12.10.2007
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600. Beitrag, da kann ich ja nicht einfach über eine schnöde Dönerbude und fettige Pommes schreiben..., also zur Feier des Tages die Casona de Argual, etwas wirklich schönes.
La Palma ist unter den Kanaren meine Lieblingsinsel, weil hier die Natur noch über den Menschen siegt, weil hier die klotzigen Hotelbauten und mehrspurigen Autobahnen (Teneriffa...) weitgehend unterblieben sind, weil die Landschaft alles vom Tropendschungel bis zum Hochgebirge und wilden Vulkanen bietet - und weil die Tatsache, daß die Geologen sie für extrem gefährdet halten, auch ganz reizvoll ist - La Palma soll nämlich "bald" in der Mitte auseinander brechen und einen riesigen Tsunami verursachen, also würde ich in den nächsten 500 Jahren vielleicht nicht so viele größere Häuser hier kaufen...
Die Modernisierungen und der Tourismus haben aber auch auf dieser Insel viele Spuren hinterlassen, überall schiessen neue Häuser aus dem Boden, die zwar klein und eher flach sind, aber dennoch den Wunsch nach verwinkelter alter Tradition aufkeimen lassen, wie man ihn in den Gassen von Los Lllanos findet.
Der kleine Ortsteil Argual, eine kleine Anhäufung von Häusern, die man eventuell achtlos auf der Durchfahrt ins schöne Tazacorte (oder Puerto) links liegen lassen würde, enthält jedoch einen Leckerbissen aus vergangenen Zeiten, nämlich das alte Herrenhaus Casona de Argual, ein schönes langgezogenes Bauwerk aus dem frühen 18. Jahrhundert (auf der Insel selten so erhalten). Hier residierten die schwerreichen Besitzer der Zuckerrohrplantagen, die Europa damals versorgten und aufgrund des kurzen Seeweges eine erhebliche Konkurrenz für die mittelamerikanischen Produktionen darstellten. Später wurde hier natürlich in großem Stil auf Bananen umgestellt - bis die modernen Transportmittel die größeren amerikanischen Früchte auf den europäischen Markt brachten und das kleine Kanarenprodukt verdrängte, das heute hauptsächlich für den heimischen Gebrauch und die Touristen produziert wird.
Heute findet man hier eines der originellsten Restaurants der Insel. Auch wenn man im Süden eigentlich eher am späteren Abend Essen geht, würde ich empfehlen, noch bei Sonnenlicht hierher zu kommen um die Schönheit des Platzes ausgiebig geniessen zu können. Vor der Casona ist ein kleiner Dorfplatz mit großen alten Bäumen, die Schatten spenden, der auch bitter nötig ist, da die Gegend um Tazacorte die sonnenreichste der Insel ist.
Hinter dem Haus aber befindet sich eine großartige Veranda inmitten eines schönen üppigen Gartens, in dem man wunderbar sitzen kann, wenn das Wetter es erlaubt - also meistens. Da sitzt man dann unter Hibiskus und dicken Palmen, ein Brunnen plätschert schläfrig und die Dämmerung bricht herein, ein paar Vögel zwitschern noch in Konkurrenz mit den knarrenden Zikaden, der Boden beginnt die gespeicherten Düfte des Tages abzustrahlen - und man möchte eine Zeitmaschine haben, um dieses Abendgefühl immer wieder durchleben zu können.
Aber auch im Inneren der Casona fühlt man sich wohl, weil hier die sonst so funktionale Möblierung der kanarischen Restaurationen einem wunderbaren Gemisch aus einheimischen und festlandspanischen Antiquitäten gewichen ist. Dunkles Holz, schwere schwarzrote Möbel, derbe Landwirtschaftsgeräte aus vergangenen Zeiten, als hier noch per Hand Steinterrassen aufgetürmt wurden um den Boden im Hang zu halten, furchige Deckenbalken, antikes Besteck, dicke weiße Leinentücher, schwerer alter Wein und Personal, das noch die alte spanische Höflichkeit beherrscht, zu der auch die Geduld des Gastgebers gehört.
Und nach dem ewigen frischen Fisch, so wunderbar er auch ist, wenn man mit salzverkrusteter Haut aus den Wellen kommt, nach den simplen Salaten und einfachen Zubereitungen der Konkurrenzbetriebe, nach all dem ist es sehr angenehm, einmal wieder raffinierter zubereitete Gerichte zu sich zu nehmen, zumal ich mich oft wunderte, wieso die meisten Köche der Inseln kaum Gebrauch von der Vielfalt ihrer Fauna machen - hier endlich kommen auch einmal die tropische Früchte auf den Tisch, z.B. mit dem Huhn in den Schmortopf, Kaninchen und Ziege garen langsam im Ofen - und natürlich gibt es auch ein paar schöne Fische, die dann auch nicht immer nur bäuerlich auf dem Grill zubereitet werden...
Ich weiß: Wir haben hier lange gesessen, länger als gedacht, während der Himmel sich von Azur über Gelb ins Feuerrot und schließlich in dieses ganz samtig dunkle Schwarzblau wandelte, das La Palma so begehrt bei Astronomen macht. Wir kamen als erste und gingen fast als Letzte - zum Glück hatten wir es nicht weit, denn unser gelbes Haus stand nur ein paar Hänge weiter hinter der übernächsten Bananenplantage überm Meer....
P.S.:
Diesen Beitrag widme ich jetzt einfach mal Heifisch, weil sie so schön schreibt und La Palma auch so liebt!!
Stichworte
wein, essen, spanisch, abend, meer, palma, kanaren
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