Finkenwerder - der Stadtteil, Finkenwerder, Hamburg

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Finkenwerder - der Stadtteil - Finkenwerder, Hamburg
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12.08.2007

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Leider kann ich gerade nicht auf eines meiner historischen Bücher zurückgreifen. Ich hoffe trotzdem, das mein Bericht über Finkenwerder umfangreich & informativ ausfällt.

Die Elbinsel Finkenwerder entstand durch das Auseinanderbrechen der Insel Gorieswerder im 13./14. Jahrhundert. Nach der schweren Sturmflut vom Februar 1962 wurden sowohl im Westen nach Neuenfelde als auch im Osten zur Dradenau durch den Deichbau Landverbindungen geschaffen, so dass der Stadtteil heute faktisch keine Insel mehr ist. Faktisch!!! WIR empfinden das nämlich völlig anders!

Geografisch gesehen:
Finkenwerder liegt am Südufer der Unterelbe. Die Gemeinden südwestlich, jenseits des Mühlenberger Lochs, gehören zum Alten Land.

Einen beträchtlichen Teil der Halbinsel nimmt das Werksgelände von Airbus mit dem Flugplatz Hamburg-Finkenwerder ein, hier befindet sich auch der Sitz von Airbus in Deutschland.


Finkenwerder war bis 1937 entlang des Finkenwerder Landscheidewegs geteilt. Der nördliche Teil war seit 1445 hamburgisch und hatte seit 1919 den Status eines Vorortes. Genannt wurde er "Finkenwärder".Der südliche Teil gehörte zunächst zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, später zum Königreich Hannover und danach zu Preußen. Diese Teilung Finkenwerders wirkte sich besonders während der Cholera-Epidemie in Hamburg Ende des 19. Jahrhunderts aus, als es den Bewohnern der Hamburger Seite bei Todesstrafe verboten war, in den Südteil der Insel zu reisen. Trotzdem kamen viele aus dem Nordteil, um am evangelischen Gottesdienst in der Kirche teilzunehmen, die direkt hinter der Landscheide auf der Lüneburger Seite liegt. Dieser Bereich wurde (&wird noch) Finkenwerder genannt.
Kleine Info am Rande:

Die Feuerwehr ist mit ihren Booten/Schiffen nach wie vor für das gesamte Finkwarder Gebiet zuständig!!!


Bereits im 13./14. Jahrhundert begann man mit der Eindeichung, die jedoch erst Anfang des 17. Jahrhunderts abgeschlossen wurde. 1801 erließ der Hamburger Senator für das Landgebiet Wilhelm Amsinck die Verfügungen für das Finkenwerder Deichwesen, die zu einer erheblichen Verbesserung der Sicherheit von Sturmfluten im Hamburger Teil führten (der Südteil war ohnehin kaum von Sturmfluten betroffen). In der Folge stieg die Bevölkerung beider Ortsteile stark an und die Deichkrone zwischen Steendieck und Auedeich wurde mit den z.T. heute noch dort vorhandenen Häusern bebaut. Während im Nordosten vorwiegend Fischer ansässig waren, wurde der übrige Teil der Insel von Obstbauern bewirtschaftet.

In den 1920er Jahren wurde unter Oberbaudirektor Fritz Schumacher der Bebauungsplan für das Gebiet zwischen der 1918 entstandenen Deutschen Werft und der alten Auesiedlung aufgestellt. Dort befinden sich überwiegend Backsteinbauten im für das damalige Hamburg typischen Backsteinstil, die als Wohnstätte für die Arbeiter gedacht waren. Der heutige Ortskern wird in der Verlängerung der Müggenburg gefunden und umfasst viele schöne Häuser, die -vom Krieg verschont- teils noch im 17-18. Jahrhundert gebaut wurden. So blieben -auch in direkter Umgebung- wunderschöne Fachwerkhäuser erhalten.

Die beiden Teile Finkenwerders unterschieden sich in der Schreibweise: Der auf hamburgischem Staatsgebiet liegende Teil wurde mit a-Umlaut geschrieben - also Finkenwärder, in Preußen dagegen mit "e" - also Finkenwerder. Im Zuge des Groß-Hamburg-Gesetzes wurde ganz Finkenwerder Hamburg zugeschlagen und die Schreibweise vereinheitlicht.

Die Süderelbe wurde 1962 im Bereich Finkenwerders abgedeicht und erhielt hier den Namen Alte Süderelbe. Hier wird heut immer noch gern geangelt.

In Finkenwerder siedelten um 1800-1900 viele Vertriebene oder Heimatlose aus dem Bereich Niederelbe an. So gesehen war Finkwarder schon immer "Multikulti. Meist handelte es sich um Fischer, die so auch zur größten Fischereiflotte Hamburgs beitrugen. Wir haben noch heut einige -leider langsam auststerbende- dieser Fischer. Einer heißt Charlie und wird auch gern "Grönland-Karl" genannt. Er fuhr 40 Jahre lang zur See und traute sich mit seinem Kutter bis ganz nach Grönland!

Heute ist Finkwarder mehr ein Wohnort. Kurioserweise gehört er, obwohl fernab von Hbg.-Mitte gelegen trotzdem zum Bezirk Hamburg-Mitte.

Statistisch gesehen gehört Finkenwerder zum Bundeswland Hamburg.
Bezirk: Hamburg-Mitte
Fläche: 28,6 km²
Einwohner: 11689 (2002)
Bevölkerungsdichte: 409 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21129
Vorwahl: 040
Geografische Lage: Koordinaten: 53° 32' 24" N, 9° 49' 48" O53° 32' 24" N, 9° 49' 48" O
Kfz-Kennzeichen: HH

Interessant ist für einen "Inselbewohner" auch, das sich hier nicht unbegrenzt viel Ärzte ansiedeln dürfen. WIR würden uns freuen... ohne Frage, wenn etwas Konkurrenz & Wettbewerb ins Spiel käme. Das aber wird anhand der Einwohnerzahl entschieden. So haben wir ein paar Allgemeinmediziner, Zahnärzte, einen Tierarzt, eine gynäkologische Praxis und einen Lungenfachmann. Nach einem Orthopäden, Kieferchirurgen, Kinderarzt o.ä. sucht man hier leider vergeblich. Sowas käme erst ab einer Einwohnerzahl von 14.000 in Frage. Und so treibt es viele Finkwarder notgedrungen Richtung Harburg oder Altona.

Unsere Post sollte bereits 3x geschlossen werden und die Bücherhalle ebenfalls 2x, was jedoch am Protest der Bürger scheiterte. Hurra!!!

Wir haben viele Sehenswürdigkeiten wie die Altstadt, die Gorch-Fock-Halle (Gorch Fock wurde in Norwegen begraben meine ich, aber hier geboren und dichtete auch so manches), den Kutterhafen -wo sich auch das Gaffelkonsortium befindet- und ganz besonders auch die Finkenwerder Landungsbrücken anzusehen.
Während der Gorch-Fock-Park auf der Landzunge zwischen Steendiekkanal und Köhlfleet bereits in Fritz Schumachers Bebauungsplan vorgesehen war, gibt es seit 1996 am nördlichen Ende des Rüschkanals den Rüschpark, der auf ehemaligem Werftgelände angelegt worden ist. Im Südwesten des Stadtteils gibt es zwei Naturschutzgebiete (Finkenwerder Süderelbe und Westerweiden).

Zwei -zusätzliche- Häfen in den Kanälen haben wir auch anzubieten. Als Bildungsstätte 2 Grundschulen, 1 Gymnasium und eine Gesamtschule. Und fürs sportliche 2 Sportvereine.

Benachbarte Stadtteile & Gemeinden:
An Finkenwerder grenzt im Osten der ebenfalls zum Bezirk Hamburg-Mitte gehörende Stadtteil Waltershof, der von Finkenwerder geographisch durch den Köhlfleet und die Aue getrennt ist. Südlich an Finkenwerder grenzen vier Stadtteile im Bezirk Harburg: Altenwerder hinter der Aue, Francop und Neuenfelde jenseits der Alten Süderelbe und Cranz am westlichen Ende des Mühlenberger Lochs. Dort hat Finkenwerder innerhalb der Elbe eine westliche Grenze mit der niedersächsischen Gemeinde Jork im Landkreis Stade. Nördlich an Finkenwerder grenzen die jenseits der Elbe im Bezirk Altona liegenden Stadtteile Blankenese, Nienstedten und Othmarschen.
Insbeondere im Bereich Neuenfelde, Cranz wird viel Obstanbau betrieben und zur Kirschblüte ist Cranz ein willkommener Ausflugsort für viele Touristen.

Da Waltershof als reines Hafengebiet nur noch ca. 10 Einwohner (Stand: 2000) hat, erhebt die Stadt Hamburg ihre statistischen Daten für Finkenwerder und Waltershof gemeinsam.

Wenn ihr euch die Fotos anschaut, seht ihr sicher auch die Lotsenstation: Von uns aus blickt ihr über den Petroleumhafen dorthin. Den hatt ich nu noch garnicht mitgezählt...


Erreichbar ist Finkenwerder per Schiff (Fähre):
62 - von den Hamburger Landungsbrücken (bzw. der Haltestellen dazwischen)
64 - fährt über Rüschpark nach Teufelsbrück

150ger - Bus nach (Endstatio) Altona - meist alle 20min.
251 - Bus nach Neuwiedenthal - i.d.R. 1x stdl. (werktags)
146 - Richtung Bhf. Harburg - i.d.R. Rüstweg 1x stdl.

Ups.... jetzt habe ich die Anbindungen aus meiner Sicht geschrieben. ;-) Einfach bei www.hvv.de nachschauen, dort gibts neben Haltestelle auch die Fahrtzeit.

Und mit dem Auto natürlich jederzeit via Freihafen oder durch den neuen Elbtunnel, Abfahrt Finkenwerder-Waltershof.

Viel Spaß mit den Informationen wünscht Lunara!

Der, P.S.:, gerade noch etwas wichtiges zu Kulinarischen einfällt:
Die Finkwarder Scholle:

In einer schweren, eisernen Pfanne werden Butter und kleingewürfelter Speck ausgelassen. Die noch namenlose, mehlierte Scholle wird bei mäßiger Hitze hellbraun gebraten (je nach Dicke drei bis fünf Minuten je Seite). Durch das Aufnehmen des Speckaromas (der Speck wird natürlich auf der Scholle mitserviert) erhält die Finkenwerder Scholle ihren typischen Geschmack. Als Beilage werden üblicherweise Bratkartoffeln serviert.

und eine Info:
püktlich zum Mai gibt es hier die getrockneten (KLEINEN!!!) Maischollen. Je größer die Scholle wird, desto mehr verliert sie an Geschmack und die ganz großen (um den Herbst herum) schmecken gar ranzig & tranig...
Getrocknete Maischollen können eingeweicht & dann gebraten werde, gekocht, oder -was sich unter Touristen immer mehr als Spezialität herausstellt- eingespeichelt stückweise gegessen werden. Tja.... was soll ich sagen... ?
DAS ist dann wohl, wenn man sich neuzeitlich an den zwangsweisen Eßgebaren (weil es eben nicht viel frisches an Bord gab) erfreut, weil man sich damit nicht tagtäglich ernähren muß.....

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