Dominique (14.08.2007)
Der Schulunterricht hat bei mir nur eine sehr vage Vorstellung von William Shakespeare hinterlassen. Klar, ich habe "Ein Sommernachtstraum" gelesen, ich zitierte in meiner Gymnasialzeit manchmal aus "Hamlet", Stratford-upon-Avon ist mir ein Begriff und die tragische Geschichte von "Romeo und Julia" ist mir geläufig. Doch ein Bild im Kopf habe ich erst seit meinem Besuch in Shakespeare's Globe in London.
Es ist zwar nicht mehr das ursprüngliche Gebäude. Das 1599 erbaute Theater am Südufer der Themse brannte 1613 nieder. Es steht auch nicht am originalen Schauplatz. Der ist gut 60 Meter weiter, bebaut mit einem inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Haus, was die Neuerrichtung von Shakespeares Wirkungstätte verhinderte. Trotzdem wird die Theatergeschichte hier plastischer und lebendiger als an einem anderen Ort.
Das 1997 erbaute Freilufttheater ist ein Gebäude mit kreisrunder Grundfläche. In der Mitte steht das Publikum auf den billigen Stehplätzen wie zu elisabethanischen Zeiten vor der Bühne, den Elementen ausgesetzt (Regenschirme sind nicht erlaubt). Drumherum sitzen die finanziell besser gestellten Theaterbesucher auf einer der drei hölzernen Balkonetagen, die mit einem Strohdach geschützt werden. 1500 Besucher können heute eine Vorstellung im Globe besuchen, zu Shakespeares Zeiten, als es noch keine modernen Sicherheitsstandards gab, passten doppelt soviele Menschen rein.
In den Sommermonaten wird die Bühne bespielt. Shakespeare natürlich. Historische Kostüme, altes Englisch, anheimelnde Kulisse. Als dann bei der Vorstellung, "Antony and Cleopatra", noch die Fackeln angezündet wurden (keine elektrische Beleuchtung auf der Bühne) war ich wirklich gerührt. Wäre nicht ein Flugzeug im Anflug auf einen der Londoner Flughäfen über die Szenerie geflogen, die Illusion wäre perfekt gewesen.
Ich lege jedem kulturell interessierten London-Besucher einen Theaterabend im Globe ans Herz. Doch Achtung, die Stücke werden in Shakespeares (alt-englischer) Sprache auf die Bühne gebracht. Trotz sehr solider Englisch-Kenntnisse musste ich mich weitgehend auf die Wirkung der Körpersprache verlassen. Und wer trotzdem Probleme hat, kann die Lücken in der Ausstellung auffüllen oder eine Ausgabe des aufgeführten Stückes im Museumsshop kaufen.
Stichworte
theater, shakespeare, london, globe
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