26.10.2007
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San Lorenzo della Costa ist ein hübsches, kleines Örtchen, das an der Via Aurelia zwischen Ruta di Camogli und Santa Margherita Ligure oder Rapallo liegt. Hätte der Ort nicht eine barocke Kirche mit einem Gemälde von Luca Cambiaso aus dem 16. Jahrhundert und ein Triptychon flämischer Schule, das noch älter ist, nämlich aus dem Jahre 1499 stammend, wäre da nur noch der Bolzplatz unterhalb der Kirche und einige gemütliche Häuser. Das stimmt jetzt nicht ganz, denn es gibt auch noch die unvergleichliche Trattoria „Da Oreste“. Unvergleichlich auch deshalb, weil ich lange Zeit geglaubt habe, das schöne Haus mit den nächtens brennenden Fackeln wäre kein veritables Restaurant, sondern die Kulisse einer Orestie. Es gab nie einen freien Tisch und das stimmte nachdenklich.
Nun habe ich aber herausgefunden, warum das so ist. Es gibt einen durchaus irdischen Grund dafür und der heißt Qualität. Qualität der Produkte, Qualität der Zubereitung und Qualität des Services. Originalität könnte man noch dazufügen. Dies mit der Qualität scheinen viele Feinschmecker an der ligurischen Küste begriffen zu haben und darum ist Da Oreste immer ausgebucht. Beinahe, und zur Originalität kommen wir jetzt. Es gibt nämlich keine Karte, von der man frei wählen kann. Das ist angenehm, da man sich das ganze Jahr über unnötig den Kopf zerbricht und das im Urlaub auch mal sein lassen kann. Vertrauen Sie einfach dem höflichen und charmanten jungen Mann, der natürlich fließend italienisch, aber lieber englisch spricht. Er sagt Ihnen einfach vorher, was Gang für Gang auf den Tisch kommt. So einfach ist das.
Einfach? Es gibt pro Speisefolge immer zweierlei. Zur Vorspeise zum Beispiel jede Menge Coppa, Prosciutto crudo, Salame, aber auch jede Menge Gemüseküchlein mit Zwiebeln oder Salbei oder was anderem. Und das auf riesigen Platten, und es ist schon beinahe unangenehm, immer wieder sagen zu müssen, sie hätten genug. Gehen Ihnen die Augen über?
Wenn nicht, wird das bestimmt beim ersten Hauptgang der Fall sein. Sie können nämlich nicht wählen zwischen Spaghetti al pesto und Troffiette con salsa di noce, es gibt beides. Unweigerlich. Und das nicht zu knapp. Auch wenn Sie gierig sind und die freundliche Bedienung insistiert, denken Sie an Ihre Gesundheit und an den zweiten Hauptgang. Hurra, das Kaninchen ist da! Aber auch ein schönes Roastbeef vom guten Stück. Und wie wenn das nicht genug wäre, werden Sie auch noch von Steinpilzen mit Kartoffeln bedrängt. Kein Wunder, dass das Lokal „Da Oreste“ heißt, der ist ja meines Wissens dem Wahnsinn verfallen.
Aber jetzt keine Albernheiten. Oreste ist der Wirt und der bringt dann nach dem Dessert, das ist ein unscheinbar großer Teller mit Eis und taufrischen Waldbeeren, den Kaffee. Aber nicht ohne sich vorher erkundigt zu haben, ob denn alles ordentlich und ausreichend gewesen wäre. Nun könnte ich diese Beschreibung beenden, wenn nicht noch eine Fortsetzung dieser typischen Gastfreundschaft folgen würde. Das Digestivum gibt es mindestens zweifach. Der Neuseeländer hinter uns hatte zu Schluss sogar sämtliche Flaschen des Hauses auf dem Tisch stehen. Aufs Haus, versteht sich. Bitte vergessen Sie das nach Zitronen duftende Kraut nicht. Es wird beim Abschied gereicht und ist äußerst angenehm unter der Nase, wenn Sie vor lauter Glückseeligkeit nicht einschlafen können.
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