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vilmoskörte (06.02.2008) •••••4
Der Tunnel ist genau genommen keiner, sondern eine Eisenbahnunterführung. 130 Meter lang und 23 Meter breit. Und stockfinster, eben wie ein echter Tunnel. Er verbindet den Wedding im Westen mit Prenzlauer Berg im Osten.
Der Gleimtunnel unterquert das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Eberswalder/Bernauer Straße. Im Herbst 1904 fertiggestellt, diente der Tunnel zunächst als reine Fußgängerunterführung. Durch ihn gingen die Arbeiter, die in Prenzlauer Berg wohnten, täglich zu ihrer Arbeit in die Fabriken von AEG und Schwartzkopff in der Rosenthaler Vorstadt.
Die ursprüngliche Konstruktion ist vollständig erhalten und steht heute unter Denkmalschutz. Die Eisenträger der Brücke werden von zierlich wirkenden gusseisernen Säulen gestützt. Ihr reicher Schmuck aus korinthischen Kapitellen und breiten, von ionischen Voluten gezierten Kopfstücken setzt die technischen Anforderung, Erschütterungen und Materialspannungen abfangen zu müssen, ästhetisch sehr gelungen um. In Längsrichtung hübsch kanelliert, verjüngen sich die Säulen nach oben und unten. An der dicksten Stelle verstärkt ein Ring mit Flechtbandmuster die Säule genau dort, wo die größten Kräfte durch Knickbeanspruchung auftreten.
Durch den Gleimtunnel verlief die Sektorengrenze zwischen dem französischen und russischen Sektor Berlins. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde die Unterführung geschlossen und erst 1990 wieder geöffnet.
In seiner Düsternis erscheint der Tunnel immer noch als unsicherer Ort und hat dadurch mehr Trennendes als Verbindendes. Eine Installation des Künstlers Christian Paschedag bringt seit September 2007 Licht ins Dunkel. Sie heißt »Schienen-Lichter« und macht den Verlauf der früheren Eisenbahngleise sichtbar. Rot und Blau beleuchten sie den Tunnel, umgebaute gelbe Baustellenlampen markieren den Weg durch den Tunnel. Nachdem die Bahn wochenlang die Beseitigung der Lichtinstallation forderte, hat sie schließlich doch eingelenkt und fordert nur noch den Nachweis, dass die Anlage den technischen Vorschriften entspricht. [Februar 2008: Die Lichtinstallation existiert nicht mehr.]
Südlich und nördlich des Tunnels erstreckt sich heute der Mauerpark. Der Tunnel trennt den Mauerpark in zwei Teile, denn wegen angeblicher Baufälligkeit ist die Brücke im östlichen Teil selbst für Fußgänger gesperrt, während über ihren westlichen Teil sogar LKW fahren dürfen, ganz zu schweigen davon, dass jeder sie unterqueren kann. Bürgerinitiativen und das Quartiersmanagement des angrenzenden Falkplatzes setzen sich dafür ein, dass die beiden Teile des Mauerparks miteinander verbunden werden. Eine Weile schien der Gleimsteg, eine Brücke über die Brücke, die Lösung. Nun wird untersucht, ob die Brücke nicht doch tragfähig ist.
Stichworte
bahn, wedding, denkmal, mauerpark, tunnel, untergrund, prenzlauer berg, osten und westen, christian paschedag, schienen-lichter, lichtinstallation, ingenieurskunst
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