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Qype Advanced Insider 8254
Benutzerfoto: Lakritze

Lakritze

Kompliment Lakritze (19.07.2008) 5

Juni 2008:

Samstag gab es Fisch in der Konkreten Utopie. Sieben Gänge für 25 Euro, so stand es auf dem Plakat. Und: “Nachspeis wird kein Fisch.”

Wir wanderten kurz nach 19:00 Uhr hin, wurden persönlich von Giovanni begrüßt und an einen WG-Küchentisch gesetzt. Keine Karte, kein Auswählen -- über die nächsten vier Stunden hinweg tauchte ein kleines Gericht nach dem anderen, aufwendig zubereitet und kunstvoll gewürzt, vor uns auf.

Wir haben bald den Überblick verloren. Im Nachhinein sind wir auf zehn verschiedene Sachen gekommen; es können aber auch mehr gewesen sein.

Immer wieder kam Giovanni vorbei, beriet zum Wein, erzählte etwas über die Gewürze oder über Gott und die Welt und zeigte uns die Zutaten zu den Speisen. Viele kalabrische Spezialitäten stehen in Regalen, hängen an Wänden und Decke, und man kann sie auch käuflich erwerben.

Das kleine Lokal ist ansonsten mit Sperrmüllmöbeln, Flohmarktfunden und vielleicht dem ein oder anderen Erbstück eingerichtet; sehr ausgefallen. Tischwäsche und Tafelsilber? Pah! Hier dreht sich alles, wirklich alles ums Essen, den Wein, die Gastlichkeit. Das Ergebnis ist wunderbar.

Selten hatten wir in einem Restaurant so einen kulinarisch spannenden, gemütlichen und netten Abend. Die konkrete Utopie macht nicht einfach satt, sondern glücklich.

Juli 2008:

Cena tipica di Toscana am 25.7.08:

Vorspeisen:
Heilbutt mit Champignons -- Carpaccio
Involtini von Radicchio und Schwertfisch
Wild-Gambaroni al lardo di Colonnata
Insalata di Toscana

Intervallo:
Zuppa Toscana
Pecorina Toscana

Primo Piatto:
Risotto alla pescatrice (Seeteufelrisotto)

Secondo Piatto:
Pollo di mais al forno con patate volterra (Maishähnchen mit gebackenen Zitronen-Kartoffeln)

Dolce:
Hausgemachter Zitronenkuchen

Das Essen für 27,50 €; mit Getränken (Aperitif, Weine, Grappa, Caffè) 50 €.

Muß ich mehr schreiben?
Achja: Sollte es ausgebucht sein, nicht traurig sein, sondern gleich fürs nächste Ereignis reservieren.

--
Termine auf der Webseite und den Plakaten in der Stadt (etwa am Käseladen). Unbedingt reservieren!

Die übrige Zeit gibt Giovanni Kochkurse. Für Gesellschaften ab zehn Personen kocht er auch außer Haus.

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Kommentare (13) Bedenklicher Inhalt?
Qype Insider 403
Benutzerfoto: Biba

Biba

Kompliment Biba (10.06.2008) 5

Die konkrete Utopie - was ist das? So einfach kann man diese Location nicht beschreiben. Von außen sieht das Haus eher verlassen aus; ein Restaurant würde man da nicht gleich vermuten. Ich hatte meinen Freund eingeladen und ihn im Ungewissen gelassen.

Gut, wir treten ein: Drinnen Tische und Stühle, die in keinster Weise zusammen passen. Die Tische sind gedeckt mit Desserttellern in unterschiedlichen Farben und mit unterschiedlichen Mustern. Bei genauerem Hinsehen erkennt man auch, dass die Bestecke nicht zueinander passen. An den Wänden stehen auf Regalen Weine und Gläser mit Pesto etc. An der Decke ganz hoch obern baumelt an einer Lampe (?) eine Salami. Gabs eigentlich Fenster? Weiß ich garnicht mehr zu sagen, es war ziemlich düster im Lokal.
Mein Freund bekam die Panik, aber ich wußte ja - hatte ich mich doch vorher kundig gemacht.

Die freundliche Bedienung brachte uns zuerst verschiedene Oliven und frisches Brot an den Tisch. Dann kam der Besitzer und Koch selbst, um uns zu begrüßen. Auch seine Erscheinung löste bei meinem Freund leichte Panik aus: Ein Italiener mit schulterlangem lockigem Haar und einer blauen Arbeitslatzhose - eine etwas untypische Arbeitskleidung für einen Koch - stellte sich als Giovanni vor.
Auf meine Frage nach der Weinkarte kam die Antwort: “Die Weinkarte bin ich!” Was er uns dann empfohlen hatte war supergut.

Er half seiner Bedienung auch immer beim Servieren und kommentierte dabei jeden Gang. Ich vergaß zu erwähnen, dass es auch keine Speisekarte gab. “Fischserenade” ein Sechsgängefischmenü war angekündigt. Mehr wußte keiner der Gäste. Giovanni geht nämlich morgens auf den Markt und kauft ein, was grade gut und da ist.
Es gab in aufgeführter Reihenfolge: Algensalat (knackig und frisch), marinierte Zucchini auf Räucherfisch, gemischten Salat mit Scampi, Birnen- und Olivenpesto mit Brot, dicke Bohnensuppe mit Crevetten (habe ich um Nachschlag gebeten), Nudeln in Tomatensoße mit dem zartesten Tintenfisch, den ich jemals in meinem Leben gegessen habe, hauchdünnen Pecorino, Steinbeißerfilet mit einer sehr interessanten und superleckeren Soße und zum Dessert selbstgemachte Pralinen, einmal Chili und einmal Ingwer. Weil wir davon so begeistert waren, hat er uns einen ganzen Teller voll in die Mitte gestellt. Das waren, genau genommen, mehr als sechs Gänge, und der Preis dafür ist einfach nur geschenkt: 25 € pro Person (ohne die Weine).
Mittlerweile fühlten wir uns im romatischen Licht der Kerzen wie im Hinterland von Italien, bekocht von einer italienischen Mamma.

Mein Freund, der, ungelogen, die besten Lokale in Deutschland kennt, war mittlerweile voller Begeisterung. So gut habe er schon lange nicht mehr gegessen.
Bei Giovanni kann man aber nicht einfach so vorbeischauen, er kocht nämlich erst ab 6 Personen (müssen nicht zusammen gehören) und nur einmal im Monat gibt es die Fischserenade.
Man muss reservieren!
Ach ja, Zeit sollte man auch mitbringen. Wir haben 4 1/2 Stunden lang gegessen.

Die konkrete Utopie steht übrigens im Guide Orange, und ich würde behaupten, das Lokal ist ein Geheimtipp - noch!
Übrigens, Giovanni gibt auch Kochkurse und verkauft italienische Spezialitäten, zum Teil selbst hergestellt.

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Kommentare (4) Bedenklicher Inhalt?
Qype Advanced Insider 18K
Benutzerfoto: PJebsen

PJebsen

Kompliment PJebsen (08.11.2007) 5

Allein wegen dieses Restaurants hat sich die Mitgliedschaft bei Qype für mich gelohnt, denn ohne die ersten beiden Beiträge hätte ich nicht von der „konkreten Utopie“ erfahren.

Ich nehme das Fazit vorweg: Giovanni aus Kalabrien zauberte uns am Montag das beste Essen des Jahrzehnts. Meine beiden Kolleginnen, mit denen ich unterwegs war, teilen diese Einschätzung.

Noch bevor wir bestellt hatten, brachte uns Gioviannis Partnerin einen Glasteller mit den ersten Köstlichkeiten: spanische Fenchelsalami sowie eingelegte Pilze, Oliven und Auberginen. Eigentlich eher simple Leckereien, die aber so traumhaft zubereitet waren, dass wir bei jeder neuen Geschmackssensation zu dritt genussvoll seufzen mussten. Zum Beispiel eine warme Kombination aus Paprika, Zwiebeln und Kartoffeln: Letztere waren herrlich kross und einfach perfekt gesalzen. Wir hätten vorher nie gedacht, dass ganz profane Erdäpfel bei uns solche Begeisterungsstürme auslösen könnten.

Der Reigen der Delikatessen nahm kein Ende; ob es gekochtes Gänsefleisch war, mallorquinischer Käse, mit Honig gebackene Oliven (atemberaubend!), Fenchel mit Safranfaden, warme Olivenpaste.

Irgendwann wurden wir gefragt, was wir denn als Hauptspeise haben wollten. Zur Auswahl standen bei unserem Besuch Spaghetti mit A) Gorgonzola und Birne, B) Tomatensauce, frischen Makrelen und Minze sowie C) Kaninchen. Das Kaninchen (C) schmeckte leider nicht so intensiv, wie ich mir das vorgestellt hatte, was aber den Gesamteindruck nicht wesentlich schmälert. Die beiden anderen Speisen waren so vorzüglich, wie es die vorausgegangen Appetithäppchen verheißen hatten.

Als Dessert gab es für jede(n) eine wunderbar knackige, in Grappa eingelegte Kirsche, ein spanisches Mandeltörtchen und eine besondere Kreation von Giovanni: eine Chili-Schoko-Praline.

Wir zahlten für das Schlemmermenü 15 Euro pro Person und wurden vor dem Sprung ins Taxi von Giovanni per Handschlag verabschiedet. Hinterher kamen wir durch das lange Mittagessen terminlich in Teufels Küche, aber für dieses himmlische Mahl hat sich das gelohnt.

Ich hoffe, bald mal wieder in Saarbrücken zu sein.

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Kommentare (22) Bedenklicher Inhalt?
User_star_grey 138
Benutzerfoto: Boots69

Boots69

Kompliment Boots69 (02.11.2007) 3

Ich bin dort auch mal auf Grund einer Einladung vor längerer Zeit gewesen. Nun bin ich leider nicht der Experimentierfreudigste, wenn es um Essen geht und auch mein Geschmack ist eher straight. Deswegen ist diese Lokalität auch nicht mein Lieblingsplatz (und es gibt nur 3 Sterne für das seltsame Ambiente), aber das Dortgewesensein war in der Tat ein Erlebnis, so was habe ich noch nicht erlebt.
Man sollte es gesehen und probiert haben. Die Speisen waren wirklich sehr abgefahren.
Und man sollte viel Zeit mitbringen...

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