Kompliment
hotzenplotz (22.09.2007)
Hundesuche, 2.Teil:
In der Sendung "Tiere suchen ein Zuhause", immer Sonntag nachmittags auf WDR, habe ich das erste Mal einen Podenco gesehen, einen mageren Windhund mit riesigen Fledermausohren und eher katzigem Charakter.
Diese Hunderasse ist ursprünglich im alten Ägypten angesiedelt und wurde vor Tausenden von Jahren von phönizischen Händlern neben Olivenöl, Gewürzen, Teppichen und Wein überall im Mittelmeerraum verbreitet. Man findet ähnliche Hunde auf den Balearen, auf Malta, auf Sizilien, in Portugal und in Griechenland. Sie werden von Menschen zur Kaninchenjagd genutzt, sind schnell wie der Blitz und apportieren ihre Beute lebendig. Sie haben einen äußerst sensiblen Charakter, sind eigenwillig und verspielt, neugierig und klug.
Die Bereitschaft zum Gehorsam würde ich als eher mittelmäßig bezeichnen.
Forschungen über diese Rasse auf verschiedenen Webseiten führten zur Kontaktaufnahme mit einigen spanischen Tierheimen, letztlich fanden sich mehrere aussichtsreiche Kandidaten auf der Insel Fuerteventura.
Beim Kauf der Tickets für den Flug gibt man die für die Rückreise geplante Mitnahme eines Laderauminsassens schon mal besser an, dann gibt es keine Überraschungen.
Eine Woche in der Sonne, die Leiterin des Asyls, Saskia Stüven hatte ein Appartment neben ihrem Haus zu vermieten und wir konnten jeden Morgen mit ihr in die Perrera fahren, um die Tiere zu besichtigen.
Saskia ist eine wunderbare, mutige Frau, die vor elf Jahren zum Surfen auf die Insel kam und vom Elend der dort lebenden Hunde tief beeindruckt mit zwei Freunden den Verein OKAPI gründete.
Die Hunde in menschlichem Besitz werden hier und auch im restlichen Spanien oft an kurzen Ketten und in sengender Sonne mit nur wenig Wasser und Futter, vor allem aber ohne Zuwendung gehalten, sie sind ausgemergelt und räudig und dienen als kostengünstige Alarmanlagen.
Weiter gibt es Hunderte von verwilderten Strandhunden, die auch nicht immer einen gesunden Eindruck machen und die, wenn sie von Hundefängern kassiert werden, in den staatlichen Perreras- nach dreiwöchigem Aufenthalt unter elenden Bedingungen- eingeschläfert werden.
OKAPI hat in Zusammenarbeit mit der Tierhilfe Fuerteventura, die sich um Spendengelder und die Vermittlung der Tiere nach Deutschland kümmern, eine solche Perrera in einem Gewerbegebiet im Norden der Hauptstadt Puerto del Rosario übernommen, einen schrottigen Bauhof, der vorher als eingezäunte Unterkunft für sich selbst überlassene und vollkommen verwahrloste Todeskandidaten diente.
Hier ist mittlerweile ein vernünftiges Heim entstanden, ein bischen ärmlich, Geld fehlt an allen Ecken, aber die Tiere werden ärztlich betreut, versorgt, gefüttert, gepflegt. Die Zwinger werden von den mehr oder weniger unentgeltlich arbeitenden Tierfreunden täglich gereinigt, währenddessen haben die Patienten Freilauf auf dem staubigen Platz in der Mitte. Hundertfünfzig Hunde in allen Größen und Altersstufen, drei Stunden dauerndes Chaos mit Rangkämpfen und Prügeleien. Jeder neue, unbekannte Mensch könnte die Fahrkarte in eine bessere Zukunft sein, das scheinen sie zu wissen, denn man wird von Trauben von Hunden umlagert, die einen mit großen Augen ansehen und mit dreckigen Pfoten an einem hochspringen.
Alle Vierbeiner werden hier bald nach ihrer Aufnahme kastriert, es sind so schon zuviele. Der Verein lädt Tierärzte ein, die wilde Hunde und Katzen sterilisieren, um die Population nicht weiter wachsen zu lassen. Auf Fuerte hat jeder schon einen Hund, der einen braucht, die Vermittlung ins Ausland ist die einzige Hoffnung. Für jeden freigewordenen Platz im Heim kann ein Hund aus der Tötungsstation gerettet werden. Es sind jedes Jahr Hunderte, die Glück haben und in gute Hände kommen.
Saskia kümmert sich um alle Formalitäten des Transports: Papiere, Impfungen, Flugbox, Chip. Man bekommt sein Tier am Flughafen ausgehändigt und muß nur noch zur Waage und dann das fragende Geheul ertragen, wenn sich das Fließband in Bewegung setzt und der Hund sich auf dem Weg zur Schlachtbank wähnt.
Dafür freut er sich dann umso mehr, einen wiederzusehen.
Das kann übrigens jeder, als sogenannter Flugpate einen Hund nach Deutschland bringen aus den Ferien, einfach Kontakt zu einem Tierheim aufnehmen, am Abreisetag das Tier und die Papiere in Empfang nehmen und am Heimatflughafen wartet ein Mitarbeiter der Tierschutzorganisation und kümmert sich um alles Weitere.
Wir haben vor sechs Jahren außer Yuyu, dem besten Hund der Welt, auch noch Gwendolyne mitgebracht, die wohnt jetzt bei einer netten Familie in Hamburg.
Wenn Frau Feierabend (s. Bericht von Lokalreporter) einen Orden bekommen sollte, was ich sehr unterstützenswert finde, dann sollte man auch Saskia Stüven nicht vergessen, sie leistet hier sehr große Arbeit für ein Taschengeld.
Und sie wird nie glücklich dabei sein, weil genau wie die Straßen immer wieder dreckig sind am nächsten Morgen, hört das Elend hier nie auf.
Aufschlussreiche Bilder zu diesem Text und vertiefende Informationen kann man auf der Webseite des Vereins kostenlos erhalten.
Wuff. Hotz
Stichworte
hunde, podenco, asyl, perrera, saskia_stüven
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