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Qype Insider 116
Benutzerfoto: Rainero

Rainero

Kompliment Rainero (29.09.2007) •••••

Zwischen Kehrwiedergasse und Goldschmiede muß man sich schon etwas bücken, um durch die flachen Fenster hineinzusehen. Vorbei an kleinen Gardinen und den Öffnungszeiten sieht man innen einige dicke Fachwerkbalken, die den niedrigen und hübschen Gastraum tragen. Man sieht eine gemütliche Stube mit Tischen, Stühlen, Kerzen und Lämpchen, die klein und süß wirkt.
Nach zwei Türen öffnet sich der Gastraum nach links und nach hinten in weitere kleine Räume und sogar zu einem schnuckeligen Innengarten.
Es wirkt hier wie in Oma`s Wohnzimmer. Die Tischdeckchen und Tassen von Anno Tobak gemischt mit Geschirr aus einer Studentenbude tun ihr eigenes hinzu.
Fachwerk durch und durch. Die niedrige Decke über einem scheint etwas schwer. Aber man denkt hier im gemütlichen Innenraum mehr an Oma`s Kaffeekränzchen, die hier regelmäßig stattfinden müßten, als an die schwere Bautechnik des Fachwer-kes. Sowohl ältere wie junge Menschen kommen und genießen den leckeren Kuchen mit heftig Sahne (wenn man will) und leckerem Kaffee oder heißer Kakaoschokolade.

Das Essen holt man sich selbst. „Es duftet immer wieder lecker bei Ihnen“, sag ich zu der freundlichen Besitzerin hinterm Tresen. „Das ist der selbstgemachte Kuchen und die Schokolade, die nur mit Milch und Kakao gekocht wird“, begründet sie den verführerischen Duft. Mmh, das wird ein Schmaus, denke ich. Ich spüre schon den Kuchen, die Sahne und den Kakao zusammen im Mund.

Wie ich hier so sitze und schwelge, erinnere ich mich 11 Jahre zurück und denke an meinen Anfang1995-96 in Hildesheim. Der war nämlich gefüllt mit Vorträgen ver-schiedenster Art in verschiedensten Gasträumen, Buchhandlungen und Volkshoch-schulen, um mich bekannt zu machen. Und einer war hier im Kafenion.
Ich seh mich noch wie ich damals völlig nervös mit 6 Heftzwecken ein weißes Bettla-ken an einen für alle strategisch sichtbaren Balken an die Decke heftete und an ei-nem Abend 90 Minuten lang 10 interessierten Gästen mit Hilfe eines Overheadpro-jektors (deshalb das Laken) etwas über die Behandlungsmöglichkeiten von Akupunk-tur und anderen schmerztherapeutischen Verfahren erzählte. Es war aufregend. Es war toll. Bei Kaffee und Kuchen Akupunktur vermitteln, einfach super. Dankbarkeit erfüllt mich und meinen Mund; der aber mehr durch den leckeren Kuchen.

Heute ist das Kafenion nach wie vor ein offenes Haus. Es finden hier kleinere Veranstaltungen statt wie z.B.: Traditionelle finnische Kantelemusik, Treffen nach Stadtführungen und Lesungen und Informationsveranstaltungen von Uni oder der Jüdischen Gemeinde in Hildesheim und vieles mehr.

Ein Besuch lohnt sich. Aber aufpassen; es fällt schwer, nach dem zweiten Stück Kuchen aufzuhören. Aber was soll`s. Lecker ist lecker.

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