundsiebzig fantastrilliarden staunenden besuchern, die schubsend und rempelnd dafür gesorgt haben, dass ich mich spontan an jugendliche ausflüge in unsere pogo-kneipe erinnert fühlte. in zwei wandnischen befinden sich in silbernen, sogenannten «herzurnen» die herzen der wittelsbacher kurfürsten und könige bis ludwig III., insgesamt 27 an der zahl. aussen um die kapelle verläuft ein überdachter umgang, der mit über 50 sogenannten «mirakeltafeln» und ca. 2.000 votivbildern ausgekleidet ist. die ältesten von ihnen stammen aus dem frühen 16. jahrhundert.
noch heute ziehen einige der zwischen 900.000 und einer million besucher pro jahr mit einem holzkreuz auf den schultern einmal um die kapelle und bitten um beistand. wem das beten zu unsicher oder nicht ausreichend ist, dem stehen die wenige meter entfernten verkaufsstände mit allerlei devotionalien offen. selbstverständlich kann man davon ausgehen, dass die triebfeder dieser geschäftstätigkeit das seelenheil der gläubigen und nicht etwa gewinnstreben ist.
nun ja, sei's wie es sei: fünf sterne.
Stichworte
kreuz, schwarz, religion, madonna, maria, glauben, wunder, rundgang, pilgern, altötting, wallfahrt, votiv, lindenholz
Kommentare (29)
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