Kompliment
Hexje (27.10.2007)
Herrje. Was hätte der olle Jöhte Mitleid, wenn er wüsste, wie lang die Liste der Stichworte wird, wenn frau über das Goethehaus, sein Geburtshaus, schreiben will. Den Namen Goethe kennt jeder. Dass die meisten sein Werk nicht oder kaum kennen, liegt nicht nur an der inzwischen historisch gewordenen Genialität des Meisters, sondern auch an seinem unerhörten Glück und seinem langen Leben. Und weils noch kein Internet gab und auch keine Schreibmaschine, schrieb der Meister mit der Hand und diese kluge Fleißarbeit bis ins hohe Alter macht ihm bis heute kaum einer nach. (Nachdenklich innehaltend bei diesem Gedanken fallen mir spontan nur wenige Namen ein, wie Viktor Klemperer, Ricarda Huch, Heinrich Heine.) Aber zurück zum Thema. Ich habe für Euch, geneigte Leser, ein kleines Gedicht ausgegraben, das mir vertraut ist, weil es meine persönliche Visitenkarte ziert:
GARTENHAUS AM UNTERN PARK
Übermütig sieht's nicht aus,
Hohes Dach und niedres Haus;
Allen, die daselbst verkehrt,
Ward ein guter Mut beschert.
Schlanker Bäume grüner Flor,
Selbstgepflanzter, wuchs empor,
Geistig ging zugleich alldort
Schaffen, Hegen, Wachsen fort.
J.W. von Goethe
Das Gartenhaus Goethes, (nicht meins) steht in zwar in Weimar aber sei's drum. Zum Geburtshaus Goethes, das eine wunderbare Website hat, die alle Einzelheiten bietet : http://www.goethehaus-frankfurt.de/goethehaus/index.html
Samt Eintrittspreisen und Öffnungszeiten,
gibt es vielleicht noch zu berichten, dass Goethes Oma das Haus gekauft hat und seine Eltern haben es umgebaut. Architektonisch gesehen ist das Haus echt interessant, auch, weil Goethes Mutter eine kluge, gebildete Frau war, die in diesem Haus allerhand Treffen veranstaltete, die unter dem Nenner "Kaffeekränzchen" zu schwach bewertet wären, denn es gab dort Brot und Wein und bekannte Intellektuelle der Zeit gingen dort ein und aus.
Die Bibliothek des Hauses ist sehenswert und auch, was sonst an Möbeln und Schriften und Gerätschaften jener Zeit ausgestellt ist.
Das Haus ist wirklich sehenswert, es rührt unser Gefühl und inspiriert unsere Phantasie. Und das, obwohl Goethe später in seinem Leben sein Bürgerrecht zurückgegeben hat, weil ihm Frankfurt am Main zu provinziell und dörflich erschien.
Ich habe hier für Euch eine Literaturangabe:
"Frauen in der Stadt - Frankfurt im 18. Jahrhundert"
Ulrike Helmer Verlag, 2002
ISBN 3-89741-110-5
Da findet Ihr Fotos des Goethehauses und es wird beschrieben, wie Goethes Mutter damals lebte, wie das Haus beschaffen war, in dem sie ihre Tochter und ihren Sohn aufzog.
Diesen besonderen Sohn, der nach dem Studium nach Wetzlar ans Reichskammergericht ging und dort die unglückliche Liebe seines Freundes im bahnbrechenden Roman "Die Leiden des jungen Werthers" beschrieb, ein Buch, das die Bestsellerlisten stürmte, weil es den Selbstmord aus Liebeskummer als begreiflich darstellte. Die Kirche war empört. Und Goethe ein gemachter Mann.
Nachzutragen bleibt, dass das Sterbezimmer des unglücklichen Sylvester in Wetzlar bis heute zu besichtigen ist.
Nehme ich an.
Das Reichskammergericht in Wetzlar schloss nach fast 400 Jahren Bestehens 1806 mit dem Abdanken des Kaisers seine Pforten. Aber das Lotte-Haus ist bis heute zu besichtigen. Dies alles gehört aber unter das Stichwort Wetzlar.
Und ja, der Weinkenner Goethe, der sich in Weimar erlesene Weine aus allen Himmelsrichtungen liefern ließ, genoss vergnügt den Äppelwoi im Ossenheimer Wäldchen.
Ein langer Beitrag. Hoffentlich nicht allzu lang.
Goethe war ein Genießer, deshalb schließe ich
mit genießenden Grüßen,
Hexje
Stichworte
wein, museum, frauen, architektur, frankfurt, bibliothek, goethe, gartenhaus, wetzlar, emanzipation, ossenheimerwäldchen, lotte
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