Kompliment
meme (03.09.2007)
Gestern war Schweinemarkt – Schweinemarkt ?? Ganz recht – seit 22 Jahren gibt es jährlich diese Veranstaltung bei uns in Borghorst. Woher der Name kommt, weiß ich nicht – vielleicht gab es in früheren Zeiten mal einen jährlichen Viehmarkt. Ich glaube eher, das Kind musste einen Namen haben und Schweinemarkt klingt irgendwie gut. Bis vor einigen Jahren war immer auch ein echtes Schwein – meistens mit ganz vielen kleinen Baby-Schweinchen – mit von der Party. Man konnte es schätzten und schöne Preise gewinnen. Mittlerweile sind die Tierseuchenbestimmungen so streng geworden – immerhin auch eine Existenzfrage für Schweinezüchter – dass man auf das echte Schwein verzichtet (ich denke, dass ist für die stressanfälligen Schweine auch die bessere Lösung). Dafür gab´s eine Meerschweinchenwette – in welches Haus rennt das Schweinchen, wenn es in den Ring gesetzt wird ??
Nach einigen Jahren der Abstinenz haben wir uns also mal wieder die Zeit genommen, den Markt ausführlich zu erkunden. Als unsere Kinder klein waren, war es fast eine Pflichtveranstaltung. Immerhin war der damit verbundene Kinderflohmarkt ein absolutes Highlight und im weiten Umkreis bekannt und beliebt. Also mussten auch wir einige Male in den sauren Apfel beißen, uns am frühen Sonntagmorgen aus den Federn quälen und uns mit Sack und Pack auf den Weg machen in die Borghorster Innenstadt, um auf dem uns zugewiesenen Standplatz die Stellung zu halten für die lieben Kleinen, die lieber an den anderen Ständen fündig wurden, als das eigene „Gerümpel“ zu verkaufen. Denn eigentlich war es ja ein Kinderflohmarkt – und nur Kinder bekamen eine Standberechtigung. Wer aber musste diese besorgen – ganz Recht. Schon wochenlang vorher in der Presse angekündigt, wurden an einem Tag die Plätze vergeben – wechselweise in der Sparkasse oder der Volksbank. Lange Schlangen bis auf die Straße kündeten von übergroßem Interesse an dieser Veranstaltung. Und wer kämpfte um die begehrten Plätze – in der Regel die Eltern im Namen ihrer Kinder.
Jedenfalls waren wir nach einigen Jahren und mit nachlassendem Interesse der Kinder dann froh, dieses Event nicht mehr unbedingt mit unserer Anwesenheit beehren zu müssen. Jetzt war das Interesse wieder da, zumal in diesem Jahr einige Neuerungen eingeführt wurden – oder war die Qype-Neugier der Grund. Egal – zwei verkaufsoffene Tage, ein großer Kram- und Flohmarkt am Samstag, der Kinderflohmarkt kombiniert mit dem gewerblichen Kram- und Flohmarkt am Sonntag und einige weitere Attraktionen schienen uns Grund genug, es mal wieder zu versuchen. Am Eingang der Fußgängerzone sah es noch aus wie immer – voll, viele Stände, viele Menschen. Aber je weiter wir gingen, desto leerer wurde es – nein, nicht menschenleer – aber die Kinder-Flohmarktstände, an denen sich früher die Kunden so „knubbelten“, dass man manchmal gar nicht schauen konnte, die fehlten. Es gab zwar etliche gewerbliche Anbieter aber wenig echte Kinder-Stände. Ein bißchen mag es daran gelegen haben, dass wir recht spät dran waren – ich weiß noch aus eigener Erfahrung, dass man gerne auch schon früher einpackt, wenn man bereits seit 8 Uhr morgens auf einem Schemel hinter seinem Tapeziertisch ausgeharrt hat. Außerdem hatten diesmal ja auch alle Geschäfte geöffnet, was die Standplätze natürlich sehr reduziert hat.
Schade eigentlich – aber dafür gab es ja andere Attraktionen. Die vielen Imbiss-Stände und Getränkewagen zum Beispiel, den Loswagen der Vereinigten Schützen, der ganz tolle Preise auslobte, oder die Bühne, auf der Kindergartenkinder eine wunderbare Performance darboten. Auf unserem Rückweg zeigten sie übrigens, was in den Tanzschulen heute so getanzt wird – einfach goldig. Nicht vergessen werden darf natürlich auch die Motorrad Sensations-Show von Roland Schmidt auf dem Neuen Markt – atemberaubende Hochseilartistik mit dem Motorrad. Wir haben dann jedenfalls die Gelegenheit genutzt, und uns zum erstenmal das Heimathaus, das einen eigenen Beitrag verdient, von innen angesehen. Ein fester Programmpunkt des Schweinemarktes ist jedes Jahr wieder auch die sehr beliebte Versteigerung der Fundfahrräder vor dem Heimathaus am Samstagmittag – und davon gibt es in unserer „Radfahrerstadt“ eine ganze Menge.
Weiter in Richtung Kirche – holländische Markthändler mit den beliebten Rosinenbrötchen, wechseln mit Kurzwarenanbietern oder Obsthändlern. Dazwischen immer wieder einzelne Kinderflohmarktstände – leider viel zu wenig. Wir hoffen auf den großen Parkplatz hinter dem Heimathaus. Fehlanzeige – nur noch ganz wenige Stände – dem Müll nach zu schließen war hier aber doch eine Menge los – sind wohl alle schon müde von anstrengenden Verkaufsverhandlungen und haben sich auf den Heimweg gemacht. Aber eine der neuen Attraktionen des Schweinemarktes haben wir noch gesehen – das mittelalterliche Heerlager vor der Kirche und in der angrenzenden Nikomedesstraße. Händler und Gaukler, Handwerker und Büßer – alle mit stilechter Kleidung – vielen historischen Gerätschaften und anscheinend auch viel Enthusiasmus. Am beliebtesten auch hier wieder die Verpflegungs-Zelte. Muß doch was dran sein an dem Spruch – „gegessen wird immer“.
Übrigens wurde die Organisation des Marktes in diesem Jahr erstmalig professionell vergeben, und zu erwähnen sind natürlich auch noch die zahlreichen Musikeinlagen der Spielmannszüge, verschiedener Tanzgruppen und ganz besonders der erste öffentliche Auftritt von „Rocking Alley“ am Samstagabend – nicht zu vergessen die Cover-Live-Band „Night-Owls“ und die lokal bekannten „Blues machines“
Fazit – ein schönes Fest für groß und klein – ein interessanter Nachmittag für uns. Flohmarktliebhabern sei empfohlen, im nächsten Jahr ganz früh aufzustehen, denn dann kann man doch noch so manches tolle Schnäppchen machen, wenn die Borghorster Kinder ihre Spielzimmer durchforsten und überzähliges Spielzeug und Kleidung zum Verkauf anbieten - wesentlich günstiger natürlich als bei den gewerblichen Anbietern – und ganz ehrlich auch mit viel mehr „Spaß an der Freud“. Man muß nur mal so einen kleinen Händler strahlen sehen, der gerade ein gutes Geschäft gemacht hat. Dann kann er auch ganz beruhigt wieder selbst auf die Pirsch gehen, während Mama und Papa seinen Stand hüten. Also erstes Septemberwochenende im nächsten Jahr vormerken – unser neues riesiges Einkaufscenter wird dann wohl fertig sein und die Attraktivität vielleicht noch ein wenig mehr steigern.
Stichworte
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