Wir (2 Erwachsene, ein Kind 9 Jahre) waren Anfang Oktober im Hollywood Safaripark.
Der Eintritt hat uns wegen einer Groupon-Aktion 29,- € gekostet, doch auch die waren zu viel für den Grauen, der sich uns bot.
Wir waren morgens um 10 Uhr da und trotz Öffnung um 9 Uhr ziemlich die Ersten.
Zuerst fährt man zweispurig durch den „Safari-Bereich“. Die Löwen sind natürlich getrennt von den anderen Tieren und lagen schlafend auf ihren Steinbauten. Ziemlich dünn sahen sie aus.
Die Straßen sind voller Schlaglöcher, am besten fährt man wohl mit den uralten Bussen durch den Bereich und schont das eigene Auto.
Der Eindruck von der Weitläufigkeit im Video auf der Website täuscht sehr. Die Löwen haben zwischen den Straßen immer wieder eine „Landzunge“ von geschätzten 40m², auf der sie dann verweilen müssen, wenn sie nicht zwischen den Autos herlaufen wollen. Das garantiert natürlich dass man den Tieren sehr nahe kommt, ist aber mehr als fragwürdig bzgl. der Haltung.
Im zweiten Teil fährt man durch das Gehege mit Antilopen, Zebras, Gnus und Nandus, das zwar weitläufiger ist, aber trotzdem wirken die Tiere völlig verstört. Mitten auf der Wiese stand ein Auto des Parks mit heruntergelassener Scheibe und daneben ein Nandu (sieht aus wie ein kleiner Strauß), das ins Auto schaute. Entgegen unserer Vermutung, dass das Tier vllt. gerade zu Showzwecken Futter bekam, sah man einen Stock aus dem Fenster kommend, der das Tier immer wieder am Hals traf. Warum? Keine Ahnung.
Die Elefanten sind in einem kleinen Gehege mit einigem Abstand zur Straße gehalten, standen so dicht beieinander dass sie sich beinahe stapelten und machten auch einen erbärmlichen Eindruck. Stroh auf dem Boden, Fressen, Wassertränken oder Rückzugsmöglichkeiten habe ich bei keinem der Tiere gesehen. Lediglich ein Unterstand war vorhanden, unter dem sich die Gnus und Zebras tummelten.
Nach 20 Minuten waren wir am Parkplatz angekommen und freuten uns auf den Freizeitbereich, der den miesen Eindruck des ersten Teils wettmachen sollte. Die Schilder rundherum sehen aus wie der Rest des Parks: völlig heruntergekommen, alt, versifft und verrostet und seit den 80ern offensichtlich nicht mehr gestrichen, repariert, geschweige denn erneuert.
Also rein in den kleinen Streichelzoo mit den noch kleineren Ziegen, aber ich hatte ohnehin nur noch Augen für das benachbarte Gehege der Giraffen. Zwei Giraffen, voneinander durch ein hohes Metalltor getrennt, nervös umherlaufend und ständig den Kontakt zum jeweils anderen suchend. Weit und breit konnte ich keinen Baum entdecken. Eine Giraffe leckte und biss immer wieder am oberen Rand des Tores herum – herzzerreißend.
Alte und teilweise kaputte Fahrgeschäfte, die auch noch Eigengeräusche von sich gaben, dass ich meinen Sohn nur widerwillig ausprobieren lassen wollte. Bedient wurden die „Schrottattraktionen“ von unfreundlichen osteuropäisch aussehenden Herrschaften, die nicht ansatzweise versuchten zu überspielen, dass wir Besucher doch irgendwie nur ein notwendiges Übel sind.
Die Krone aufgesetzt hat dem aber der Schießbudenstand. Mein Sohn wollte unbedingt Dosenwerfen. 7 Bälle 3,-€. Ich betrachtete die Bude sehr skeptisch, doch man wurde von beiden Seiten auf brüchigem Deutsch zugelabert, dass es Nintendos und iPods und weiß der Geier was für super tolle Dinge zu gewinne gäbe (hochgehalten wurde ein zerfledderter Karton eines Nintendos, der völlig ausgeblichen und rundherum verklebt war), sodass mein Sohn den Eindruck gewann, er könnte hier den Gewinn seines Lebens abräumen – garantiert. Ich fühlte mich wie auf einem Viehmarkt im tiefsten…na, egal. Vier Podeste, auf denen durchsichtige Plastikbehälter standen, die mind. doppelt so schwer wie normale Kirmesdosen waren. Dazu bekam er die 7 „Bälle“, die aus einem Hauch von Plastik bestanden und eher zu pusten als zu werfen waren. Um überhaupt etwas zu gewinnen, muss man jedes Podest mit einem Wurf abräumen, also 4 Podeste mit 4 „Bällen“ – die „Dosen“ zu schwer und so aufgestellt, dass zwangsläufig immer eine „Dose“ auf dem Podest verbleiben muss, die „Bälle“ zu leicht - physikalisch einfach nicht möglich, aber das war ja klar. Die Stofftiere, die außen hingen waren genau wie alles andere an diesem Stand völlig verschlissen, kaputt und vom Tageslicht ausgeblichen. Gewonnen hat dort wahrscheinlich seit 1983 niemand etwas.
Also weiter in der Hoffnung, dass es doch noch schön werden würde..
Eine 0,5l Fanta für 2,95 € am heruntergekommen Kiosk gekauft, vorbei an den nicht vertrauenserweckenden Fahrgeschäften bis hin zu den Toiletten (Himmel, nur setzen wenn man ohnehin einen Termin beim Gynäkologen für den nächsten Tag hat J ). Wir waren auf der todesmutigen Suche nach Nahrung, aber der Blick von außen ins Innere des menschenleeren (mittlerweile war es 14 Uhr) „Restaurant Oriental“ ließ den einzigen Schluss zu: Schnell zum Ende kommen und außerhalb des Parks essen gehen.
Direkt davor bot sich das traurigste Bild des ganzen ohnehin schon deprimierenden Besuches:
Das Gehege des Nashorns sowie des weißen Tigers.
Das Nashorn (wohlgemerkt das einzige) lag unter einem uralten Pavillon, der sich inmitten seines Geheges befand, das lediglich aus aufgewühltem Erdreich bestand. Kein Grashalm, Stroh, einfach nichts außer feuchter Erde um sich herum. Es hat sich nicht einmal bewegt oder die Augen geöffnet und als ich es so beobachtete, ertappte ich mich bei dem Gedanken daran, dass es doch wohl vielleicht gar nicht mehr leben würde und der Schrecken für dieses Tier hoffentlich bald ein Ende hätte.
Nebenan das Gehege des weißen Tigers. Furchtbar geschmacklos gestaltet und zwischen dem Wassergraben eine furchtbar kleine Landzunge, auf dem der Tiger nervös umherlief.
Zwei große Tafeln standen davor, mit der Info, dass die Tiger 1983 und 1986 geboren seien und man „im Jahre 1989 hoffentlich Nachwuchs präsentieren könne“. Der Tafel zur Info des Zuchtprogrammes konnte man entnehmen, dass die beiden Tiger es zu 8 Würfen gebracht haben, die größtenteils nach China verkauft wurden, das Weibchen starb 2003, seitdem ist der alte Tiger offensichtlich alleine.
Schnell noch den „Kletterpark“ (ein kleiner Kreis über dem Gepardengehege) besichtigt und schnurstracks zum Parkplatz zurück. Wir hatten wirklich genug gesehen. Das war mit Abstand die schlimmste Erfahrung, die wir in sämtlichen bisher besuchten Freizeit- und Themenparks gemacht haben und lässt – abgesehen von den furchtbar verlotterten Fahrgeschäften – über einen Anruf beim Tierschutzverein nachdenken.
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