Wie gerät man als Zentralhamburger an ein Möbelhaus im Sachsenwald? Ja, wie? Das geht nur mithilfe von Lockangeboten, die einen den Weg in den Südosten erwählen lassen - in unserem Fall ein sensationell günstiger pseudoantiker Holzkleiderschrank in einem kleinen Farbprospekt in irgendeiner Tageszeitung. Und da wir als Jungfamilie nicht viel Zeit haben, Angebote vor Ort zu studieren, ist so ein Prospekt ausnahmsweise einmal willkommen - nach all den Jahren, in denen diese umweltfeindlichen Ballaststoffe noch neben dem Zeitungsladen unwillig in den Container wanderten.
Und das nette an der Sache war: Der Schrank war tatsächlich genau so schön wie im Prospekt. Kein Produkt der Designer, die visuell per Computer aus jeder Sperrholzkiste einen Louis XVI.-Secretaire machen, sondern wirklich ein schöner harmonischer gediegener Schrank. Und aus Vollholz - in einer Zeit, wo alles immer aus Press-Span ist. Wir nahmen ihn, bzw. orderten ihn bei einem netten jungen Mann, der offensischtlich erfreut war, dass an einem Donnerstagvormittag kaufwillige Menschen in die fast leeren ausgedehnten Hallen einkehrten. Er begleitete uns desweiteren auch noch bei der Auswahl eines Spiegelschrankes und einer Kommode, machte einen gewissen Rabatt fest - etwas merkwürdig allerdings waren die Bedingungen der Preisreduzierungen: Besagter Schrank war im Prospekt sehr günstig. Dieser Preis aber war "ein reiner Mitnahmepreis". Mit Lieferung und Montage wäre ein erheblicher Aufpreis fällig gewesen. Es stellte sich heraus, dass bei regulärem Preis die Zusatzleistungen so viel günstiger waren, dass mit Lieferung und Aufbau der Schrank so günstiger war als das Superangebot. Als sich dann auch noch herausstellte, dass der Schrank nur noch mit einem Exemplar auf Lager war, kamen mir Zweifel an dem Angebot als ganzen.
Aber Service, Beratung und Auswahl waren insgesamt wirklich sehr angenehm - jedenfalls fanden wir trotz unserer überhöhten Ansprüche drei Möbelteile, die wir wirklich schön und bezahlbar fanden. Dass die Kommode sich als absolut fatal im Aufbau entpuppte, liegt entweder an dem Hersteller und seiner unfähigen Montageabteilung oder aber an der Tatsache, dass man sich über die Jahrzehnte so sehr an Ikea und recht narrensichere Aufbauhilfen gewöhnt haben mag...
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